Drogenaffäre Warum Volker Beck schon wieder an sich selbst scheitert

Volker Beck

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Volker Beck

Mit seiner Drogenaffäre hat Volker Beck gleich zwei Communities ohne Not großen Schaden zugefügt, meint Hajo Schumacher.

Die Breaking-Beck-Witze sind gemacht, Loyalitätsadressen geheuchelt, jede Empörung bühnenreif vorgetragen. Bleibt die Frage: Was ist so schlimm, wenn ein Bundestagsabgeordneter, der für liberale Drogenpolitik eintrat, mit einer Bagatellmenge vom Dealer kommt? Ob einer getrocknete Batteriesäure rüsselt oder sich mit dem Hammer auf den Daumen haut, kann man als Privatsache betrachten. Süchtige gehören in Therapie, aber nicht vom Hof gejagt. Der Richter wird es bei einer Geldbuße bewenden lassen. Der Rücktritt von allen Ämtern scheint politische Selbstbestrafung genug zu sein. Oder?

Nicht ganz. Bei Beck ist die Lage anders. Hier geht es um einen der routiniertesten Kräfte des Berliner Politikbetriebs, ein Aufregungsprofi aus der Lauterbach- und Bosbach-Klasse. Ihm ist weder Dämlichkeit noch jugendlicher Leichtsinn zu unterstellen. Eben dieser Politprofi aber hat gleich beiden Communities, denen er seit Jahren zu dienen vorgibt, ohne Not schweren Schaden zugefügt.

Da wären zunächst die Schwulen. Ärzte und Aktivisten beklagen seit etwa zwei Jahren eine Verrohung der schwulen Szene. Die Hooligan-Droge Crystal Meth verwandelt Hänflinge in Größenwahnsinnige, treibt zu nicht immer erwünschten Höchstleistungen, senkt die Empathie, übersteigert das Ego. Das Teufelszeug, das Wehrmachtssoldaten verabreicht wurde, damit sie notfalls barfuß bis Moskau durchmarschieren, hat Kälte, Härte und Brutalität in die homosexuelle Community getragen. Eine Stimme der Verantwortung hätte gemahnt, gewarnt, gebremst. Beck nicht.

Brutalstmöglich in den Rücken gefallen

Zweitens ist der gebürtige Stuttgarter den Grünen brutalstmöglich in den Rücken gefallen. Die an Charismatikern derzeit arme Öko-Partei hat genau einen Mann mit historischem Potential: Wilfried Kretschmann. Der erste und einzige grüne Ministerpräsident liegt mit der CDU gleichauf bei 30 Prozent. Wenige Stimmen entscheiden über eine Wiederwahl, die für die Geschichtsbücher taugt. Nicht auszudenken, wenn Becks Einkaufstour das Wunder von Stuttgart kaputt macht. Wenn schon zum Dealer, dann nach der Wahl – soviel Disziplin muss ein Profi aufbringen.

Becks größtes Problem: Schon 2013 scheiterte er an sich selbst. Damals versuchte er, sich um die Urheberschaft eines frühen Textes zu drücken, in dem er gefordert hatte, Sex mit Minderjährigen straffrei zu stellen. Nun der nächste dusselige Doppelfehler. Auszeit plus Therapie wäre das Minimum an Besinnungsbewährung. Ein rigoroser Moralist würde die Rückgabe des Bundestagsmandats verlangen.

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