08.11.12

Scheußlichkeit

Hurra, der Ugg Boot ist nun endgültig out

Von Frauen geliebt, von Männern gehasst: Die Lammfell-Säcke für Füße, genannt Ugg-Boots, waren nicht totzukriegen. Man lief darin so elegant, als hätte man Hack im Schuh. Das könnte ein Ende haben.

Foto: AFP

Ugg Boots (r.) kommen ursprünglich aus Australien. Sie sind außen aus Nubuk und innen mit Lammfell gefüttert. Bei den Stars waren sie lange der Renner.

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Ugg Boots, die weichen, mit Schaf-Fell gefüllten Stiefel, sind die Untoten der Schuhmode. Kaum denkt man, nun ist es endlich überstanden, tauchen sie an der nächsten Straßenecke wieder auf. Abgelatscht, aber heiß geliebt hängen sie an den Füßen ihrer Trägerin, haben sich an ihr festgesaugt wie der bleiche Vampir Edward an der langweiligen Bella.

Bei Männern rangieren die Schuhe ganz oben auf der Hass-Skala. Sie sind im übrigen davon überzeugt, der Name der Schuhe kommt vom englischen "ugly" (dt. hässlich), dabei ist es nur der Name eines Herstellers. Noch unbeliebter als Ugg Boots sind bei ihnen nur noch der kreischig rote Lippenstift, das Maxidress und der High Heel ohne Heel.

Das tut ihrer Beliebtheit beim weiblichen Geschlecht allerdings keinen Abbruch. Frauen ziehen sich ja sowieso und bekanntermaßen nicht für Männer sondern für ihre Geschlechtsgenossinnen an. Und die tragen schließlich alle Ugg Boots. Ja, auch Cameron Diaz. Oder trugen sie?

Denn, hurra, mit dem Ugg Boot geht es anscheinend bergab. Dieses Mal sind es keine hochnäsigen Modekritiker, sondern harte wirtschaftliche Fakten, die den Niedergang der Fell-Schlubben manifestieren könnten. Nach jahrelangem und kontinuierlichem Anstieg der Verkaufszahlen ist nun ein deutlicher Rückgang bei der Nachfrage zu verzeichnen.

Über zehn Jahre ging die Kurve des Unternehmens und seiner massenhaften Nachahmer immer steil nach oben. Das Unternehmen Deckers, zu dem auch die australische Ugg-Gruppe gehört, verzeichnet allein in Großbritannien einen Rückgang der Verkaufszahlen von rund 31 Prozent. Gleichzeitig ist der Markt überschwemmt mit billigen Kopien, die bei einem Preis von 250 Euro für das Original, besonders gerne von Menschen mit Arschgeweih gekauft werden. In den USA sind die Schuhe in einigen Schulen sogar verboten worden. In den unförmigen Dingern konnten zu viele Handys, Pager oder Zigaretten in die Schule geschmuggelt werden.

Der Schlabber-Look am Fuß

Falls jemand die Scheußlichkeit übersehen haben sollte oder für etliche Jahre in einer Zeitkapsel gefangen gewesen ist: Die Schuhe gibt es in beige, braun, grau, pink, blau, mit Glitzer oder ohne. Das Perfide an ihnen ist, dass sie mit weichem Lammfell gefüttert sind, nie scheuern und diabolisch gut die Füße wärmen. Eigentlich wurden sie in Australien entwickelt und von Surfern am Strand getragen.

Seit 2001 schlurfen Frauen auf aller Welt in den Fellschuhen bevorzugt durch die Stadt. Ein, zwei Jahre brauchte es alleine, bis sich herumsprach das Ugg Boots keinen Regen vertragen und sich nicht als Winterschuhe eigneten. Da war ihr Triumphzug aber schon im Gange. Eine Zeit lang schafften es die Zombies des Schuhwerks sogar noch, Frauen davon zu überzeugen, sich gleich mehrere Paar zu kaufen: halbhoch, hoch, in diesem schnuckeligen schokobraun oder, Gott bewahre, mit Pailletten. Sie wollen in den Trampel-Dingern vor den Altar treten? Kein Problem, es gibt eine extra Brautlinie.

Neues Unheil auf dem Weg

Verdrängt wurde dabei immer eins: Man läuft auf Ugg Boots ungefähr so elegant, als wenn man zwei Plastik-Tüten an den Füßen oder rohes Hackfleisch in den Schuhen hätte. Bei schlechtem Wetter getragen, erinnern sie farblich an zwei Putzlumpen. Die Sohlen laufen sich unschön ab. Und manch einer fühlt sich an Krankenhaus-Schuhe erinnert, die alte Menschen bekommen, wenn sie sich wund gelegen haben. Alles egal. Fragt man die Trägerin, antwortet die mit seligem Grinsen: "Aber sie sind doch so bequem".

Allerdings, die Sache hat einen Haken. Denn anstelle der Ugg Boots gibt es schon länger eine neue Hässlichkeit an den Füßen der Stadt-Mädchen. Die Gummistiefel haben das Feld übernommen. Getragen selbst von Herzogin Kate. Die Hunter, Le Chameau oder Aigle schlichen sich über Bilder von Stars auf verregneten Rockfestivals in die Modemagazine und dann an die Füße der Stars. Dabei liegen die Stiefel preislich durchaus im gehobenen Segment.

Man kann sich zwar eleganter darin bewegen, bekommt aber Schweißfüße. Sie sind der heimliche Verwandte des Ugg Boot, der stinkende Verbündete im Kampf gegen die Eleganz. Und zwar so lange, bis sich der Ugg Boot wieder von seinem Rückschlag erholt hat. In den Untiefen des schlechten Geschmacks sammelt er Kraft um dann gemeinsam mit dem bauchfreien T-Shirt und den Buffalos schaurige Wiederauferstehung zu feiern.

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