07.01.13

Tourismus

5000 Berliner machen Luxusurlaub "um die Ecke"

Bei der Aktion "Erlebe deine Stadt" machen Berliner Urlaub in ihrer eigenen Stadt. Zwei Tage zum halben Preis in den luxuriösesten Hotels.

Foto: Glanze

Marlies Beier und Fritz Ziel ließen sich im „Hotel de Rome“ am Bebelplatz 24 Stunden lang mit allen Annehmlichkeiten verwöhnen
Marlies Beier und Fritz Ziel ließen sich im "Hotel de Rome" am Bebelplatz 24 Stunden lang mit allen Annehmlichkeiten verwöhnen

Marlies Beier und Fritz Ziel aus Lankwitz haben gut gegessen (Lammkarree und Tonkabohneneis), gut getrunken (Rotwein) und gut geschlafen (offener Balkon mit Blick auf Dom und Fernsehturm). Die beiden Rentner haben sich über den Kamin im Zimmer gefreut, auch wenn der nur auf dem Fernsehbildschirm flackerte, sie haben die finnische Sauna ausprobiert und sich schließlich noch die historische Deluxe-Suite im "Hotel de Rome" angeschaut, die mehr als 4000 Euro pro Nacht kostet. Das alles ging für sie viel zu schnell vorbei. "Wir wollten eigentlich noch einen zweiten Saunagang machen und in Ruhe die Sonntagszeitung lesen", sagt Marlies Beier. Die Zeitung lag morgens vor der Zimmertür. "Aber dafür blieb dann keine Zeit." Alles in allem sei dieses Wochenende für die beiden aber ein perfekter Start in das neue Jahr gewesen.

Es ist eine klassische Win-win-Situation für Berlin, was die Berliner Gesellschaft zur Werbung und Betreuung der Touristen, Visit Berlin, nun zum dritten Mal veranstaltet hat. Die Hotels sind am ersten Wochenende eines neuen Jahres nur selten ausgebucht. Die Berliner, die bei dieser besonderen Aktion mitmachen, bekommen für einen äußerst attraktiven Preis ein tolles Erlebnis geboten. Kein Wunder, dass sich in diesem Jahr bei der Aktion "Erlebe deine Stadt" 63 Berliner Hotels beteiligt haben, darunter 15 Luxushotels wie das "Mandala" am Potsdamer Platz, das "Schlosshotel" im Grunewald, das "Hotel de Rome" am Bebelplatz, das "Regent" am Gendarmenmarkt und das "Waldorf Astoria", das gerade erst am Bahnhof Zoo eröffnet hat. Etwa 5000 Berliner konnten die Nacht von Sonnabend zu Sonntag in einem Luxushotel verbringen – wenn es ihnen gelungen war, am 14. November eines der begehrten Zimmer zu buchen.

Vier Stunden Sauna

Uwe Ulrich war einer von denen, die es geschafft haben. Der 56-jährige Schöneberger hat direkt am 14. November, dem Stichtag für die Aktion von Visit Berlin, angerufen und ein Zimmer im "Regent" reserviert. Sieben Minuten musste er in der Warteschleife bangen, aber dann kam die Bestätigung sofort per E-Mail: 110Euro für zwei Personen – inklusive Abendessen und Frühstück. Allein das Zimmer kostet normalerweise in diesem Hotel mit dem Standard "Fünf Sterne plus" das Doppelte. Für seine Begleiterin und ihn hat es sich absolut gelohnt. Sie sind mit der U-Bahn angereist und konnten den gesamten Nachmittag in der großzügigen Saunalandschaft verbringen, bei dem Regenwetter eine attraktive Alternative zu einem Spaziergang am Gendarmenmarkt.

Für das Hotel war es auch eine Premiere. "Wir haben zum ersten Mal teilgenommen", sagt Carolin Meltendorf vom "Regent" am Sonntag, "und haben sehr gute Erfahrungen gemacht." Die Gäste seien fast alle pünktlich um 13Uhr zum Einchecken gekommen, zum Teil extra im Anzug, um sich dem Luxus der Umgebung anzupassen. "Aber da für uns das Wohlfühlen des Gastes im Vordergrund steht, gibt es bei uns ohnehin keinen Dresscode." Zehn Zimmer hat das Hotel für die Aktion zur Verfügung gestellt. Innerhalb kürzester Zeit waren diese Zimmer ausgebucht, zumal im "Regent" sämtliche Getränke ebenfalls inklusive waren.

Die Aktion passt gut in die Zeit, denn die Berliner Hotelbranche erlebt gerade einen Boom. Nachdem unlängst bekannt wurde, dass noch niemals so viele Touristen zu einem Jahreswechsel in die Hauptstadt gekommen sind wie vor einer Woche, erwartet das Berliner Gastgewerbe noch weitere Rekordzahlen. So übernachteten im zurückliegenden Jahr 2012 etwa zehn Prozent mehr Gäste in den 800 Berliner Hotels und Pensionen als im Vorjahr, was etwa 24,8 Millionen Übernachtungen bedeutet. Berlin-Touristen lassen zudem insgesamt rund zehn Milliarden Euro in der Stadt, eine durchaus wichtige Einnahmequelle. Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin, nennt Berlin schon eine "touristische Supermacht".

Frühstück in Rosa, Grün und Gelb

Vor allem das Frühstück wird Uwe Ulrich noch länger in Erinnerung bleiben. Im "Regent" wird das nicht an einem Büfett angerichtet, sondern à la Carte bestellt. Der Schöneberger hat sich "Ei Benedict" bestellt und dann die kräftigen Farben auf dem Teller bewundert: Rot (Tomaten), Grün (Spinat), Rosa (Lachs), Weiß und Gelb (pochiertes Ei). Er hat es gleich zweimal bestellt, die zweite Portion mit seiner Begleitung geteilt. "Sogar Dinkelbrot gab es", sagt er, "als wir danach fragten." Der Blick auf den Gendarmenmarkt (noch immer verregnet) ließ in den beiden Hotelgästen wieder den Wunsch nach der Sauna wachsen. Nach einem Anruf an der Rezeption war auch das kein Problem.

Marlies Beier und Fritz Ziel waren im "Hotel de Rome" und haben es ebenfalls genossen, genauso zuvorkommend behandelt zu werden wie etwa die Schauspielerinnen Diane Kruger oder Sharon Stone, die hier schon übernachtet haben. "Alle waren so wahnsinnig zuvorkommend zu uns", sagt Marlies Beier, die ihr Kleid für den Luxusausflug selbst genäht hatte. "Normalerweise mag ich dunkle Wände nicht so sehr", sagt Partner Fritz Ziel, "aber hier ist das farblich so intelligent kombiniert, dass es schön anzusehen ist." Ein bisschen wurde der pensionierte Diplom-Ingenieur auch zum Hoteltester, auch wenn es für ihn nichts zu kritisieren gab. "Allerdings könnte ein Türstopper im Zimmer verhindern, dass der Türknauf an den Schrank stößt."

Die Win-win-Situation ist demnach für alle Seiten aufgegangen. Die 5000 Berliner werden ihren Freunden erzählen, welche Erfahrungen sie in den Hotels gemacht haben, und wenn sie Besuch erwarten, können sie jetzt sogar aus eigener Erfahrung ein Haus empfehlen. Nur ein kleiner Nachteil fällt Fritz Ziel ein, der im Grunde nur ein psychologischer ist. "Man gewöhnt sich an das Gute viel zu schnell", sagt er. "Durch solche Erlebnisse schraubt man die Messlatte für die eigenen Bedürfnisse schon deutlich nach oben." Für den kommenden Urlaub haben die beiden schon Hotels in Sizilien und Rom gebucht. Unter vier Sterne wollten sie da nicht gehen.

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