18.06.12

Motorsport

Wie Audi mit einem Hybrid in Le Mans gewann

13 mal angetreten, elf Mal gewonnen – Audi ist seit 2000 der überlegene Hersteller bei den 24 Stunden von Le Mans. Dieses Mal testete man eine neue Technik, die eine kleine Revolution bedeutet.

Foto: AFP

Der Audi R18 e-tron quattro mit der Startnummer eins hat die 24 Stunden von Le Mans 2012 gewonnen, es war die 80. Auflage des Motorsport-Klassikers.

12 Bilder

Wie viel ist ein Sieg wert? Glaubt man den Gerüchten, dann hat der jüngste Dreifach-Triumph der Audi-Rennwagen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans einen dreistelligen Millionenbetrag verschlungen – Entwicklung, Betrieb des Rennstalls, Sponsoring der Veranstaltung inklusive. Doch die Investition könnte sich auszahlen: Mit dem siegreichen Sportwagen-Prototypen R18 e-tron quattro hat Audi eine Technik erprobt, die bald in Serie gehen soll.

Das Allradsystem wird reformiert und ausgebaut

Schon in den nächsten Jahren will Audi sein Allradsystem, das unter dem Namen Quattro bekannt ist, mit elektrifizierten Antriebssträngen kombinieren. "Es gibt Gedanken, aus Gründen der Effizienz den Quattro-Antrieb nur dann anzusteuern, wenn man ihn wirklich braucht", sagt Entwicklungsvorstand Michael Dick. "Dazu eignet sich der e-tron quattro hervorragend."

Der e-tron quattro ist ein Konzeptfahrzeug auf Basis des Mittelklasse-Coupés A5, der ähnlich vorankommt wie zwei der vier in Le Mans eingesetzten Rennautos. Während die beiden schwarzlackierten R18 ultra Weiterentwicklungen des R18 TDI von 2011 waren und allein auf die Kraft des 510 PS starken V6-Dieselmotors und Hinterradantrieb vertrauten, trugen die beiden R18 e-tron quattro zusätzliche Elektrotechnik an Bord.

Mehr als 200 Extra-PS in der Kurve

Beim Anbremsen einer Kurve verpuffte die Energie nicht einfach, sondern wurde in einer Art Schwungrad gespeichert. Und immer wenn die Piloten nach dem Umrunden der Kehre wieder aufs Gaspedal traten, erzeugte das System vollautomatisch einen Extra-Boost: Zwei Elektromotoren mit zusammen bis zu 204 PS traten dann in Aktion – und wirkten auf die Vorderachse.

"Aber erst, wenn das Auto Tempo 120 erreicht, darunter hat uns das Reglement einen Riegel vorgeschoben", erklärt Michael Dick. Außerdem habe der Extra-Boost nur an sechs Stellen des Kurses abgerufen werden dürfen, und er sollte nicht mehr als 500 Kilojoule Energie einsetzen. Das habe für etwa 300 Meter gereicht.

Am Ende waren die Hybrid-Audi schneller als die mit den Dieselmotoren: Platz eins und zwei für e-tron quattro, Platz drei und fünf für Diesel pur. Allerdings waren die schnellsten Audi teilweise langsamer als die wichtigsten Konkurrenten im Feld, die Hybridpionier Toyota ins Rennen geschickt hatte.

Als der Toyota den Audi überholte

Deren Benziner-Modell TS030 ging ebenfalls mit elektrischem Extra-Schub auf die Strecke, doch nutzten die japanischen Ingenieure kein Schwungmassenrad, sondern speicherten die beim Bremsen gewonnene Energie in sogenannten Supercaps – das sind Kondensatoren, die die Energie blitzschnell aufnehmen und wieder abgeben können. Auch auf den Trick mit der Vorderachse verzichteten sie, trotzdem überholte etwa fünf Stunden nach Rennbeginn ein Toyota den führenden Audi.

Trotz der theoretischen Überlegenheit von Audis Quattro-Technik (Allradautos beschleunigen schneller aus der Kurve heraus, weshalb Allradtechnik Ende der 90er-Jahre für die Rundstrecke verboten wurde) macht Toyotas Schnelligkeit Hoffnung für das kommende Jahr: Nach dem Rückzug des Erzrivalen Peugeot steht Audi sonst ohne Konkurrenz da.

Die Konkurrenz war am Ende chancenlos

Der Lola auf Platz vier lag am Ende acht Runden hinter dem dritten Audi (eine Runde in Le Mans hat knapp 14 Kilometer), und er kam nur deshalb so weit nach vorn, weil der vierte Audi einen Unfall zu viel hatte. Audis Gesamtsieg am vergangenen Wochenende war der elfte seit dem Jahr 2000.

"Wir wären auch ohne Toyota gefahren", sagt Entwicklungschef Dick. "Sollen wir nicht antreten, nur weil kein anderer mitmacht?" Aber ein Sieg sei natürlich mehr wert, wenn er gegen starke Konkurrenz erreicht werde. "Wir haben schon seit einigen Jahren hinter den Kulissen mit Toyota geredet und sie motiviert mitzumachen." Für Toyota geht es um dasselbe Ziel: die Überlegenheit des elektrifizierten Antriebs zu beweisen.

Audi setzt schon bald auf Plug-In-Hybrid

In der Serie wollen Toyota wie Audi künftig verstärkt auf die Plug-In-Hybridtechnik setzen. Dabei wird der Energiespeicher im Auto nicht allein vom Motor oder durchs Abbremsen gespeist, wie es beim klassischen Hybrid der Fall ist. Sondern zusätzlich können die Akkus an der Steckdose geladen werden. Und Audi will das Ganze nun mit seinem Allradantrieb kombinieren, wie Michael Dick sagt. "Der e-tron quattro ist die Königsdisziplin."

Im Gegensatz zu den Le-Mans-Rennwagen treibt beim Konzeptfahrzeug der Verbrennungsmotor die Vorderräder an, außerdem gibt es neben dem E-Motor für die Hinterachse eine zweite Elektromaschine zwischen Verbrenner und Getriebe, ganz wie beim klassischen Hybrid. "Als ersten Plug-In-Hybriden bieten wir 2014 den A3 an. Danach gibt es den Plug-In-Hybrid im A4 und Q7 sowie in den nächsten Generationen von A6 und A8."

Quattro ist nicht mehr gleich Quattro

Die Folge dieser Neuerung könnte eine kleine Revolution sein: Quattro ist nicht mehr gleich Quattro. So wie man heute große Motoren mit vielen Zylindern durch kleine Maschinen mit Turboladern ersetzt, wird auch der klassische Allradantrieb bald Geschichte sein. Dabei ist Audi stolz auf sein heutiges System, das im Gegensatz zu vielen anderen Lösungen wirklich permanent alle Räder antreibt und nicht nur dann die zweite Achse zuschaltet, wenn es rutschig wird.

"In Zukunft wird es zwei Quattro-Strategien geben", sagt Vorstand Dick. In den SUV-Modellen der Q-Serie bleibe Audi beim klassischen Quattro-Antrieb mit starrem Durchtrieb, also mit einer mechanischen Verbindung zwischen Vorder- und Hinterachse. Im Nachfolger des A4 aber werde der e-tron quattro zum Einsatz kommen. "Das Quattro-Prinzip lässt sich super erleben in dem Auto und bietet mit dem Hybrid viel Fahrspaß. Und auch beim e-tron quattro wird es nicht so sein, dass ich nicht mehr verschneite Bergpässe hochkomme, nur weil die Batterie leer ist."

Die Reise zum Rennen in Le Mans wurde unterstützt von Audi.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Die Wohnung des Rap-Musikers Bushido  wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft durchsucht
21.05.13Rap-Musiker
Verdacht auf Steuerstraftat - Bushidos Privathaus durchsucht

Rapper Bushido sorgt immer wieder für Aufsehen. Jetzt steht er unter Verdacht, eine Steuerstraftat begangen zu haben. Seine Wohnräume wurden aufgrund dessen durchsucht. mehr...


Im Friedrichstadt-Palast wird das Programm für den Gay Pride Month vorgestellt
21.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Mittwoch

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Mittwoch, den 22. Mai. mehr...


In diesem Supermarkt in der Residenzstraße in Berlin-Wedding wurde der 82-jähriger Mann niedergestochen
21.05.13Wedding
Mann ersticht Kunden an Supermarkt-Fleischtheke

Erneut ist es in Berlin zu einer Gewalttat gekommen: Ein offenbar verwirrter Mann erstach am Dienstag einen 82-jährigen Kunden an der Fleischtheke eines Supermarktes in Gesundbrunnen. mehr...


Erfolgstrainer: Der Niederländer Jos Luhukay übernahm Hertha im Sommer 2012 in Liga zwei und führte die Berliner zurück in die Bundesliga.
21.05.13Bis 2016
Hertha verlängert mit Erfolgstrainer Jos Luhukay

Die Berliner verkünden die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Luhukay um zwei Jahre auf der Mitgliederversammlung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass Hertha aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt… mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Tornado in Oklahoma Familie filmt die Zerstörung aus dem Sturmkeller
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados wüten in vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote