27.08.12

Nachbau

In China wird jetzt auch der Lamborghini kopiert

Ein chinesischer Automechaniker hat sich seinen eigenen Lamborghini Reventon zusammengebastelt. Für 7500 Euro. Die Karosserie ist vom Schrottplatz, der Motor aus einem alten VW Santana.

Foto: Lamborghini

Vorbild ist der Lamborghini Reventon. Benannt nach einem Kampfstier, 1,2 Millionen Euro teuer und in streng limitierter Auflage produziert.

4 Bilder

Die meisten Karosserieteile stammen vom Schrottplatz, das gute Stück hat ein bisschen Rost und Patina angesetzt. Nun ja, die Ledersitze sind auch nicht mehr die neuesten, und der Motor rödelt vor sich hin, wenn der Fahrer das Düngemittel durch die Gegend fährt.

Zugegeben: Von außen sieht es aus wie eine Rostlaube. Aber kein Zweifel, es ist ein Sportwagen. Und was für einer.

Er hat zwei Türen, die sich nach oben öffnen, und eine schnittige Karosserieform in Form eines Düsenjets, die nah ran kommt an den legendären Lamborghini Reventon. Der stolzer Besitzer, der 28 Jahre alte Chinese Wang Jian, hat schon als Kind davon geträumt, einmal einen eigenen Sportwagen zu lenken. Jetzt hat er ihn.

Bauanleitung aus dem Internet

Inspiration fand er im Internet, da stieß er auf den Reventon. "Den fand ich supercool", wird Wang Jian auf der Seite china.org.cn zitiert. Vom Wagen gab es Anleitung zum Bau eines Spielzeugautos. Immerhin. Ein Nachbau 1:1 hatte der Hersteller wohl nicht vorgesehen.

Aber die Chinesen sind bekanntlich wahre Meister im Kopieren. Vor knapp anderthalb Jahren begann Wang Jian damit, ein kleines Modell des italienischen Supersportwagens anzufertigen und seinen gebrauchten Volkswagen Santana auszuschlachten. Dass Lamborghini zum VW-Konzern gehörte, machte die Sache für ihn nicht einfacher.

Er verfrachtete den Santana-Motor von vorne ins Heck, schweißte und hämmerte und baute Stück für Stück das Chassis um zu einem stromlinienförmigen Unikat. Er pflanzte ins Gestell vier Federn ein, fügte die Radaufhängungen an, berechnete Radstand und Spurweite. Das Lenkrad stammt ebenfalls vom Schrottplatz und wurde aus einem Nissan ausgebaut, die Kupplung aus einem Kleinbus der Marke SAIC-Wuling, an der Volkswagen ebenfalls beteiligt ist.

China-Lambo schafft Spitzentempo 160

Nicht alles am Auto ist gebraucht, darauf legt Wang Jian Wert. Das Auspuffrohr hat er neu bei einem Händler bestellt und soll angeblich ähnlich kraftvoll röhren wie der eines Sportwagens. "Ich habe immer gedacht, dass etwas fehlt in meinem Leben. Ich wollte mir den Traum erfüllen, ein einzigartiges Auto bauen. Den habe ich mir jetzt erfüllt", sagt Wang Jian, der eigentlich Ingenieur werden wollte, es aber nicht bis an die Universität brachte.

Die Kosten für den abenteuerlichen Umbau beziffert er auf 60.000 Yuan, rund 7500 Euro. Ein Schnäppchen verglichen mit dem Original: 1,2 Millionen Euro kostet so ein Flitzer. Der hat dafür auch zwölf statt vier Zylinder und bringt es damit auch auf eine Höchstgeschwindigkeit von 340 Stundenkilometern. Der China-Lamborghini macht immerhin 160 Sachen.

Eine Zulassung hat er übrigens nicht, auf den Straßen seiner Heimatprovinz Jiangsu in Ostchina ist der Bastler wird er aber trotzdem geduldet. Wang Jian darf den Lamborghini Made in China nur benutzen, um Dünger auf die Felder zu transportieren.

Bald soll der Wagen noch Scheinwerfer und eine anständige Lackierung bekommen. Dann dürfte dem Chefdesigner eine große Karriere bei VW oder anderswo winken.

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