02.06.12

Kurfürstendamm

Buddy-Bären - Sind die schön oder können die weg?

Buddy-Bären polarisieren - Kritiker finden sie kitschig, Touristen lieben sie. Die Morgenpost hat auf dem Kudamm nachgefragt.

Von Brigitte Schmiemann
Foto: Massimo Rodari
Buddy-Bär
Kurfürstendamm: Die Buddy-Bären sind ein beliebtes Motiv für Schnappschüsse

Am frühen Morgen ist es noch ruhig auf dem Kurfürstendamm. Putzkräfte polieren bei Gucci die Messing-Türen auf Hochglanz. Dachdecker zimmern friedlich auf dem Haus Cumberland vor sich hin. Touristen verlassen ihre Hotels.

Und mitten zwischen den noblen Boutiquen, Geschäften der Marke Giorgio Armani, Prada, Dolce & Gabbana, Chanel, Cartier, Bulgari, Louis Vuitton, thront ein Buddy-Bär. Seit vergangenem Jahr, anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Boulevards auf dem Mittelstreifen, steht er hier.

Für viele Touristen sind die bunten Bären in der Stadt ein Highlight, mit dem sie sich gern fotografieren lassen. Auch das Bild von Sebastian (34), Maki (36) und Seon (1) Schiefner mit dem bemalten Kudamm-Bären wird schon bald per Internet um die Welt gehen.

"Darüber freut sich unsere Familie in Japan", sagt der Familienvater aus Wilmersdorf. Er findet, dass die Bären vor offiziellen Gebäuden wie Botschaften einen guten Standort haben. "Sie repräsentieren Berlin."

In den Straßen oder auch vor Geschäften jedoch würden sie nicht so gut passen, sagt Schiefner. Wenn aber die 16 Landesvertretungen der Bundesländer ihren ganz speziellen Bären gestalten ließen und auf dem Kudamm ausstellen, sei das in Ordnung. "Und die Kinder mögen die Bärchen auch sehr", sagt seine Frau.

Kunstwerke von Beuys, Baselitz oder Richter

Noch haben die Landesvertretungen der Bundesländer der Bitte des Bezirks nicht zugestimmt. Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat bereits mitgeteilt, dass es sich wegen der Haushaltssperre keine Extra-Ausgaben für einen Bären auf dem Kudamm leisten kann. Wie es um die anderen Bundesländer bestellt ist, wird sich erst noch zeigen.

Ein 47-jähriger Kudamm-Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, fand die Bären hingegen "noch nie wirklich schön", wie er sagt. Sie seien künstlerisch nicht interessant, nur kommerziell.

Viele Touristen machten zwar Fotos mit ihnen, und Kinder fänden sie ganz toll, aber sie seien etwas spießig. Buddy-Bären würden deshalb nicht nach Berlin passen.

Berlin sei schließlich keine kleinbürgerliche Stadt wie Düsseldorf oder Köln. Er würde sich für die City West statt der Buddy-Bären lieber Kunstwerke von Beuys, Baselitz oder Richter wünschen.

Über Kunst lässt sich doch streiten

Klaus-Jürgen Meier, der Vorstandsvorsitzende der Händlervereinigung AG City, ist da anderer Ansicht. "Wir freuen uns grundsätzlich über jedes Engagement, den Kurfürstendamm zu verschönern. Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Eine temporäre Aufstellung mit anschließender Versteigerung der Bären für einen guten Zweck würden wir sehr begrüßen", sagt Klaus-Jürgen Meier. Und: "Ein Austausch dieser 16 Bären durch weiterführende Kunstwerke aus den Bundesländern fänden wir großartig."

Robert Patz (28), Besucher aus England, sagt zum Buddy-Bär in Höhe der Schlüterstraße: "Ich war schon im vergangenen Jahr mit der Schule hier, als 140 der United Buddy-Bären ausgestellt waren. Deshalb habe ich meinen Freunden und meiner Familie gesagt, wir müssen unbedingt zum Kudamm, um die Bären zu sehen."

Zusammen mit Michelle (19), Susanna (26), Peter (27), Julia (27), Jack (27) und Keith (29) ist die Gruppe auf der Durchreise nach Polen, wo der Bruder von Keith in zwei Tagen heiratet. "Der Buddy-Bär hebt sich doch gut heraus aus dem Einerlei der Straße, viele Touristen wissen das zu schätzen", sagen sie.

Und Keiths Mutter, Eileen Warbis (56), ergänzt, dass auch in Cornwall, im Südwesten Englands, überall im vergangenen Jahr bemalte Kuh-Skulpturen aufgestellt waren, um sie am Schluss für einen wohltätigen Zweck zu versteigern. "Das ist doch eine gute Sache, die die Menschen näher zusammenbringt", sagt sie.

Blickfang für die Touristen

Auch für Dirk Germandi, Projektentwickler im Haus Cumberland am Kurfürstendamm, sind die Buddy-Bären "sehr gelungene Berlin-Botschafter". Er habe für das Cumberland sogar einen eigenen Buddy-Bären gestalten lassen. "Den wir in Kleinformat jedem Erwerber als Dankeschön in limitierter Anzahl mitgegeben haben", wie er sagt.

"Auch der Buddy-Bär zum Jubiläum 125 Jahre Kurfürstendamm im vergangenen Jahr ist von uns gesponsert worden. Sie geben bis heute ein erstklassiges Fotomotiv ab." Ludmilla Richter, die seit 20 Jahren in ihrer Galerie am Kurfürstendamm 188 Kunst präsentiert, findet die Buddy-Bären künstlerisch gut gemacht.

"Sie machen den Kudamm sehr lebendig. Wir können nicht genug davon haben – und sie sind ein Blickfang für die Touristen", sagt die Galeristin. Sie findet es schlimmer, dass der Bezirk hier keine Blumen mehr pflanzt.

Immer noch besser als Blumenkübel

Die beiden Hotelfachfrauen Sabrina Fritsch und Linda Hengsteler (beide 23) finden die Buddy-Bären auf dem Kudamm ebenfalls gut. "Die Bären gehören zu Berlin und runden die Vielfältigkeit auf diesem Boulevard hervorragend ab", sagen die beiden Frauen aus Baden-Württemberg.

Dass die Installation gleich mit Bank und montiertem Fotorahmen ausgestattet ist, finden sie sehr praktisch. "Wirklich eine gute Idee." Die Bären seien besser als die unbepflanzten Blumenkübel und auch nicht so überkandidelt, sagen die beiden Besucherinnen aus Villingen-Schwenningen, die viel reisen und Berlin gerade für einen zweitägigen Shopping-Kurzurlaub nutzen.

Wie berichtet, will der Bezirk die alten Blumenkübel abräumen lassen – jedoch nicht, bevor er eine Ersatzlösung hat. Stadtrat Marc Schulte (SPD), für die Stadtentwicklung aber auch für das Ordnungsamt zuständig, rechnet damit, dass ansonsten auf den freiwerdenden Flächen sofort illegal geparkt würde. Was andere wiederum weniger schlimm fänden.

"Was wäre denn so schlimm daran, wenn dort Parkplätze wären? Parkplätze haben in der Stadt Priorität – und je mehr es gibt, desto besser", ruft ein Mann im Vorbeigehen zurück.

Dauerhafte Verschönerung des Kurfürstendamms

Passant Andreas Timm (48) sagt, dass Berlin schließlich auch von den Touristen lebe und die Buddy-Bären auf den Boulevard gehörten, weil sie ihn anziehend machten. "Das sind kleine Highlights, mit denen wir uns von anderen Straßen abheben", findet der Verwaltungsangestellte, der auch von seinen Kollegen noch nie etwas Schlechtes über die Bären gehört habe, wie er sagt.

Im Gegenteil. Jeder könne beobachten, wie die Leute dort stehenblieben und ins Gespräch kämen. Einen Tipp hat er aber noch für die Verantwortlichen der Bären-Installationen: "Die Pflanzen, die dieses begehbare Kunstwerk umranden, sind vertrocknet. Das sieht nicht nur traurig aus, sondern geht als Bild auch um die Welt. Da muss sich etwas ändern", sagt er.

Cumberland-Manager Dirk Germandi ist ebenfalls ein Bären-Befürworter, mahnt aber auch eine dauerhafte Verschönerung des Kurfürstendamms an. Die strebt wie Germandi auch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf an.

Bislang hat er jedoch noch keine Finanzierungsmöglichkeiten dafür gefunden. "Für die Zukunft braucht der Kurfürstendamm beides: Buddy-Bären und eine weltstädtische, dem Boulevard angemessene Gestaltung."

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