28.09.11

Kein Statussymbol mehr

Schatz, versteck den Fernseher, die Gäste kommen!

Es war einmal ein Statussymbol der Moderne: das TV-Regal im Wohnzimmer. Doch inzwischen wollen viele den Fernseher nicht mehr auf dem Präsentierteller haben.

Ein Druck oder ein Ruck genügt, und das große TV-Gerät verschwindet in einer Kommode oder hinter einer Schrankwand. Zurück bleibt ein Wohnzimmer ohne sein gewohntes Statussymbol. Der Fernseher ist nicht mehr der Mittelpunkt, der er einst im Raum war. Das meint zumindest Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Bayern. "Jetzt gehört ein Flachbildschirm zur Normalität im Wohnzimmer, fast jeder hat einen Zuhause. Deshalb muss ich ihn auch nicht mehr besonders herausstellen." Das wurde auf den Möbelmessen in diesem Jahr klar: Es waren Lösungen gesucht, die Geräte auf Knopfdruck schnell und einfach verstecken.

Was ist passiert? In den 60er- und 70er-Jahren war der Fernseher ein Statussymbol. "Damals war das ganze Wohnzimmer auf den Fernseher ausgerichtet, alle Möbel zeigten in diese Richtung", berichtet Ursula Geismann, Möbelexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Aber irgendwann hatte jeder eines – erst ein dickes, klobiges Gerät in der TV-Regalwand stehen, später ein flacheres und schickeres Gerät wie ein Bild an der Wand hängen.

Als sich fast jeder die großen, ausladenden Geräte leisten konnte, setzte eine Wende ein, erläutert Gabriela Kaiser. "Heute soll das Zuhause ein Rückzugsort sein, hier will man Stress abbauen. Wer den ganzen Tag unterwegs ist, schaltet den Fernseher nur noch bewusst ein - wenn man etwa nur die Nachrichten oder einen Film sehen will." Aber dies sei nicht überall so: Bei manchen Arbeitslosen flimmere das TV-Gerät den ganzen Tag und zu allem, beim Kochen oder beim Bügeln.

Zwischen diesen Gruppen drifteten neuerdings die Wünsche an die Einrichtung auseinander: Die einen möchten ihren Fernseher und die Technik weiterhin möglichst präsent im Raum und immer parat haben. Die anderen – und das sei ein großer Trend – wählten hingegen verstärkt Einrichtungslösungen, die den Fernseher nur bei Bedarf schnell und einfach zum Vorschein bringen.

Das geht auf verschiedene Weisen: Gruber+Schlager oder Tvilum verstecken den Fernseher hinter einer Schiebetür einer offenen Regalwand. Die Tür wird bei Bedarf einfach zur Seite geschoben. Andere Anbieter setzen auf Einzelmöbel, die als Hingucker im Raum stehen. Schnepel versenkt etwa darin das TV-Gerät per Knopfdruck. "Das Möbelstück ist dann wichtiger als die Technik – es muss stilvoll sein", beschreibt das Kaiser.

Eine weitere Einrichtungsidee ist so reduziert, dass das Möbelstück den großen Fernseher nicht noch mehr in den Fokus rückt: Das TV-Möbel des Unternehmens Hohrizontal 51 ist nur ein fünf Zentimeter dickes Regalbrett. Der Fernseher wird darüber an die Wand montiert und über USB an das Regal angeschlossen. Das war's – weitere Technik, etwa Lautsprecher und Kabel, ist in dem Brett integriert.

Die derzeit noch am häufigsten gesehene Variante ist aber eine Schrankwand mit sichtbarem TV. Allerdings hat das Gerät seine dominante Stellung in den Regalen verloren: Wie etwa bei Hülsta zu sehen ist, wirkt er wie ein Bild in einer Komposition aus mehreren Einzelelementen, die durch Farbe und Stil Aufmerksamkeit erzeugen. Oder er fügt sich unauffällig in das Gesamtbild ein. Es sollte auf jeden Fall nicht klobig wirken, rät Kaiser für den Kauf.

Aber das findet man eh kaum noch: Der technische Fortschritt hat der TV-Wand zu einer lockeren, reduzierteren Optik verholfen. "Früher waren die Regale tief, weil der Fernseher breit war. Heute können sie schmaler und flexibler sein", erläutert Möbelexpertin Geismann. Oder der Fernseher hängt an der Wand, im Regal steht dafür Deko.

Heute werden Fernseher und TV-Wand zueinander passend ausgesucht: Peter Knaak von der Stiftung Warentest betont allerdings, noch eine Komponente einzubeziehen: Der Fernseher dürfe auch nur so groß sein, dass sein Bild gut an der Couch ankommt.

"Ein Fernsehbild, auch noch bei den modernen Flachbildschirmen, ist aus einzelnen Bildpunkten aufgebaut. Sitz man zu dicht davor, sieht man nur noch Punkte und kein ganzes Bild", erläutert der Experte für Unterhaltungselektronik.

Die Faustregel lautet: Der Abstand von Fernseher und TV-Wand zum Sofa sollte sechsmal die Bildhöhe des Gerätes haben. "Aber eigentlich kann man ein ganzes Stück naher ran, etwa dreimal die Bildhöhe – je nach Sehstärke oder -schwäche natürlich", sagt Knaak.

Allerdings sollte man dem Verkäufer auch berichten, welche Signalstärke man zu Hause empfängt: Die genannten Abstände gelten für Empfänger von HDTV oder Blu-ray-DVDs. Die meisten Verbraucher hätten aber noch einen analogen Kabelanschluss – "dann ist sogar ein Abstand von sechsmal die Bildhöhe zu nah", sagt Knaak.

Quelle: mit dpa
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