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01.08.08

Ostalgie

Protest gegen "Stasi-Kneipe" in Berlin

"Zur Firma" heißt eine Kneipe in Berlin, die sich der Stasi verschrieben hat. In der Gaststätte kann man sich als "Inoffizieller Mitarbeiter" bewerben und es gibt Akten und Devotionalien des Staatssicherheits-Dienstes sowie natürlich viele DDR-Produkte – doch nicht alle finden die Gastro-Idee witzig.

© DPA
"Stasi-Kneipe" im Osten Berlins eröffnet

Die Ostalgie-Welle rollt immer noch. In Lichtenberg gibt es jetzt sogar eine Kneipe mit Stasi-Motto. Ein Restaurant an der Normannenstraße, wo zu DDR-Zeiten das berüchtigte Ministerium für Staatssicherheit seine Zentrale hatte, heißt "Zur Firma". Serviert wird ostdeutsche Küche wie Soljanka.

Zur Dekoration gehören geschredderte Stasi-Akten, das Stasi-Logo und außen eine Überwachungskamera-Attrappe. Kneipier Willi Gau sagt: "Wir wollen mit diesem Thema auch provozieren." Das Ganze sei kein Scherz, sondern "satirischer Ernst".


Selbst als "Inoffizieller Mitarbeiter" (IM) kann man sich in dem Restaurant "bewerben", auch eine "Honecker-Urne" findet sich dort. Gau, 60 Jahre alt und "Ossi", räumt ein, bereits Gäste gehabt zu haben, "die das Stasi-Thema geschmacklos fanden". Die Resonanz ist aber nach seinen Angaben überwiegend positiv.

Gau und sein Kompagnon Wolle Schmelz (53, "Wessi") wollen mit der Kneipe zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im kommenden Jahr vor allem in- und ausländische Touristen anlocken. War Gau selbst bei der DDR-Geheimpolizei? "Nein, um Gottes willen", sagt er.


Berlins CDU-Generalsekretär Frank Henkel sagte gestern der Berliner Morgenpost: "Mit dieser Kneipenidee soll eine verbrecherische Diktatur zur Popkultur und Erlebnisgastronomie verklärt werden." Es werde bewusst auf Provokation gesetzt, um Kasse zu machen. "Das Ganze finde ich geschmacklos", so Henkel.

Lichtenbergs Wirtschaftsstadtrat Andreas Prüfer (Linke) fiel aus allen Wolken: "Wo soll die sein, ich kenne diese Kneipe nicht." Damit wolle sich wohl jemand sarkastisch lustig über eine Diktatur machen, vermutet er. Wenn das so sei, wäre dies in Ordnung, denn auch das könne eine angemessene Form der Auseinandersetzung sein.

Quelle: rg/dpa
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