Kommentar

Ein Dankeschön reicht zwar nicht - aber die Geste zählt

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD, l) füttert unter Anleitung von Tierpark- und Zoo-Chef Andreas Knieriem einen Elefanten im Tierpark. Tausende Menschen haben beim Aktionstag „Berlin sagt Danke“ den kostenfreien Eintritt in zahlreichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen genutzt

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD, l) füttert unter Anleitung von Tierpark- und Zoo-Chef Andreas Knieriem einen Elefanten im Tierpark. Tausende Menschen haben beim Aktionstag „Berlin sagt Danke“ den kostenfreien Eintritt in zahlreichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen genutzt

Der Senat darf sich nicht auf Ehrenamtliche verlassen. Am Sonntag wurden sie aber belohnt. Ein richtiger Schritt, meint Lorenz Vossen.

Eine Familie mit zwei Kindern will sich einen schönen Tag machen. Rechnen wir es mal zusammen. Das Familienticket für Zoo und Aquarium: 50 Euro. Die Eintrittskarten für den Kinoabend danach: noch mal ungefähr derselbe Betrag. Macht zusammen 100 Euro – das Popcorn nicht mit inbegriffen.

Am Sonntag gab es dieses Vergnügen für null Euro. "Berlin sagt Danke" nannte sich der Spaß, die Aktion kam auf Initiative des Berliner Senats zustande. Zu 150 verschiedenen Veranstaltungen in 130 Einrichtungen war der Eintritt frei. Die Stadt wollte sich damit bei all ihren Ehrenamtlichen, überhaupt bei allen Menschen, die sich für andere einsetzen, bedanken. Zoo, Tierpark, Museen, Fernsehturm oder Kino – für jeden war etwas dabei. Zugegeben, im Babylon im Bezirk Mitte lief mit "Eins, Zwei, Drei" ein Schinken aus dem Jahr 1961.

Doch das Positive an der Aktion überwiegt. Nicht alle Menschen im sozial schwachen Berlin können sich die hiesigen Freizeitangebote leisten, gerade Familien nicht. Viele verbringen den Sonntagnachmittag lieber vor dem Fernseher.

Wenn dann aber der Eintritt in Museum oder Philharmonie frei ist, erwägen manche, die sonst nicht im Traum daran denken würden, vielleicht einen Besuch. Am Sonntag kamen bis 15 Uhr doppelt so viele Menschen ins Deutsche Historische Museum wie sonst. Die Familie mit zwei Kindern sparte 24 Euro.

Ehrenamtliche Arbeit ist bedeutend

Vor allem war "Berlin sagt Danke" eine Erinnerung daran, welche Bedeutung ehrenamtliche Arbeit in Berlin hat. Umfragen zufolge übt jeder dritte ab 14 Jahren ein Amt aus – das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Ein Teil dieser Menschen mag sich gefreut haben, dass ihre Arbeit nicht als selbstverständlich angesehen wird.

Nur die Flüchtlingshelfer vor dem Lageso waren wieder unzufrieden, sie sprachen von "Augenwischerei". Der Senat solle lieber seine Hausaufgaben machen und die Arbeit nicht den Ehrenamtlichen überlassen, hieß es. Aber: Dass er es alleine nicht schafft, hat der Senat ja längst begriffen.

Also versucht er, sich erkenntlich zu zeigen, auch wenn es nur kostenlose Freizeitangebote sind. Am Sonntag zählte die Geste.

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