30.03.12

Fahrbericht

Renaults Twizy flitzt elektrisch durch die Städte

Ab April verkauft der französische Hersteller sein Elektromobil für die City. Weil es kleiner ist als ein Auto, kann es sich durch viele Lücken quetschen. Und Fahrspaß gibt es als Bonus obendrauf.

Nein, ein Auto will er nicht sein, der Renault Twizy. Aber er nimmt es gerne mit konventionellen Fahrzeugen auf. Und wer das kurze und schmale Gefährt nicht ernst nimmt, wird der könnte das vor allem im Stadtverkehr schnell bereuen. Mit 2,34 Metern Länge ist der Twizy kürzer als ein Smart, seine Breite von 1,23 Metern lässt ihn durch Lücken kommen, bei denen Autofahrer passen müssen.

In seinem Heck steckt ein 17 PS starker Elektromotor - damit beschleunigt Renaults Gefährt relativ mühelos fast bis auf Landstraßentempo. 7690 Euro soll das Mobil kosten, ohne Batterie.

Und wie fährt so eine ganz neue Gattung Fahrzeug? Das Gefühl unterscheidet sich in wesentlichen Elementen von einem Auto oder einem Motorrad - wobei der Twizy deutlich näher am Auto liegt als am Zweirad. Denn vor dem Fahrer befindet sich ein Airbag-Lenkrad, für den Einstieg lassen sich als Extra halbhohe Flügeltüren bestellen.

Rund 100 Kilometer beträgt die Reichweite

Ist er dann einmal in Fahrt, macht der Twizy jede Menge Spaß. In der Stadt ist das kurze Mobil äußerst wendig, die Lenkung ist exakt und gerade noch ausreichend direkt, um den Fahrer gelegentlich an ein Go-Kart denken zu lassen. Auch auf engen, kurvigen Straßen ist der Twizy in seinem Element. Der tiefe Schwerpunkt sorgt für gute Straßenlage bei ordentlichem Komfort.

Im Grenzbereich schiebt der Franzose allerdings über alle vier Räder und untersteuert merklich. Die vier Scheibenbremsen greifen ordentlich zu, bei zu starkem Pedaldruck blockieren allerdings die Räder. Ein ABS ist ebenso wenig an Bord wie eine Stabilitätskontrolle. Trotzdem ist der Kleine sicher - nicht nur wegen seines gutmütigen Fahrverhaltens, sondern auch dank Airbag und stabiler Fahrgastzelle.

Der Stromvorrat reicht bei normaler Fahrweise für bis zu 100 Kilometer, bei sehr forcierter Fahrweise dürften es immer noch rund 60 bis 70 Kilometer sein. Dann allerdings bringt der Twizy auch richtig Freude. An Steigungen fällt das Tempo praktisch nie unter 70 km/h, in der Ebene ist bei Tacho 83 bis 85 km/h Schluss. I Bergab können es sogar mehr als 90 km/h werden.

Weniger Freude dürfte der kleine Franzose allerdings auf gut ausgebauten Schnellstraßen bereiten. Denn seine Höchstgeschwindigkeit liegt gerade so unter der Abregelschwelle von Lastwagen.

Eine Heizung ist nicht mit an Bord

Zwei Personen finden auf dem Twizy Platz, wobei der Beifahrer direkt hinter dem Fahrer Platz nimmt. Zum Einsteigen muss der Fahrersitz nach vorne geschoben werden, anschließend sitzt man hinten zwar ungewohnt, aber durchaus bequem.

Alternativ kann auf dem Rücksitz auch ein 60 Liter fassender, speziell entwickelter Rucksack fixiert werden. Im Heck ist dazu noch Platz für eine Handtasche oder ähnliches, außerdem befinden sich zwei Staufächer im Armaturenbrett.

Eine Heizung besitzt das kleine Gefährt allerdings ebenso wenig wie eine Klimaanlage, für den Winter gibt es nur einen speziellen Beinschutz, um den Fahrer vor der Witterung zu schützen. Aber vermutlich dürfte der Twizy in Deutschland sowie eher als Fahrzeug für die wärmere Jahreszeit benutzt werden. In Südeuropa sieht das anders aus.

Die Akkus muss man zusätzlich mieten

Für den Gesetzgeber ist das französische Elektromobil übrigens ein Quad, für das man einen Auto-Führerschein braucht. Alternativ gibt es allerdings auch noch den 6990 Euro teuren Twizy 45. Bei dem ist die Leistung auf 5 PS gedrosselt; er läuft bis zu 45 km/h schnell und maximal 120 Kilometer weit. Für dieses Modell reicht der Führerschein Klasse S.

Dreieinhalb Stunden dauert es, bis die Twizy-Akkus voll geladen sind. Für den Strom zahlt man in diesem Fall laut Renault rund 1,50 Euro. Die Batterien müssen Besitzer des Mobils allerdings noch zusätzlich von Renault mieten, zu Preisen ab 50 Euro pro Monat. Das klingt nach Preistricksereien, bedeutet aber vor allem, dass es dem Fahrer egal sein kann, wie lange der teure Akku hält. Ist er kaputt, gibt's von Renault eben einen neuen Akku zur Miete.

Auch andere arbeiten an Stadtflitzern

Wer weiß also, vielleicht wird der Twizy wirklich eine neue Fahrzeugkategorie begründen. Sein Design mit der einzelnen Rückleuchte erinnert an einen Düsenjäger, als Alternative zum Motorroller oder Kleinwagen ist der Elektro-Flitzer nicht ohne Reiz.

Und auch andere haben ja schon Studien gezeigt, die in eine ähnliche Richtung gehen: Audi Urban Concept, Opel Rak E und Volkswagen Nils, die alle drei auf der letztjährigen IAA in Frankfurt gezeigt wurden, verstehen sich ebenfalls als kleine, leichte Stadt-Fortbewegungsmittel. Doch die sind lediglich Einzelstücke, die erst serienfertig gemacht werden müssten. Der Renault Twizy steht ab April beim Händler.

Quelle: sp-x
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