28.05.12

Piaggio Ape

Das Kult-Dreirad hat jetzt Elektroantrieb

Experimentiergeist: Seit der 60 Jahren ist Piaggios Ape das Lieblingsgefährt italienischer Lieferanten. Ein Badener Tüftler hat dem dreirädrigen Liefer-Karren einen Elektromotor verpasst.

Foto: www.bildagentur-online.com

Piaggios Minilaster Ape (Biene) ist ein spezielles Gefährt.

8 Bilder

Die beiden konnten es anfangs gar nicht fassen: Als reine Test- und Spaßfahrt ging es los, und nach drei Tagen Rallye quer durch Schleswig-Holstein in ihrem Prototypen war das Team von eLaster auf dem 2. Platz gelandet. Als eines von 33 Fahrzeugen der "2. nordeuropäischen E-Mobil-Rallye" vom Verein Eco-Mobility in Schleswig-Holstein.

Ziel der Rallye: In drei Tagesetappen vom dänischen Tondern bis nach Hamburg sollte die Alltagstauglichkeit von Elektroautos bewiesen werden.

Tatsächlich blieb unterwegs keines liegen, und die lautlosen Zukunftsmaschinen schafften unterwegs alle Geschicklichkeits- und Gleichmäßigkeits-Prüfungen. Auch der Prototyp von Bernhard Ihle. Jetzt räkelt er sich mit seinem Beifahrer Gerd-Uwe Drescher am Ziel im Hamburger Hafen in der Sonne.

Sie strahlen wie zwei Jungs, denen gerade ein toller Streich geglückt ist. Ein Blick auf das Rallye-Auto der beiden, und der Grund für ihre spitzbübische Freude wird offenkundig: Ihren Erfolg ermöglichte ein unscheinbarer dreirädriger Lieferwagen vom Typ Ape Piaggio, den Ihle erst vor kurzem auf Elektroantrieb umgerüstet hat.

Von Stromlinien keine Spur, rundherum nur graues Wellblech. Nicht gerade das, was landläufig als Champion verstanden wird.

Experimentier-Geist in Bruchsal

Ihle kann sich das Lachen nicht verkneifen: "Ich weiß, was Sie jetzt denken – da kommt der mit so einem Eimer hier an…"

Der Süddeutsche ist jedoch fern davon, sich über seinen E-Karren lustig zu machen: Schließlich handelt es sich um eine ganz persönliche Geschäftsidee, die er seit wenigen Monaten im badischen Bruchsal umsetzt.

Nach Feierabend und am Wochenende, versteht sich, denn Ihle ist hauptberuflich Hardware-Entwickler. Er beschäftigt sich mit Mikroprozessoren, die meistens stationär ihre Arbeit tun.

Seine Leidenschaft indes gilt dem Leben in Bewegung. Vor Jahren versuchte er sich in der Konstruktion eines revolutionären Bootes: "Ich hatte das Ziel, ein Boot mit einem Elektromotor eine Stunde in Gleitfahrt zu bringen – da war ich schnell bei berechneten Akkukosten von über 100.000 Euro und stellte fest: Das lass' ich lieber."

Also verlegte sein nimmermüder Experimentier-Geist sich auf die Straße. "Ich war auf der Suche nach einem Leichtbau-Chassis – GfK oder Karbon kam für mich aber nicht in Frage, weil das Sondermüll ist."

In Italien wurde Ihle fündig: Die Ape, seit rund 60 Jahren von Piaggio auf Basis der berühmten Vespa-Motorroller nahezu unverändert gebaut. "500 Kilogramm wiegt der Kleintransporter, der Verbrauch liegt bei sechs Liter auf 100 Kilometern."

Schwere Akkus

Mit den Zweitaktern knattern dort kommunale Dienste und private Kleingewerbe durch die engen Innenstädte. Ihle: "Sensationell ineffizient – aber auch sensationell leicht." Leichtbau ist bei Elektroautos gewissermaßen lebenswichtig, weil die Akkus so viel wiegen.

Beim neuen Elektro-Kleinwagen Nissan Leaf zum Beispiel wiegen allein die Stromspeicher 250 Kilogramm – mehr als das Fünffache eines gefüllten Benzintanks.

Je schwerer das Auto, desto höher der Verbrauch. Das wiederum reduziert die Reichweite, an deren Ende der Akku leer ist und in stundenlanger Pause wieder aufgeladen wird.

Ihle hat mit dem Dreirad seine persönlichen Zielvorgaben erfüllt: 410 Kilogramm wiegt die Ape-Karosse ohne Motor, inklusive Akkus und E-Maschine mit rund 10 PS Dauerleistung kommt der Zweisitzer auf 640 Kilo.

Ihle sagt: "Diese Leistung entspricht dem Vorbild – aber mit dem Unterschied, dass zum Beschleunigen eine Maximalleistung von 20 PS zur Verfügung steht."

Seltenheitswert auf den Straßen

Mehr wurde an dem Fahrzeug nicht modifiziert. "Das ist keine High-Tech! Es geht nur darum, innerstädtisch emissionsfrei zu fahren." Wie es dasteht, inklusive Akkus, soll es 18.000 Euro kosten.

Das ist mehr als das Doppelte einer konventionell getriebenen Ape; natürlich wegen der Akkus – auch ein Grund, warum E-Mobile vorläufig noch Seltenheitswert auf den Straßen haben.

Bis zu 69 km/h schnell kann das elektrische Lieferwägelchen werden – damit es notfalls auch mal eine Stadtautobahn befahren darf. Die Reichweite liegt bei ca. 100 km. "Das kostet Strom für zwei Euro."

Eigens für die E-Rallye hatte der Konstukteur noch einen Zusatz-Akku auf der Ladefläche montiert, um die vorgesehenen Tagesetappen zu erreichen. "Ohne den wäre es wohl eng geworden." Pannen gab es hingegen keine: "Ich bin Techniker – ich verkaufe nur etwas, das auch funktioniert."

Sein erstes Modell, die Einsitzer-Version, hat Ihle bereits in mehreren Exemplaren verkauft – darunter an Apothekendienste und mobile Cafés, die auf Wochenmärkten Espresso anbieten.

Der Bruchsaler lächelt: "Einer von ihnen verkauft Bio-Kaffee, das konnte er mit einem Zweitakter natürlich nicht machen." Aber mit dem eLaster schon.

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