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13.02.09

Sicherheit

Auto-Crashtests werden jetzt viel härter

Fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest – für die meisten Hersteller ist das kein Problem. Die Höchstwertung schaffen sie reihenweise. Jetzt hat das Konsortium die Normen verschärft. Bestwertungen sind ab sofort deutlich schwerer zu erreichen. Besonders große Geländewagen werden Probleme bekommen.

Siemens_VDO

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In Brüssel spricht man Englisch. Es geht um "whiplash", ein "speed limitation device" und um "ESC". Alles Begriffe, die in Zukunft eine große Rolle bei der Beurteilung der Sicherheit im Auto haben. In der belgischen Hauptstadt ist der Sitz des einflussreichen Konsortiums Euro NCAP, das vierteljährlich öffentlich maximal fünf Sterne für Crashtests vergibt und sich nun auf neue, strengere Maßstäbe geeinigt hat. Am 19. Februar werden die ersten Crashtests veröffentlicht, die nach den neuen Regeln gefahren wurden: So leicht wie zuletzt sind die begehrten fünf Sterne nicht mehr zu haben.

Bisher haben sich die Autobauer fast ausschließlich auf den Insassenschutz konzentriert – die ebenfalls überprüften, aber bislang nicht auf das Gesamtergebnis ausstrahlenden Kategorien Kindersicherheit und Fußgängerschutz spielten nur eine untergeordnete Rolle. Mit den neuen Maßstäben ist damit jetzt aber Schluss. Zumindest, wenn die Hersteller auch weiterhin mit den fünf Sternen werben wollen.

"Die Euro-NCAP-Ergebnisse sind natürlich ein Spitzen-Marketinginstrument", sagt Reinhard Kolke, der beim ADAC das Technikzentrum leitet und gleichzeitig Mitglied im "Board of Directors" von Euro NCAP ist. Dort diskutieren die Vertreter europäischer Verkehrsministerien, von Automobilklubs wie dem ADAC sowie von Versicherungen über Entwicklungen bei der Fahrzeugsicherheit und beschließen – wie nun geschehen – neue Maßstäbe.

Während bislang die Insassensicherheit bei einem Crash deutlich im Mittelpunkt stand, entwickelt sich die Bewertung von Euro NCAP hin zu einer umfassenden Beurteilung der Sicherheit eines Autos. Statt ehemals maximal 37 Punkte vergeben die Tester nun bis zu 128. Und statt drei Einzelkategorien gibt es nun vier. Neben der Insassensicherheit, dem speziell geprüften Schutz von Kindern im Auto und der Fußgängersicherheit wird der Test um den Bereich Assistenzsysteme ergänzt.

"Damit hält neben der passiven auch die aktive Sicherheit Einzug bei Euro NCAP", sagt Kolke. "Das ist ein immenser Schritt." Besonders die Hersteller von Kleinwagen müssen sich nun Gedanken machen. Denn um zukünftig fünf Sterne zu erreichen, müssen Autos in allen vier Kategorien eine bestimmte Punktzahl erreichen. Das klappt bei den Assistenzsystemen aber nur, wenn serienmäßig der elektronische Schleuderschutz ESP (engl. ESC) mit an Bord ist – bei Kleinwagen heute noch die Ausnahme.

In Zukunft sollen auch Fahrerassistenzsysteme wie Bremsassistent, Spurhalteassistent und Abstandsradar bewertet werden. Dafür gibt es allerdings eine Übergangsfrist bis 2012, so lange gelten noch die aktuellen Regeln. Als Aufwertung der aktiven Sicherheit wird aber schon jetzt ein eher symbolisch zu verstehender Punkt eingeführt. Es gibt ihn für das Vorhandensein eines "speed limitation device". Mit dieser Technik lässt sich bei einem Tempomaten eine Maximalgeschwindigkeit einstellen, die das Auto auch nicht überschreitet, wenn man das Gaspeadl bis zum Bodenblech durchtritt.

"Es wird ab jetzt nicht nur für Kleinwagen, sondern auch für Geländewagen schwieriger", sagt Kolke. Denn beim aufgewerteten Fußgängerschutz hätten die großen Autos wegen ihrer hohen Fronten naturgemäß Nachteile. Schon in der aktuellen Liste von Euro NCAP schneiden vor allem große SUV durchgängig schlecht ab, einigen wurde sogar ein einziger Stern in der Kategorie Fußgängerschutz verwehrt. Ohne konstruktive Änderungen stehen die Chancen auf die begehrte Maximalwertung mehr als schlecht.

Auf alle Fahrzeugkategorien – gleichgültig ob groß oder klein, billig oder teuer – hat indes ein Test Auswirkungen, der sich hinter dem Namen "whiplash" verbirgt. Besonders auf Drängen des ADAC werden die Auswirkungen eines Heckaufpralls überprüft, der häufig das sogenannte Schleudertrauma auslöst. Dagegen schützen vor allem gute Kopfstützen. Ein Test des ADAC zeigte allerdings kürzlich auf, dass quer durch die Fahrzeugklassen teilweise völlig ungenügende Stützen verbaut sind. Durch den Eingang des Tests in die Euro-NCAP-Bewertung soll dieser Missstand möglichst bald behoben werden.

Die ersten Auswirkungen haben die neuen Maßstäbe von Euro NCAP sogar jetzt schon, bevor überhaupt ein neues Ergebnis veröffentlicht wurde. Der französische Hersteller Renault, der wie kein Zweiter seine Fünf-Sterne-Ergebnisse vermarktet, stattet die Kleinwagen Clio und Modus ab sofort auch in den Basisversionen serienmäßig mit ESP aus – ohne Aufpreis.

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