30.06.12

CLS Shooting Brake

Mercedes baut jetzt den schrägsten Kombi

Er war groß, eher unpraktisch und modellpolitisch nicht korrekt. Trotzdem war der Mercedes CLS ein großer Erfolg, den Daimler nun wiederholen möchte. Mit einem weiteren automobilen Widerspruch.

Foto: Daimler

4956 Millimeter Schönheit – oder fünf Meter Missverständnis: Der Mercedes CLS Shooting Brake wird die Autofreunde in glühende Bewunderer und erbitterte Gegner teilen. Nicht die schlechteste Voraussetzung, um im Gedächtnis zu bleiben.

12 Bilder

In der Kategorie "Autos, die die Welt nicht braucht" entstehen oft die schönsten Modelle. So geschehen 2004, als Mercedes es wagte, eine Variante der E-Klasse mit schräg-sportlichem Heck zu kombinieren. Der CLS war geboren, die Konkurrenz staunte nicht schlecht – und ärgerte sich bald darüber, dass sie nicht auch auf die Idee gekommen war, ein Coupé mit vier Türen zu bauen.

Denn während notorische Nörgler noch mäkelten, dass es so etwas ja gar nicht gebe, ein Coupé habe doch notwendigerweise nur zwei Türen, verkaufte sich der CLS wie geschnitten Brot.

Auch die zweite Generation, erschienen 2010, läuft sehr gut, doch da inzwischen viele andere Hersteller ebenfalls viertürige Coupés anbieten, geht Mercedes jetzt einen Schritt weiter: Der neue CLS Shooting Brake ist eine Kreuzung aus Coupé und Kombi.

Dieser Gedanke ist auf den ersten Blick noch widersinniger, doch es geht eben wieder ums Design. Der Shooting Brake stehe "für die weiterentwickelte Formensprache von Mercedes-Benz, die sich an ästhetischen sowie avantgardistischen Grundsätzen orientiert", sagt Designchef Gorden Wagener. Man könnte auch sagen: Sieht toll aus, der Wagen.

Was natürlich Geschmacksache ist, aber der Erfolg des normalen CLS hat ja gezeigt, dass längst nicht jeder Kunde den Raum braucht, den ihm ein Fünfmeter-Auto bieten könnte. So wird es auch beim Kombi-Coupé sein, das aber immerhin einen Laderaum von 590 bis 1550 Litern zu bieten hat. Und einen Kofferraumboden, den man so noch nie gesehen hat.

Fünf Interieurfarben, drei Holzsorten

Kirschbaum, mit Intarsien aus Räuchereiche und Schutzschienen aus Aluminium. Da sieht es im Auto aus wie an Bord einer Yacht, aber man ahnt es schon: Serienmäßig ist so etwas nicht zu haben. Das schmucke Furnier stammt aus der Designo-Serie, aus der sich Mercedes-Kunden schon immer ganz besondere Innenraumdesigns schneidern lassen können.

Insgesamt stehen für den Shooting Brake fünf Interieurfarben zur Verfügung, dazu fünf verschiedene Ausführungen für die Zierteile und drei Lederqualitäten. Zudem wählt man zwischen drei Holzsorten: Wurzelnuss braun, Esche schwarz und Pappel Hellbraun. Karbon und Klavierlack gibt es auch noch

Technisch bietet Mercedes im CLS Shooting Brake einen weiteren Schritt in der Entwicklung, die als "intelligenter Leichtbau" bezeichnet wird. So bestehen die rahmenlosen Türen komplett aus Aluminium und sind insgesamt um 24 Kilogramm leichter als Stahltüren. Heckklappe, Motorhaube und die vorderen Kotflügel bestehen ebenfalls aus Aluminium, genau wie Teile des Fahrwerks und der Motoren. Das Gesamtgewicht des Autos nennt Daimler allerdings noch nicht.

Gegen Aufpreis gibt es einen Einparkassistenten

Wenn man aber die Normverbrauchswerte ansieht, kann der CLS Shooting Brake nicht viel schwerer sein als der einfache CLS (ab 1735 kg). Mit dem 204 PS starken 2,2-Liter-Diesel verbraucht das Basismodell, der CLS 250 CDI, nach EU-Norm nur 5,3 Liter auf 100 Kilometer. Das sind 0,2 Liter mehr als beim gleich motorisierten Standard-CLS, was der schlechteren Aerodynamik einer Kombi-Karosse geschuldet sein dürfte. Der Shooting Brake hat einen cW-Wert von 0,29.

Als weitere Motoren gibt es noch den Dreiliter-Diesel im 350 CDI (195 PS, 6,0 l/100 km), den 3,5-Liter-V6 im CLS 350 (306 PS, 7,3 Liter Super) und den 4,6-Liter-V8 im CLS 500 (408 PS, 9,2 l/100 km). Die beiden stärksten Diesel- und Benzinausführungen lassen sich auch mit dem Allradantrieb 4Matic kombinieren, serienmäßig sind alle CLS Shooting Brake mit der Siebengang-Automatik ausgestattet.

Neu ist die elektromechanische Servolenkung, die gegen Aufpreis mit einem Einparkassistenten kombinierbar ist: Der CLS Shooting Brake, wegen der sehr breiten hinteren Dachsäulen eher unübersichtlich, kann dann Parklücken erkennen, ihre Größe als ausreichend definieren und sich selbsttätig rückwärts hineinmanövrieren.

Das lässt dem Fahrer auch die Ruhe, sich für Design-Diskussionen aller Art zu wappnen. Und für die Debatte, ob es denn nun Shooting Brake oder Shooting Break heiße. Mercedes hat dafür eine duden-reife Erkärung parat: Beides geht. Als Brake oder auch Break habe man früher Fuhrwerke bezeichnet, die nur dazu eingesetzt wurden, den Widerstand ungezähmter Pferde zu brechen (break) oder ihren Bewegungsdrang zu bremsen (brake).

Vorne Coupé, hinten Kombi

Diese Fuhrwerke waren natürlich keine edlen Ausflugsgefährte, wie das heutige Auto eines ist, sondern sie wurden, wenn überhaupt, nur für kurze Strecken zur Jagd eingespannt. Weil man dann auch Schusswaffen dabei hatte, hießen die Fahrzeuge Shooting Brake oder eben Shooting Break.

Im England der 60er- und 70er-Jahre wurden unter dieser Gattungsbezeichnung exklusive Sportwagen populär, die vorn wie ein Coupé und hinten wie ein Kombi aussahen, etwa der Lotus Elise II, der MGB GT oder der Reliant Scimitar.

Bekannte nicht-englische Shooting Brakes sind der Volvo P1800 ES (Schneewittchensarg), der BMW 2002 Touring und heute der große Ferrari FF. Natürlich sind alle zweitürig, und was sie mit klapprigen Jagd-Gespannen zu tun haben könnten, ist nicht überliefert. Aber der Name klingt gut, und die Autos sehen attraktiv aus. Und darum geht es eben: Design.

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