Kommentar

Ein Anstoß für den Berliner Sport

Berlin will den Sport stärker fördern. Doch das muss die Verwaltung nun auch umsetzen. Immerhin ein erster Schritt, sagt Andreas Abel.

Berlin ist eine Sportmetropole, diese Bezeichnung gehört längst zu den Standardattributen der Stadtwerber und des Senats. Aber was nehmen wir dabei eigentlich in den Blick? Die großen Events wie Marathon oder DFB-Pokalfinale? Die vielen nationalen oder internationalen Veranstaltungen, die zwar keine Zuschauermassen begeistern, aber in ihren Disziplinen wichtig sind? Die 620.000 Mitglieder der Sportvereine oder die Zigtausenden Menschen, die regelmäßig laufen oder sich zu einem Volleyballmatch treffen, aber mit Vereinen nichts am Hut haben?

Die Verantwortlichen in Politik, Sport und Wirtschaft müssen sich um all diese Aspekte kümmern. Da klingt banal, ist aber in der Umsetzung schwierig. Es gibt Nutzungskonflikte in der Stadt, und je mehr sie wächst, desto mehr nehmen diese Konflikte zu. Sehr viele Sporthallen, Schwimmbäder und Stadien müssen saniert oder modernisiert werden, auch auf diesem Sektor rächen sich die jahrelangen mangelhaften Investitionen der Landesregierung. Die Finanzierung des Breitensports ist fragil, dem Leistungssport fehlt es an Nachwuchs. Also Probleme allenthalben.

Nun hat die von Frank Henkel (CDU) geführte Senatssportverwaltung ein Strategiepapier vorgestellt, das die Neuausrichtung der Berliner Sportpolitik nach dem Scheitern von Olympia einläuten soll. Kritiker geißelten das fünfeinhalb Textseiten umfassende Werk als dünn und nichtssagend. Es enthalte keine Sportentwicklungsplanung, sondern lediglich "Leitplanken" zur Orientierung, konterte der zuständige Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU).

Immerhin soll bei Großveranstaltungen künftig auf die Stadtrendite geachtet und nicht immer darauf geschielt werden, die Olympia-Tauglichkeit der Hauptstadt unter Beweis zu stellen. Zweitens enthält das Papier ein Bekenntnis zu Erhalt und alltagstauglicher Entwicklung einer Infrastruktur für den Breiten- und Freizeitsport. Daran werden sich die Verantwortlichen künftig messen lassen müssen.

Die Schritte der konkreten Umsetzung muss die Verwaltung im Verbund mit ihren Partnern erst noch entwickeln. Da wird sie auch um eine Prioritätensetzung nicht herumkommen. Das Strategiepapier ist nur ein Anfang, aber wenigstens liegt der Ball jetzt im Feld.

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