26.07.12

Benzindiebstahl

Deutsche Fahrer klauen Sprit für 25 Millionen Euro

Je teurer Benzin und Diesel werden, desto mehr Autofahrer entscheiden sich für die radikalste Spar-Variante: Sie klauen den Sprit. Neun von zehn Dieben kommen in Deutschland straffrei davon.

Von Stefan Anker
Foto: dapd

Werbung aus vergangenen Zeiten: Diese Aufschrift hier gehört zu einer geschlossenen Tankstelle in Bayern. Mehr und mehr Autofahrer praktizieren in Deutschland dennoch „günstiges Tanken“, indem sie einfach wegfahren, ohne zu bezahlen
Werbung aus vergangenen Zeiten: Diese Aufschrift hier gehört zu einer geschlossenen Tankstelle in Bayern. Mehr und mehr Autofahrer praktizieren in Deutschland dennoch "günstiges Tanken", indem sie einfach wegfahren, ohne zu bezahlen

Es sind Wachstumsraten, auf die man gern verzichten würde: Der Diebstahl von Benzin und Diesel direkt an der Tankstelle nimmt rasant zu, von 2010 auf 2011 stieg die Zahl der Delikte um zehn Prozent, wie das Internetportal www.auto.de in einer Studie ermittelt hat.

Laut Bundeskriminalamt wurden 85.065 Tankdiebstähle registriert, doch soll die Dunkelziffer bei 80 Prozent liegen. Das bedeutet, dass es geschätzt mehr als 400.000 Taten gibt, und in 320.000 Fällen scheuen die Betroffenen den Gang zur Polizei. "Vielen Tankstellenpächtern ist der bürokratische und letztlich auch der finanzielle Aufwand einfach zu groß", sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes (ZTG).

Neun von zehn Dieben kommen davon

Nimmt man nur die angezeigten Fälle, liegt der Schaden laut BKA bei 5,75 Millionen Euro, mit Dunkelziffer kann da aber auch das Fünffache zusammenkommen – je nachdem, wie leer die Tanks waren, die kostenlos befüllt wurden.

Die Aufklärungsquote beträgt laut Studie 43,7 Prozent – trotz Kameraüberwachung wird also nicht einmal jeder zweite Sprit-Dieb zur Rechenschaft gezogen. Und rechnet man die Dunkelziffer mit ein, kommen sogar neun von zehn Dieben straffrei davon. Der neueste Trick zur Verschleierung der Tat ist der vorherige Diebstahl von Nummernschildern. Die werden an das Auto der Täter geklemmt und an der nächsten Ecke wieder weggeworfen.

Jede Tankstelle sechs Mal pro Jahr betroffen

Das geringe Risiko, erwischt zu werden, mag den hohen Anteil der Tatverdächtigen erklären, die praktisch um die Ecke wohnen: 33,3 Prozent leben laut Studie in derselben Gemeinde, in der sie die Tankstelle um Benzin oder Diesel prellen.

Jede der rund 14.000 Tankstellen in Deutschland ist im Durchschnitt sechs Mal pro Jahr betroffen (bezogen auf die angezeigten Fälle), in den Großstädten liegt die Zahl allerdings deutlich höher. So schreibt jede Berliner Tankstelle 18 Mal pro Jahr den Umsatz ab, und die hartnäckigsten Spritdiebe wohnen in Solingen: Hier meldet jede Tankstelle im Durchschnitt 22 Spritdiebstähle im Jahr.

Die meisten Fälle gibt es in Berlin

Außerdem ist diese Form der Kriminalität besonders weit verbreitet in Leipzig (21 Fälle pro Tankstelle), Bottrop (20), Konstanz (18), Hamburg, Bonn, Köln (je 17) und Magdeburg (15).

Bei den absoluten Fallzahlen liegt Deutschlands größte Stadt an der Spitze: Berlin führt mit 6221 angezeigten Sprit-Diebstählen vor Hamburg (2831), Köln (2454), Frankfurt am Main (1161), Düsseldorf (892) und München (888). Den größten Anstieg gab es in Baden-Baden: 120 angezeigte Fälle stellen einen Zuwachs um 522 Prozent dar.

Liegt es an den hohen Spritpreisen?

Die Autoren der Studie stellen ganz zu Beginn einen Zusammenhang mit den gestiegenen Kraftstoffpreisen her: Für Superbenzin musste man laut Mineralölwirtschaftsverband 2011 exakt 9,8 Prozent mehr bezahlen als 2010, Diesel stieg sogar um 15,8 Prozent. Das mag zur Motivation der Spritdiebe beitragen. Aber nicht zum Verständnis für die Tat: Diebstahl ist verboten, und das aus gutem Grund.

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