10.06.12

Werkstattportal

Internetseite vergleicht Kosten für die Autoreparatur

Das Online-Portal Autoscout24 macht erstmals die Kosten von Inspektionen transparent. Der Vergleich zeigt, dass die Unterschiede enorm sind. Vom steigenden Wettbewerb profitieren die Autofahrer.

Foto: ddp

Schicksalssache: Auf die Kosten wollen sich nur die wenigsten Werkstätten im Vorfeld festlegen
Schicksalssache: Auf die Kosten wollen sich nur die wenigsten Werkstätten im Vorfeld festlegen

Was kostet eine 50.000-Kilometer-Inspektion? Wie teuer ist der Austausch der Bremsscheiben? Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn der elektrische Fensterheber klemmt? Autobesitzer, die in ihrer Werkstatt solche Fragen stellen, bekommen selten brauchbare Antworten.

Wer sein Auto reparieren lassen muss, scheint dem Schicksal ausgeliefert zu sein. Da kräuselt der Werkzeugmeister die Stirn, als ob der Blick unters Blech Überraschungen berge. Tatsächlich geben sie selten darüber Auskunft, welche Arbeiten nötig sind. Erst am Ende wird dem Kunden die – oft stattliche – Rechnung präsentiert.

Dieses Geschäftsgebaren dürfte sich bald ändern. Das Internet-Unternehmen Autoscout24 baut derzeit unter der Adresse www.werkstatt.autoscout24.de ein Werkstattportal auf, das Reparatur- und Inspektionspreise der Autobranche transparent und vergleichbar machen soll.

Man tippt die Postleitzahl seines Wohnortes ein, gibt Typ, Baujahr und Kilometerleistung ein und erhält Angebote verschiedener Werkstätten für Inspektion, Bremsenreparatur oder HU-Vorführung.

Überwiegend markenunabhängige Betriebe

Zudem nennt der Dienst für jeden Betrieb den nächsten freien Termin, der sofort online gebucht werden kann. Autoscout24 betont, dass die Preiskalkulation "modellspezifisch auf Grundlage der Herstellervorgaben sowie den Angaben der Werkstätten zu ihren Stundensätzen" basiere. Angezeigt werde ein Endpreis.

Was Autobesitzer auf diese Weise sparen, zeigt ein Beispiel aus Köln: Wer hier einen VW Golf 1.9 TDI aus dem Baujahr 2009 zur Inspektion nach 36 Monaten bringen möchte, kann mithilfe des Internetdienstes aus mehr als 100 Werkstattangeboten auswählen.

Aufgelistet werden überwiegend markenunabhängige Betriebe, die den Inspektionsservice zu Preisen von 201 bis 291 Euro ausführen wollen. So sind immerhin rund 30 Prozent Ersparnis möglich.

Wer im Umkreis der Domstadt nach einem Kfz-Betrieb sucht, bezahlt sogar noch weniger, weil die Stundenlöhne auf dem Land geringer sind. So informiert das Internetportal, dass eine freie Werkstatt im 13 Kilometer entfernten Bergisch Gladbach für die gleiche Inspektion nur 174 Euro berechnet, während der nächstgelegene VW-Vertragshändler 225 Euro verlangt.

Noch nicht alle Regionen Deutschlands erfasst

Preisunterschiede von über 40 Prozent zeigt der Online-Dienst für die 50.000-Kilometer-Inspektion eines BMW 318i an, die in Köln je nach Werkstatt zwischen 305 und 418 Euro kosten soll. Der einzige BMW-Vertragshändler im regionalen Werkstattvergleich nennt einen Endpreis von immerhin 537 Euro.

So bietet das neue Portal die längst überfällige Kostentransparenz bei den Werkstattpreisen. Noch hat Autoscout24 allerdings nicht alle Regionen Deutschlands erfasst und muss auch bei vielen Automodellen passen.

Doch das Internet-Unternehmen verspricht einen zügigen Ausbau des Dienstes und will bis Jahresende Werkstätten aus allen Landesteilen unter Vertrag haben.

Die Betriebe zahlen für ihre Teilnahme an dem Vergleichsportal eine Monatsgebühr von 49 Euro und einen einmaligen Einrichtungspreis von 145 Euro. "Wir haben bereits bei den Gebrauchtwagen einen ganzen Markt ins Internet geholt. Nun wollen wir auch Werkstätten die Möglichkeit bieten, das Online-Werkstattportal als Vertriebsweg zu nutzen", sagt André Stark, Geschäftsführer bei Autoscout24.

"Gefahr für die Rendite im Service"

Beim Zentralverband des Kfz-Gewerbes (ZDK) stößt die neue Initiative des Werkstattportals auf wenig Gegenliebe. Doch man könne das weder verbieten noch verhindern, heißt es. "Warum Betriebe über solche Portale in einen Preiswettbewerb eintreten, ist nicht ganz nachvollziehbar", sagt ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk und warnt vor einer "Gefahr für die Rendite im Service".

Das Kfz-Gewerbe befürchtet vor allem den brancheninternen Wettbewerb, den der Online-Preisvergleich zugunsten der Autofahrer ausgelöst hat.

Die Argumente des ZDK sind weder neu noch überzeugend: "Ein so komplexes Produkt wie eine Werkstattleistung lässt sich im Internet eigentlich nicht vergleichen. Selbst bei genau definiertem Leistungsumfang, wie bei Inspektionen, ist dies nur eingeschränkt möglich", sagt Hülsdonk. Er räumt jedoch ein: "Je mehr Betriebe sich an solchen Portalen beteiligen, desto größer wird der Preisdruck – auch auf alle anderen Betriebe." Heißt: Autoreparaturen werden billiger.

Während auf Verbandsebene noch debattiert wird, ist vielen Werkstattbesitzern ohnehin längst klar, dass sie ihre Geschäfts- und Preispolitik ändern müssen, um langfristig überleben zu können. Denn auf dem Servicemarkt arbeiten zwei starke Trends gegen sie.

So erwarten Fachleute wie Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen, dass sich das Geschäftsvolumen im Bereich Wartung und Reparaturen in den kommenden Jahren um bis zu 13 Prozent verringern wird.

Jeder dritte Autofahrer macht Ölwechsel selbst

Als Grund nennt er den langsam stagnierenden Fahrzeugbestand in Deutschland. "Die Sättigung des Automobilmarktes, die auf dem Neu- und Gebrauchtwagenmarkt schon seit Längerem zu beobachten ist, ist damit auch im Servicegeschäft angekommen", schreibt der Wissenschaftler in seiner Studie "Zeitenwende im Automobilservice".

Zu dieser Zeitenwende gehört ein anderer Trend: ein stärkeres Kritikbewusstsein vieler Autobesitzer, die sich die Preistreiberei in der Kfz-Branche nicht mehr gefallen lassen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Sachverständigenorganisation Dekra unter 1300 Autofahrern. Mehr als jeder Zweite gab an, bei der Wartung und Reparatur des eigenen Wagens zu sparen.

42 Prozent der Befragten wollen künftig zu preisgünstigeren Werkstätten wechseln und kleinere Wartungsarbeiten selbst vornehmen. Den Ölwechsel erledigt laut Dekra mehr als jeder dritte Autofahrer in Eigenarbeit, weil ihnen dieser Service in der Werkstatt zu teuer ist.

Seit Langem schon rät der ADAC seinen Mitgliedern, vor jeder größeren Reparatur eine "zweite Meinung" einzuholen und die Kosten verschiedener Betriebe miteinander zu vergleichen. Das neue Internetportal von Autoscout24 bietet dafür gute Möglichkeiten, allerdings vorerst nur für Inspektionen und Bremsenreparaturen.

Höchste Stundensätze haben Audi und BMW

Bei allen anderen Arbeiten muss man sich nach wie vor selbst um Kostenvoranschläge verschiedener Werkstätten kümmern. Interessant sind dabei laut dem Automobilclub weniger die Preise für Ersatzteile als vielmehr die Stundensätze der Betriebe. Denn hier klafft eine mitunter große Lücke zwischen Vertragswerkstätten und markenunabhängigen Betrieben.

Doch um die Stundenpreise vergleichen zu können, muss man sich zuerst mit dem komplizierten Berechnungssystem der Branche beschäftigen und wissen, dass mit sogenannten Arbeitswerten (AW) kalkuliert wird. Ein Arbeitswert entspricht sechs Minuten. Wenn für eine Reparatur also beispielsweise 30 AWs und 267 Euro angegeben werden, dann dauert die Arbeit drei Stunden und der Stundensatz beträgt 89 Euro.

Die höchsten Stundentarife berechnen laut ADAC Audi und BMW, deren Werkstätten beim letzten Test des Automobilclubs bis zu 170 Euro pro Stunde kassierten, während andere Betriebe und andere Automarken für nur rund 50 Euro pro Stunde arbeiten.

VW bietet Pauschalangebote für Inspektionen an

Einen guten Überblick über die ortsüblichen Durchschnitts-Stundensätze der Kfz-Betriebe bietet die Dekra auf www.dekra.de/de/927. Hier gibt man die Postleitzahl ein und erfährt, was die Werkstätten für verschiedene Arbeiten durchschnittlich berechnen.

Den Wunsch vieler Pkw-Besitzer nach mehr Kostentransparenz bei der Reparatur haben auch die Service-Fachleute der Autohersteller erkannt. Volkswagen reagiert darauf mit Pauschalangeboten für Inspektionen und schnürt "Economy-Pakete" für bestimmte Reparaturen wie Auspuff- oder Bremsenaustausch. So erfahren Autobesitzer vorher, was sie hinterher bezahlen müssen.

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