Oldtimer
"Buckel-Volvo" – Schweden-Schönheit mit Knäcke-Po
Vor 70 Jahren, mitten im Krieg, entwickelten die Schweden bereits ein Nachkriegsfahrzeug: den "Buckel-Volvo" PV 444. Er legte den Grundstein für Volvos guten Ruf als Erbauer robuster, sicherer Autos.
Als in Europa der Zweite Weltkrieg tobte, herrschte in den Autofabriken des Kontinents der Ausnahmezustand: Die zivile Pkw-Produktion war zusammengebrochen, überall rollten Militärfahrzeuge vom Band. Nur in Schweden nicht. Das Königreich war neutral geblieben, dort hatte man die Muße, sich Gedanken für die Zeit nach dem Krieg zu machen.
Denn es war klar, das es in Europa nach dem Ende der Feindseligkeiten irgendwann wieder einen großen Bedarf an zivilen Autos geben würde. Und so begannen die Ingenieure bei Volvo vor 70 Jahren, mitten im Kriegsjahr 1942, an einem komplett neu entwickelten Nachkriegsfahrzeug herumzutüfteln.
Präsentation im Kriegsjahr 1944
Auf der Industrieausstellung in Stockholm wurde das rundliche Gefährt dann als PV 444 – das stand für "Personvagn", Viersitzer und das Jahr 1944 – erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Und die war begeistert. Obwohl damals überhaupt nicht klar war, wann der neue Volvo geliefert würde, unterschrieben 2300 Schweden noch am Messestand einen Kaufvertrag.
Sie mussten am Ende mehr als zwei Jahre, bis Ende 1946, auf ihr neues Auto warten. Das lag an den Materialengpässen nach dem Krieg: Vor allem Karosserieblech und Reifen fehlten. Erst im Februar 1947 lief die Serienproduktion dann im Werk Lungby mit größeren Stückzahlen an.
Im Volksmund hieß das Gefährt "Buckel-Volvo"
Obwohl die Werbung den PV 444 als "schwedische Schönheit" pries, hatte der barock geschwungene Wagen im Volksmund dank seines charakteristischen Hinterteils alsbald einen weniger charmanten neuen Spitznamen weg: Buckel-Volvo. Zunächst gab es den Zweitürer nur in Schwarz. Erst 1949 war der Buckel-Volvo in Taubengrau lieferbar, später dann auch in Perlgrau, Blau und Dunkelrot. Für den Export gab es noch eine Version in Meergrün.
Unter der Haube des Buckel-Volvo steckte solide Wertarbeit. Die 45 Pferdestärken erlaubten immerhin eine Spitzengeschwindigkeit von 119 Stundenkilometern.
Testbericht spricht von "amerikanischer Charakteristik"
Einer der ersten Testberichte erschien in der englischen Zeitschrift "The Motor", die voll des Lobes war: "Eingestandenermaßen als kleiner Wagen mit amerikanischer Charakteristik konzipiert, stellt der Volvo ein außerordentlich bemerkenswertes Beispiel dar, wie sich moderne Konstruktionsmethoden mit so unterschiedlichen Anforderungen wie Geschwindigkeit und geringem Benzinverbrauch, Bequemlichkeit und günstigem Herstellungspreis in Einklang bringen lassen."
Die amerikanische Anmutung des neuen Volvos kam nicht von ungefähr, die optische Nähe zum damals aktuellen Pontiac war unverkennbar. Was vor allem daran lag, dass sich die Volvo-Konstrukteure, als sie in den 40er-Jahren einen Blick auf das Treiben der Konkurrenz warfen, nur in den USA umsehen konnten, wo der Weltkrieg die Produktion ziviler Fahrzeuge nicht lahmgelegt hatte.
Die zweite Baureihe kam 1958 auf den Markt
Zudem war man bei Volvo schon damals in den Gedanken verliebt, den Neuen auch in die Staaten zu exportieren. Die Rechnung ging auf, wenn auch erst Jahre später: 20 Prozent der Volvo-Produktion des Jahres 1960 wurde beispielsweise in Nordamerika abgesetzt.
Der PV 444 wurde jahrelang äußerlich fast unverändert gebaut. Erst 1954 wurde die geteilte Heckscheibe durch eine einteilige ersetzt, außerdem wurde dem Buckel eine größere Windschutzscheibe spendiert. 1958 präsentierte Volvo dann die Nachfolge-Baureihe 544. Die sah gar nicht so neu aus: Die Windschutzscheibe war jetzt einteilig, der Geschwindigkeitsanzeiger war nun waagerecht gestaltet, und statt für vier war das Gefährt jetzt für fünf Personen zugelassen. Zudem gab es einen anders gestalteten Kühlergrill.
Ansonsten sah der neue 544 aus wie der alte Buckel-Volvo. Trotzdem verkaufte er sich blendend: Bis 1965 rollten fast 244.000 Exemplare vom 544er vom Band, rund 44.000 mehr als vom 444er.
"Ein Auto so haltbar wie Knäckebrot"
Die bucklige Familienkutsche legte das Fundament für den guten Ruf, den Volvo bis heute international genießt: Mit ihrem dicken Blech und der Windschutzscheibe aus Verbundglas galt der Buckel-Volvo von jeher als sicheres Auto, mit dem man besser nicht zusammenstoßen wollte – "ein Auto so haltbar wie Knäckebrot", lobte etwa die Zeitschrift "Oldtimer-Markt".















