Style Diary
Promis, bleibt bei euren Leisten!
Ob Musiker, Tennisspieler oder Model – allesamt machen jetzt auf Modedesigner. Das muss doch nicht unbedingt sein, finden die Trendscouts von "The Corner". Schließlich versucht sich Giorgio Armani ja auch nicht als Rapper. Noch nicht.
Von Emmanuel de Bayser und Josef R. Voelk
Jetzt also noch Boris Becker. "Der 39-jährige ehemalige Tennis-Star will sich künftig verstärkt im Bereich Freizeitmode engagieren", konnte man dieser Tage lesen. Heißt: Von nun an gibt es "Boris Becker Sports". Das Logo dazu: Ein aufschlagender Spieler.
Die Nachricht passt zu Wochen voller Promimodemeldungen. Madonna, Kylie Minogue, Kate Moss, Lily Allen – allesamt haben sie ihre Modeprodukte vorgeführt. Wahrscheinlich geht es inzwischen schneller, alle Promis aufzuzählen, die keine Mode machen. Denn auch wenn man nur ganz kurz nachdenkt, fallen einem sofort unzählige ein.
Da wären in erster Linie die singenden und rappenden Modemacher wie Gwen Stefani, Jennifer Lopez, Russell Simmons und Anastacia. Im weitesten Sinne zählen hier wohl auch noch Victoria Beckham (sang mal) und Paris Hilton hinzu (singt im Nebenjob).
Natürlich ist es das Recht eines jeden, mit seinem Namen maximal viel Geld zu verdienen, gerade in Zeiten wie diesen, da der CD-Verkauf nicht mehr richtig läuft. So verdient P. Diddy sich mit seinem Label Sean Combs gleich mehrere Millionen hinzu, auch Lopez Kollektion soll vor allem dank des Parfums richtig Geld bringen.
Nachhilfe für Paris Hilton
Aber gerade angesichts von Promis wie Paris Hilton kann man auf die Idee kommen, dass sie vom Singen deutlich mehr versteht als von Mode. 2006 hat sie Modedesigner Richard Blackwell immerhin schon mal zur am schlechtesten angezogenen Frau gewählt. Und auf der Uhrenmesse Basel wusste sie nicht mal, wie die Uhr heißt, die nun unter ihrem Namen verkauft wird. Gut, dass ein Marketingmann da war, der ihr "Paris Hilton Four" zuflüstern konnte.
Von wegen der Promi designt mit, wie der Kunde doch glauben soll. H&M wird nicht müde zu erklären, wie Madonna oder Kylie Minogue sich in die Kollektionen mit eingebracht haben. Doch gerade Vorbilder brauchen normalerweise Beratung, deshalb gibt es ja mächtige Stylistinnen wie Rachel Zoe, Patricia Field oder L'Wren Scott. Und genau deshalb sieht man die Stars normalerweise nicht in H&M auf dem roten Teppich und nur höchst selten in ihren eigenen Entwürfen.
Designen ist eine Kunst – und eigentlich sollten die Designer sich mächtig ärgern, dass jetzt jeder so tut, als könnte man das eben nebenbei mal lernen. Vielleicht sollten sie es mal mit einer Gegenkampagne versuchen. Dann müsste Giorgio Armani einfach mal ein bisschen rappen, Wolfgang Joop in den Centercourt steigen und Vivienne Westwood als Hotelerbin auftreten. Fehlen nur noch ein paar coole Logos. Nun ja. Wäre eine Idee.
Sie wollen doch dringend Promi-Mode tragen? Tut uns Leid. Normalerweise stehen hier fünf Style-Tipps. Dieses Mal haben wir nur einen. Lassen Sie es sein! Sonst sehen Sie doch nur aus wie eine schlechte Kopie!
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