21.08.12

Oldtimer

Borgward Isabella, mondän im Wirtschaftswunder

Isabella! Mit ihr belohnten sich diejenigen, die sich ersten Wohlstand erworben hatten. Das Ende wurde zum Wirtschaftskrimi: Isabella kam aus Bremen, sie bot betörende Formen und sportliche Leistungen

Foto: picture-alliance / dpa

Die Borgward Isabella war ein Auto für die Erfolgreichen des Wirtschaftswunders – mondän und für Aufsteiger trotzdem noch bezahlbar. Von 1954 bis 1962 wurde sie gebaut.

7 Bilder

Vor 50 Jahren, im Jahr 1962, gewann eins der elegantesten Autos der Nachkriegszeit noch einmal einen Lauf des Internationalen AVUS-Rennens. Doch zu dieser Zeit war das Modell schon fast Geschichte, die Borgward Isabella, beim Rennen in Berlin am Start als TS Coupé. Nur wenige Monate später endete die Fertigung unter tragischen Umständen.

TS, das stand für die Isabella-Version mit dem stärkeren Motor, mit 75 statt nur 60 PS im Basismodell. In den späten Fünfziger und frühen Sechziger Jahren war man damit flott unterwegs – die Isabella wurde gern gewählt von Menschen, die es im Wirtschaftswunder zu Wohlstand gebracht hatten und für ihr Geld ein Auto haben wollten, das sowohl sportlich als auch elegant war.

Erfolg bis in die USA

Fließende Formen mit einem gewissen Maß an Zuckerguss, glänzende Zierleisten, Chromringe um die Scheinwerfer und Rückleuchten, die sich in die Ecken der hinteren Kotflügel schmiegten.

Mit einem Preis von gut 7.000 Mark war das Produkt aus dem Werk in Bremen teurer als ein gleich großer Ford oder Opel – aber denen sah ja auch niemand hinterher. Für Borgward war die Isabella ein Erfolg, für den sich sogar bis in die USA Käufer fanden. Auftritte im Motorsport stärkten das dynamische Image, sogar bei der Carrera Panamericana wurde das Modell im Jahr 1954 gesichtet.

Ein Kosename wird zur Modellbezeichnung

Gut 200.000 Mal wurde der Wagen bis 1962 gebaut, danach wurden die Karosseriewerkzeuge nach Mexiko verkauft, wo noch eine Handvoll weiterer Isabellen entstand. Ihr Leben begonnen hatte die Schönheit begonnen mit dem schnöden Namen "Hansa 1500". Doch als Prototyp hatte das Modell bereits den Frauennamen getragen, der passte so gut zu den femininen Formen, dass er ab 1957 auch offiziell Verwendung fand.

Das Coupé ergänzte ebenfalls ab 1957 die Modellfamilie, die bereits Limousine, Kombi und ein Cabrio auf Basis der Limousine umfasste. Das Coupé erhielt seine eigene offene Variante, die teuerste Möglichkeit, eine Borgward Isabella zu fahren: Preise bis 17.000 Mark lagen auf dem Niveau des Porsche 356.

Keine Kredite ohne Bürgschaft

Das Ende kam dann plötzlich und unfreiwillig – und in einer Weise, die Fans der Marke heute noch an böswillige Machenschaften glauben lässt: Geführt wurde das Unternehmen nämlich von einem Patriarchen namens Carl Friedrich Wilhelm Borgward, der außerdem noch Marken wie Goliath und Lloyd sein Eigen nannte.

Der Unternehmer hatte zur Isabella-Zeit die Modellpalette seiner Marken sehr stark ausufern lassen, für viele der Wagen fanden sich im Gegensatz zur Bremer Schönheit nur wenige Käufer. Anfang der Sechziger machten dann Gerüchte über wirtschaftliche Probleme die Runde. Das Land Bremen zog Kreditbürgschaften zurück und machte so aus vermuteten Problemen reale.

Ein Verwalter im Interessenkonflikt

Damit nicht genug wurde für das Unternehmen ein Verwalter bestellt, der gleichzeitig dem Aufsichtsrat des Konkurrenten BMW vorstand. Borgward wurde abgewickelt und in Einzelteilen verkauft, nur um festzustellen, dass sich mit den Erlösen die Verbindlichkeiten komplett bezahlen ließen – überschuldet war Borgward also nicht gewesen.

Doch viele Liebhaber der Marke hatten schon eine andere Marke entdeckt, die ihnen bezahlbare, ausgesprochen fahrdynamische Autos liefern konnte. Sie produzierte in München und hieß BMW.

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