26.01.13

Zweckentfremdung

Berliner Gesetz gegen Ferienwohnungen verzögert sich

In der Innenstadt ist der Wohnraum knapp. Die Vermietung tausender Wohnungen an Touristen verschärft die Lage. Ein Gesetz soll dies stoppen.

Foto: Amin Akhtar

Berliner Klingelschild ohne Namen: Die Nummern stehen für Touristen-Wohnungen
Berliner Klingelschild ohne Namen: Die Nummern stehen für Touristen-Wohnungen

Das geplante Gesetz gegen die Umwandlung normaler Berliner Wohnungen in Quartiere für Touristen verzögert sich. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagte, der Gesetzentwurf müsse noch weiter mit dem Koalitionspartner CDU abgestimmt werden. Ursprünglich sollte der Entwurf zum Verbot der sogenannten Zweckentfremdung von Wohnungen noch im Januar zur ersten Lesung ins Abgeordnetenhaus eingebracht werden. Das Vorhaben kündigte der Senat bereits im Sommer 2012 an.

Pankow kontrolliert als erster Bezirk seit einigen Tagen, ob Wohnungen gewerblich an Touristen vermietet werden. Für bestimmte Gebiete untersagte Pankow diese Nutzung. Das vom Senat angekündigte Gesetz würde aber ein härteres Vorgehen ermöglichen.

Die Grünen-Fraktion bringt daher an diesem Donnerstag einen eigenen Gesetzentwurf ein. Die Politik sei verpflichtet, "das Recht von Jeder und Jedem auf angemessenen Wohnraum zu garantieren und besonders für Menschen mit geringem Einkommen Wohnraum zu erhalten und zu schaffen", begründen die Grünen ihren Vorstoß.

Bessere Chancen als 2002

Die Vermietung tausender Wohnungen an Touristen und auswärtige Geschäftsleute trägt zur Wohnungsnot in der Innenstadt und zum heftigen Anstieg der Mieten in den vergangen Jahren bei. Das will der Senat eindämmen. Umstritten ist aber noch, wie wirksam so ein Gesetz ist und wie es durchgesetzt werden kann.

2002 hatte das Oberverwaltungsgericht die bis dahin bestehende Zweckentfremdungsverordnung gekippt – die Richter sahen keinen Mangel an Wohnraum. Heute schätzen Experten die Zahl der Ferienwohnungen in Berlin auf etwa 15 000. Viele Anwohner beschweren sich über ständige Partys, Lärm und Müll der Touristen.

Der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Visit Berlin, Burkhard Kieker, sagte kürzlich, Verhältnisse wie in Venedig oder Barcelona, wo Touristen und nicht Einheimische das Stadtbild prägten, dürften in Berlin nicht entstehen.

Quelle: dpa/ap
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