17.06.12

Supersportwagen

Einmal richtig mit dem Bugatti Veyron ans Limit

Wer einen Bugatti Veyron besitzt, kann auf der VW-Teststrecke ein Spezialtraining buchen, um die 400-km/h-Marke zu knacken. Wie das funktioniert, hat Welt Online erlebt. Mit einem Unterschied.

Von Stefan Anker
Foto: Andreas Lindlahr/Bugatti

Der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse bei der Welt-Online-Testfahrt. Neben Redakteur Stefan Anker sitzt der französische Ex-Rennfahrer Olivier Thevenin auf dem Beifahrersitz – hauptsächlich als Ratgeber, denn...

9 Bilder

Seit sechs Jahren liefert der Volkswagen-Konzern den Bugatti Veyron aus, aber wer einmal einen Bugatti auf der Straße fahren siegt, möge sich den Tag rot im Kalender anstreichen. Bis jetzt sind erst 359 Stück verkauft, nur jeder dritte davon befindet sich überhaupt in Europa. Und dass sie die Garage verlassen, kommt auch nicht häufig vor. Vertriebschef Stefan Brungs erzählt, dass die durchschnittliche Jahresfahrleistung eines Bugatti Veyron gerade 1800 Kilometer betrage.

Der heimliche Star der Mille Miglia

1800 Kilometer, das ist ungefähr die Strecke, die ich auch in meinem ganz persönlichen Bugatti-Fahrtenbuch notiert habe. Ich erinnere mich gern an das vergangene Jahr, als ich mit dem Veyron Grand Sport, das ist das Roadster-Modell, die Oldtimer-Rallye Mille Miglia begleiten konnte.

Halb Italien ist da auf den Beinen, weil die Italiener die alten Autos so lieben, aber regelmäßig stahl ich denen mit dem nagelneuen Bugatti die Schau. Junge Männer sprangen auf die Straße, zwangen mich zum Anhalten, machten Fotos und verlangten dann einen Kavalierstart zu sehen, besser: zu hören. Man könnte also sagen, ich sei ein alter Bugatti-Hase, aber ich bin jetzt doch nervös. Ich soll den Veyron auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke testen.

330 soll ich fahren, mit offenem Dach

Für Tempo 410, die mögliche Spitze der neuesten, nunmehr vierten Variante, wird die zwei Kilometer lange Gerade nicht ausreichen. Doch auf 330 km/h möge ich mich einstellen, und zwar offen, ohne Dach.

Der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse, so sein voller Name, ist der stärkste (1200 PS) und teuerste (2.011.000 Euro) Roadster überhaupt, deshalb darf ich nicht alleine damit losfahren. Olivier Thevenin, ein ehemaliger Rennfahrer aus Frankreich, sitzt neben mir, um mir zu zeigen, wie man möglichst schnell geradeaus fährt.

Wichtig: Mit Tempo 200 durch die Kurve

Das Prozedere ähnelt dem, das Bugatti-Besitzer auf der VW-Teststrecke in Ehra-Lessien nahe Wolfsburg erleben können. Um aus dem Stand Tempo 400 zu erreichen, genügt auch die dortige, 8,5 Kilometer lange Gerade nicht. Man muss also Schwung holen in der Kurve davor und sie mit etwa 200, 220 km/h durchmessen.

Das wiederum geht nur, weil die Kurve eine Steilkurve ist. Ebenso hier in Spanien. Wo genau wir uns befinden, darf ich nicht verraten, dafür habe ich unterschrieben. Hier testet die halbe Autoindustrie neue und geheime Modelle.

In der Steilkurve bitte nicht lenken

Aber ich habe im Moment auch ganz andere Sorgen. Vom Beifahrersitz aus beobachte ich, wie Olivier in die Steilkurve fährt und das Auto auf 200 km/h bringt. Dann schaltet er den Tempomat ein, genauso soll ich es später auch machen. 200 km/h bei einer Kurvenneigung von 39 Grad und einem Radius von 460 Metern – da muss man in der Kurve nicht lenken, sondern fährt geradeaus und lässt die Fliehkraft den Rest erledigen. Man könnte die Hände vom Lenkrad nehmen.

Mache ich aber nicht. Sondern fahre die Proberunde nach Anweisung und nehme in der zweiten Steilkurve des Ovals Fahrt auf. Wenn Olivier ein Zeichen gibt, schalte ich das Doppelkupplungsgetriebe einen Gang herunter. Vom siebten in den sechsten, dann fünf, dann vier. Der Tempomat hält uns auf 200 km/h, aber der 16-Zylinder hinter mir dreht hoch und höher. Es ist körperlich spürbar, wie sich in acht Litern Hubraum die Kraft versammelt. Und dann ist die Kurve zu Ende, Olivier bewegt die Hand nach unten: Vollgas.

Wie kann das Auto so stabil bleiben?

Wie soll man das beschreiben? Ich habe Angst um die Vögel, die am Streckenrand auffliegen. Ich höre zuerst die vier Turbolader pfeifen, wie ich noch nie Turbolader habe pfeifen hören, und dann erhebt sich ein Windrauschen, als hätte jemand im ICE das Fenster geöffnet. Ich spüre im Rücken einen Druck, als würde ich einen Porsche aus dem Stand beschleunigen. Und ich habe überhaupt keine Bedenken, dass das hier nicht gut ausgehen könnte. Meine Güte, wie kann ein Auto bei diesem Tempo so stabil auf der Straße liegen?

Automatisch schaltet der Bugatti in den fünften Gang hoch, und dann ist es auch schon vorbei. 331 zeigt der Tacho an, und Olivier gibt das Signal zum Gaswegnehmen. Worauf der Bugatti-Motor den Überdruck, den die Turbinen aufgebaut haben, ruckartig abbläst, und das hört sich an, als hätte man dem Monster aus den Alien-Filmen auf den Fuß getreten. Fauchen, böses Fauchen.

Bei VW kostet der Test 50.000 Euro

Wollte ich jetzt, neugierig geworden, Aufnahme in den Klub 400 finden, müsste ich nicht nur nach Ehra-Lessien reisen, sondern ich brauchte zwingend einen eigenen Bugatti. Zwar wird der Highspeed-Versuch mit einem Werkswagen gemacht, aber der persönliche Veyron ist die Eintrittskarte. Plus 50.000 Euro.

Dafür gibt es eine ausführliche Einweisung von Cheftestfahrer Pierre-Henri Raphanel (dem Mann, der mit dem Veyron Super Sport den Weltrekord von 431 km/h hält), und dann geht es los. Stefan Brungs sagt: "Es ist eine unglaubliche Herausforderung." 19 Menschen hätten sie bislang gemeistert, andere sind daran gescheitert, und die meisten versuchen es gar nicht. "Ihnen reicht es zu wissen, dass ihr Auto mehr als 400 km/h fahren könnte."

Der Bugatti bietet trotz allem unglaublich viel Komfort

Ich überlege, ob ich es genau wissen wollte. Wahrscheinlich schon. Obwohl das Spitzentempo nicht alles ist, was der Bugatti zu bieten hat. Ja, er ist ein rollender Superlativ, aber nebenbei ist er ein unglaublich gut fahrbares Auto.

Speziell der Roadster bietet überraschend viel Komfort, den die Ingenieure beim Vitesse mit einem Schwingungstilger im Lenkrad noch gesteigert haben. Was immer die Straße zu bieten hat, der Bugatti bügelt es nieder und ist trotzdem präzise um Kurven zu fahren. Allradantrieb, extrem breite Hinterreifen (365er) und gut abgestimmte Traktionskontrollen tun das Ihre, um auch forcierte Gangart sicher zu machen.

Hoppla, ganz schnell ist man zu schnell

Ab und zu bekommt man trotzdem einen Schreck – wenn der Tacho auf der Landstraße plötzlich 180 anzeigt. Huch, gar nicht bemerkt.

Die Reise zur Präsentation des Veyron Grand Sport Vitesse wurde unterstützt von Bugatti.

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