Stiftung Warentest
Zahnersatz wird teurer
Im Test: Die besten Zusatzversicherungen für Zähne.
Für hochwertigen Zahnersatz müssen Patienten seit Jahresbeginn deutlich tiefer in die Tasche greifen. Rund 345 Millionen Euro mehr Honorar, so schätzt die Bundesregierung, werden Zahnärzte bekommen. Denn seit Anfang 2012 gilt die neue Gebührenordnung für Privatleistungen in der Zahnheilkunde, und damit steigen vor allem die Kosten für den Zahnersatz. "Es lohnt sich, eine mit 'sehr gut' bewertete Zusatzversicherung abzuschließen", stellte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest", bei der Vorstellung des aktuellen Tariftests der Stiftung Warentest fest.
Die gute Nachricht: Immer mehr Policen bieten inzwischen gute Leistungen. Den Überblick zu behalten ist allerdings schwierig. 147 Tarife hat sich Stiftung Warentest in den vergangenen Monaten vorgeknöpft und auf ihre Leistungen und Bedingungen überprüft. Das Ergebnis: 33 dieser Angebote werden als "sehr gut" bewertet, das Gros der Tarife schneidet mit "gut" ab. "Im Vergleich zu früheren Tests gibt es sehr viel mehr Tarife und auch mehr sehr gute", betonte Tenhagen.
Da beim Zahnarztbesuch nicht nur die Angst vor Löchern im Kauwerkzeug mitschwingt, sondern inzwischen vor allem die vor den Löchern im Portemonnaie, macht es Sinn, sich rechtzeitig über eine gute Zusatzpolice Gedanken zu machen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen zahlen in der Regel nur einen festen Zuschuss, egal wie hoch die Rechnung des Zahnarztes ausfällt. "Wer mehrere Implantate braucht, dessen neues Gebiss kostet schnell mehr als ein Kleinwagen", gibt Tenhagen zu bedenken.
Zwei Ansätze zur Vorsorge
"Eine 'sehr gute' oder 'gute' Zusatzversicherung ist empfehlenswert für all jene, die sich nicht mit dem Basis-Zahnersatz zufrieden geben wollen, den die gesetzlichen Kassen noch finanzieren", sagte Holger Rohde, Wissenschaftlicher Leiter Versicherungen und Recht bei der Stiftung Warentest. Mit "sehr gut" bewertete Tarife gibt es, laut Stiftung Warentest, ab 18 Euro monatlich für einen 43-jährigen Mann und für 19 Euro für eine gleichaltrige Frau. Mit steigendem Alter wird der Versicherungsschutz teurer. Wer jünger einsteigt, zahlt weniger.
Die vier günstigsten "sehr guten" Tarife sind bei Hanse Merkur, Central, DKV und HUK-Coburg zu finden. Allerdings bieten alle Versicherungsunternehmen mehrere Tarife an und unterschiedlich umfangreiche Leistungen. "Verbraucher sollten da sehr genau auf die Buchstabenkombinationen hinter dem Tarif schauen, um sicher zu sein, den wirklich besten Tarif eines Unternehmens zu bekommen", betonte Tenhagen. So liege bei Ergo Direkt die Spanne der Angebote zwischen "sehr gut" und "ausreichend".
Wer sich statt für eine Amalgamfüllung für ein Inlay entscheidet oder statt für eine Brücke für ein Implantat, muss einen Großteil der Rechnung selbst bezahlen. Der Zahnarzt berechnet dann sein Honorar nach der privaten Gebührenordnung – und deren Sätze sind kräftig angehoben worden. Zudem haben Zahnärzte einen gewissen Spielraum bei der Abrechnung: Je nachdem, wie kompliziert die Behandlung eingestuft wird, kann der Zahnarzt den 2,3- bis 3,5-fachen Gebührensatz berechnen. Lagen die Kosten für eine Vollkrone bis Ende 2011 zwischen 168 und 255 Euro, sind diese nach der neuen Gebührenordnung auf 217 bis 330 Euro gestiegen, rechnet Stiftung Warentest vor. Da die Kassen nur einen Festzuschuss zur Regelversorgung leisten, bleibt der Patient ohne eine gute Zahnzusatzversicherung auf den zum Teil horrenden Kosten sitzen. "Mit einer Versicherung muss der Patient im Idealfall dann privat gar nichts mehr bezahlen", sagte Rohde.
Prinzipiell können Patienten zwischen zwei Formen von Zusatzversicherung wählen: Die eine funktioniert nach Art einer Lebensversicherung und kalkuliert das zunehmende Risiko. Ein Teil des Beitrags wird dabei gleich als Altersrückstellung beiseitegelegt; altersbedingte Beitragssteigerungen kommen auf den Versicherten nicht mehr zu. Die andere Form arbeitet nach Art einer Schadenversicherung und berücksichtigt das Altersrisiko bei Abschluss nicht. Deshalb steigt der Beitrag mit zunehmendem Alter planmäßig in Stufen an. "Kostensteigerungen im Gesundheitswesen können jedoch bei beiden Tarifvarianten zu nachträglichen Beitragserhöhungen führen", sagt Rohde. Eine Empfehlung für die eine oder andere Variante gebe es nicht.
Vor dem Abschluss einer Police sollten Verbraucher genau prüfen, wofür die Versicherung tatsächlich einspringt und in welcher Höhe die Leistungen übernommen werden. Viele Versicherungen deckeln ihre Leistungen in den ersten Jahren. Einige legen von vornherein eine jährliche Höchsterstattung fest oder eine Anzahl an teurem Zahnersatz wie Implantate, Kronen oder Inlays. "Wer bereits eine Versicherung hat, sollte auch überprüfen, ob die Leistungen ausreichen. Ältere Tarife leisten manchmal deutlich weniger als die neuen Angebote der Versicherer", heißt es im aktuellen Test. Auch ein Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens komme in Betracht.
Allen Tarifen gemein ist: Wer heute eine Versicherung abschließt, kann sie erst 2013 in Anspruch nehmen, denn alle Anbieter haben eine Wartezeit von mindestens acht Monaten vor der ersten Leistung. Und: Die Versicherung kommt nicht für Probleme auf, die bereits beim Abschluss des Vertrags bekannt sind. Wer Zahnweh in der Wartezeit bekommt, kann für die Behandlung nicht auf die Versicherung zählen. Ehrlichkeit ist geboten: Verschweigt der Kunde eine Zahnerkrankung oder anstehende Behandlung, kann der Versicherer später vom Vertrag zurücktreten und muss nicht bezahlen.
"Verbraucher sollten sich auch nicht von hohen Prozentwerten blenden lassen, mit deren Erstattung die Versicherer werben", warnt Versicherungsexperte Rohde. Denn oft sei die Basis, auf der die Werte zustande kommen, sehr unterschiedlich. Im Test wird schnell klar: Die Erstattung beispielsweise für ein Implantat kann zwischen null und 2300 Euro liegen. Der genaue Blick in die Ergebnisse lohnt sich, betont Rohde: "Wer selbst vergleicht, verirrt sich schnell im Dickicht von Ausschlussklauseln und Sonderregelungen."



















