10.01.13

Vierfach-HD

Jetzt kommen die ultrascharfen Groß-Fernseher

Plötzlich ist HD nicht mehr scharf genug: Auf gigantischen Bildschirmen zeigen die Unternehmen ultrascharfes Fernsehen. Nach der Enttäuschung mit 3D-Fernsehern kommt nun die vierfache HD-Auflösung.

Quelle: Reuters
09.01.13 2:22 min.
Auf der Fachmesse für Unterhaltungselektronik zählen hochauflösende Fernseher mit einer Bilddiagonale von drei Metern, fahrerlose Autos und Fensterputzroboter zu den Highlights.

Deutlicher hätte Samsung nicht werden können. Ein "TV-Monster", wie Betrachter hinter vorgehaltener Hand lästern. Was der südkoreanische Hersteller auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas seinen Gästen präsentiert, ist an Gigantomanie derzeit kaum zu übertreffen. Der Riesen-Fernseher aus dem Samsung-Reich misst in seiner Diagonalen fast 2,8 Meter (110 Zoll) – und ist damit in der Wüstenstadt Nevadas kaum zu übersehen.

Auf der neben der Internationalen Funkausstellung (Ifa) wichtigsten Leistungsschau der Unterhaltungselektronik zeigen die Hersteller, was sie unter Wettrüsten verstehen. Kaum ein Ort zu so hart umkämpft wie das Wohnzimmer der Verbraucher. Ging es über Jahre darum, Fernseher immer flacher zu machen, haben Unternehmen wie Samsung, Sony oder Sharp nun zwei neue Betätigungsfelder gefunden: Größe und Schärfe. Hier geht es vor allem um eines: zeigen, was man kann.

Dass der Verbraucher derzeit nicht allzu viel davon hat, unterschlagen die Hersteller geflissentlich. Den 110 Zoll großen Fernseher von Samsung wird sich wohl schon wegen der schieren Größe niemand in sein Wohnzimmer stellen. Übrigens zeigen die chinesischen Unternehmen Hisense und TCL ebenfalls solche Riesen in Las Vegas. Preise dafür wagt jedoch niemand zu nennen. Sie dürften jenseits der Summe liegen, die für eine Mittelklasse-Limousine fällig wird.

Bildschirm mit acht Millionen Pixel

Während viele Fernsehzuschauer noch mit der Entscheidung hadern, auf hochauflösendes Fernsehen und Blu-ray umzusteigen, legt die Industrie bereits nach. Nicht mehr zwei Millionen Bildpunkte (Pixel) sollen auf den Fernsehern gezeigt werden. Jetzt gibt es gleich mehr als acht Millionen Bildpunkte. Gängige Fernseher lösen derzeit 1920 mal 1080 Pixel auf. Was aber auf der CES zu sehen ist, schafft bereits 3840 mal 2160 Pixel, wegen der aufgerundeten horizontalen Pixelzahl auch kurz "4K" genannt.

Las Vegas hängt die Latte also noch ein wenig höher. Kaum einer der größeren Hersteller traut sich noch ohne "4K" vor die Tür. Egal ob Sony, Samsung, LG, Toshiba, Panasonic, Sharp, TCL oder Hisense: Jeder hat mindestens eines dieser Geräte vorzuzeigen. Inzwischen ist für die "Noch-mehr"-Schärfe auch ein Begriff gefunden: Ultra HD-TV (UHDTV). Nur Sony spricht weiterhin stur von "4K".

Um eines deutlich zu machen: Ultra HD-TV sieht besser aus als HDTV. Doch auch wenn der Unterschied bemerkbar ist, so ist er nicht annähernd so groß wie der Umstieg von der Standard-Auflösung (SD) zur HD-Auflösung. Unwahrscheinlich also, dass Zuschauer nun schnell ihre Flachbildfernseher loswerden wollen, um noch schärfer zu sehen. "Diese Umstellung ist natürlich nicht über Nacht zu machen", sagte Sony-Chef Kazuo Hirai im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Auch HD habe sich erst nach vielen Jahren durchgesetzt.

Der Gerätepreis wird entscheidend

Der Marktforscher NPD DisplySearch prognostiziert die Entwicklung daher auch entsprechend vorsichtig. Bis 2017 werde UHDTV wohl nur zwei Prozent aller Flachbildfernseher ausmachen. Bei größeren Formaten mit mehr als 50 Zoll Bildschirmdiagonale dürften den Marktforschern zufolge dann aber schon 22 Prozent aller Geräte ultrascharf sein.

Am Ende dürfte das eine Frage des Preises sein. Die bisher angekündigten 84 Zoll großen UHDTV-Geräte hatten auf ihren Preisschildern Summen zwischen 20.000 und 25.000 Dollar stehen. Allerdings kostete ein HD-Fernseher mit 40 Zoll vor sieben Jahren auch noch annähernd 5000 Dollar, heute ist ein Gerät dieser Größe für nur noch 560 Dollar zu haben.

Die Consumer Electronics Association (CEA), die Veranstalter der CES ist, geht davon aus, dass die Preise für UHDTV-Geräte schon in diesem Jahr auf 7.000 bis 10.000 Dollar sinken werden, bis 2015 dann auf 2000 bis 2500 Dollar.

3D ist kaum ein Kaufkriterium

Verkaufspreis-Prognosen sind aber mit Vorsicht zu genießen. Vor wenigen Jahren freuten sich die Hersteller auf das große Geschäft mit 3D-Fernsehern. Die Hoffnung ist inzwischen verpufft. Wer heute ein HD-Gerät mit mehr als 40 Zoll kauft, hat die 3D-Funktionalität meist mit eingebaut, ohne dass er dafür zusätzlich zahlen müsste. Für kaum jemand ist 3D das Kaufkriterium.

Natürlich werden die Ultra-HD-Fernseher billiger, je kleiner sie werden. Allerdings ist dann der Unterschied zum normalen HD-Bild noch weniger zu erkennen. Trotzdem haben schon eine Reihe Hersteller UHDTV in Größen zwischen 50 und 65 Zoll angekündigt, darunter auch Toshiba und Sony. Samsung, Sony und Panasonic zeigen in Las Vegas sogar eine Kreuzung, die den Geldbeutel früher Käufer noch einmal zusätzlich belasten dürfte.

Alle drei wollen ein Ultra-HD-Fernseher mit Oled-Display verkaufen. Diese Displays sind schwieriger zu produzieren, dafür aber stromsparend und können deutlich dünner gebaut werden als hintergrundbeleuchtete LCD-Displays. Zurzeit gibt es jedoch nur Prototypen zu sehen.

Für die superscharfen Filme fehlen die Abspielgeräte

Noch hat die Industrie nicht einmal eine zufriedenstellende Lösung dafür gefunden, wie die superscharfen Filme ausgeliefert werden sollen. Trotz Fortschritte in der Komprimierung von Filmen sind die Datenmengen von Ultra-HD-Filmen enorm und passen nicht mehr auf eine DVD. Selbst eine Video-Blu-ray-Disk ist nicht in der Lage, einen "4K"-Film abzuspielen, weil der Standard schlichtweg nicht in der Blu-ray-Spezifikation berücksichtigt ist.

Ähnlich wie schon beim Übergang zu den HD- und 3D-Fernsehern wird die Ultra-HD-Entwicklung durch das spärliche Angebot von Inhalten gebremst. Daran ändert auch die Fähigkeit der Ultra-HD-Geräte nichts, HD-Inhalte auf die höhere Auflösung der Displays hochzurechnen, was in vielen Fällen annehmbare Ergebnisse bringt.

Glücklicherweise drehen die Filmstudios in Hollywood bereits mit hoher Auflösung. Derzeit sollen 60 aktuelle Filme in "4K" zur Verfügung stehen, darunter auch der neue Bond-Film Skyfall. Peter Jacksons "The Hobbit" wurde sogar in "5K" gefilmt. Bislang haben es die Filme in dieser Schärfe jedoch nur in die Kinos geschafft, die mit entsprechenden Projektoren ausgerüstet sind. Sony hat den ersten "4K"-Projektor für den Hausgebrauch übrigens schon 2011 vorgestellt.

Im Sommer will Sony zumindest in den USA eine Download-Plattform starten, auf der zum Start etwa zehn Filme verfügbar sind. Über Pläne in Europa gibt es keine Angaben. Sony kann sich hier mehr als andere vorwagen, weil das Unternehmen eine geschlossene "4K"-Kette beherrscht. Die Japaner bauen sowohl die Kameras, stellen die Filme her und bauen nun auch die Endgeräte.

Inzwischen hat der Satellitenbetreiber Eutelsat sogar einen Testkanal für ultrahochauflösendes Fernsehen gestartet. In Südkorea haben vier Rundfunkanstalten angekündigt, ebenfalls Testausstrahlungen zu beginnen. Dem japanischen TV-Sender NHK ist das allerdings alles noch nicht scharf genug. Die Rundfunkanstalt hat nun ihre Pläne für das Jahr 2016 vorgelegt: Dann wolle man mit der Ausstrahlung von "8K" beginnen.

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