09.07.12

BMW 3er Hybrid

Der stärkste Gegner des Öko-Autos bleibt der Diesel

Mehr und mehr setzt sich die Kombination aus Verbrennungs- und E-Motor durch, selbst bei deutschen Herstellern und sogar bei BMW. Doch die Vorteile werden nicht sofort ersichtlich.

Von Stefan Anker
Foto: BMW

Zackig und dynamisch um die Ecken – darum geht es auch beim sparsamen Active Hybrid 3. Äußerlich ist der Öko-3er denn auch nicht als Hybridmodell zu erkennen, es sei denn...

12 Bilder

Man kann ja über alles reden. Aber es müssen irgendwann auch mal die Zahlen sprechen. Und die lauten so: 52.300 gegen 44.400.

Für 44.400 Euro bekommt man einen famosen BMW 330d mit 258 PS starkem Sechszylinder-Diesel und 4,9 Liter Normverbrauch. Der neue Active Hybrid 3 mit dem Sechszylinder-Benziner aus dem 335i bietet zwar 340 PS Systemleistung, kostet aber auch 52.300 Euro und verbraucht nach Norm 5,9 Liter. Wo ist da der Vorteil?

8,5 Liter im Praxistest

Vielleicht liegt er auf der Straße. Einen 330d zum Vergleich stellt BMW bei der Präsentation des neuen Hybrid-3er nicht zur Verfügung, aber man darf vermuten, dass er auch den Alltagstest für sich entschieden hätte. Nach 117 Kilometern, überwiegend über Landstraßen und durch kleine Ortschaften, am Ende ein bisschen Autobahn mit maximal Tempo 150, nach dieser Strecke zeigt der Bordcomputer des zurückhaltend gefahrenen Active Hybrid 3 einen Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern an.

Nicht gerade erschütternd wenig, obwohl die Hybridtechnik alles gegeben hat und das Auto viel mit abgeschaltetem Benzinmotor unterwegs war. Möglicherweise sei genau das der Fehler, sagt Herbert Negele, der Projektleiter für den Active Hybrid 3.

"Elektrisches Fahren ist nicht immer effizient"

Nahezu jeder moderne BMW hat eine Taste auf der Mittelkonsole, die sie in München Fahrerlebnisschalter nennen. Man stimmt damit die Motorcharakteristik zwischen besonders sportlich und besonders sparsam ab. Aktiviert man beim Active Hybrid 3 den Eco-Pro-Modus, so versucht das Auto, so oft wie möglich rein elektrisch zu fahren. "Aber mehr elektrisches Fahren ist nicht immer effizienter", sagt Ingenieur Negele.

Es komme darauf an, wie die Energie vorher in die Akkus eingespeist werde. "Ein Teil kommt ja auch über die Lastpunktanhebung." Das bedeutet: Der Verbrennungsmotor füttert bei Bedarf die Akkus, und damit ist dem Gesamtverbrauch wenig geholfen.

Das Auto erkennt, wann ein Gefälle naht

Der Fahrer müsste auf dem Bildschirm im Armaturenbrett den Ladezustand der Batterien beobachten und nur dann die elektrische Fahrt erzwingen, wenn sie gut gefüllt sind, etwa nach mehrmaligem Ausrollen des Autos vor einer roten Ampel.

Man kann die Koordination allerdings auch dem Auto überlassen, jedenfalls wenn ein Navigationssystem eingebaut ist. Das erkennt nahende Gefällstrecken und schaltet beim Bergauffahren den Elektromotor zu, damit der Benziner weniger Sprit verbraucht und die Akkus sich leeren.

"So bekomme ich die Energie umsonst"

Oben angekommen, rollt der BMW zu Tal, der E-Motor kehrt seine Wirkung um und lädt als Generator die Batterien auf. "So bekomme ich die Energie umsonst", sagt Negele.

Er selbst nutze den Active Hybrid 3 auf dem Weg zur Arbeit und verbrauche damit im Alltag 7,5 bis acht Liter. Zum Vergleich zieht der Projektleiter allerdings nicht den 330d heran, sondern den 335i ohne zusätzliche Elektrotechnik. "Damit verbrauche ich etwa 9,5 Liter."

Der Diesel bleibt der ärgste Feind des Hybrid

Letztlich bestreitet niemand, dass ein Hybridauto weniger verbraucht als ein vergleichbarer Benziner, doch der Diesel ist sein ärgster Feind, zumindest in Europa. "Der Hybrid zielt auf die Märkte, wo der Diesel keine Rolle spielt", räumt Herbert Negele ein, gibt aber auch zu bedenken, dass ein Dieselauto nicht lautlos dahingleiten könne, wie ein Hybrid das wenigstens manchmal schafft.

Außerdem verweist der Entwickler auf die Diskussionen, in der EU die Steuern auf Diesel anzuheben. "Dann haben wir eine ganz neue Situation." BMW sei jedenfalls gut beraten, beide Techniken im Angebot zu haben.

Hoher Aufpreis für die Elektrifizierung

Was bleibt, ist der hohe Aufpreis von 6440 Euro gegenüber einem 335i mit Achtgang-Automatik und 7900 Euro im Vergleich zum 330d, der die Automatik wie der Hybrid serienmäßig mitbringt.

Im Active Hybrid 3 ist etwas mehr Ausstattung enthalten, etwa eine aufwendigere Klimaautomatik, die Vorbereitung fürs Navigationssystem und ein edleres Cockpit. Unterm Strich bleiben immer noch rund 5000 Euro – dabei bietet BMW denselben Hybridantriebsstrang auch im 5er an, kann also viele Gleichteile nutzen.

Toyota kann es deutlich preiswerter

Deutlich preiswerter ist da der neue Allianzpartner Toyota unterwegs, der jetzt den ersten Hybrid-Schritt in die Kleinwagenklasse unternimmt.

Der neue Yaris Hybrid mit einer Systemleistung von 100 PS kostet 16.950 Euro, das sind nur 620 Euro mehr, als für den 90-PS-Diesel zu zahlen sind. Hier liegt auch der Normverbrauchswert des Hybrid mit 3,7 Liter auf 100 Kilometer unter dem des Dieselmotors, der mit 3,9 Litern angegeben ist.

Akkukapazität entspricht einer Coladose voll Benzin

Kein Wunder, dass BMW-Projektleiter Negele auch vom Lernen spricht, wenn es um den Active Hybrid 3 geht. Man brauche eine ausgereifte Technik für die Übergangszeit zwischen dem heute üblichen Fahren mit Öl und der künftigen Elektromobilität.

Wie weit der Weg noch ist, weiß Negele natürlich auch. "Die Batterie in unserem Hybrid wiegt 47 Kilogramm und speichert 675 Wattstunden, das entspricht ungefähr einer Coladose Benzin."

Das ist wenig, aber als Entwicklungsingenieur ist man ja auch zum Optimismus verpflichtet. "Der Unterschied ist: Ich kann die Coladose während der Fahrt wieder auffüllen, das geht beim Verbrennungsmotor nicht."

Die Reise zur Präsentation des Active Hybrid 3 wurde unterstützt von BMW

Quelle: Autobild TV
30.03.2012 5:35 min.
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