Eheliches Vergnügen
Jüdischer Online-Shop verkauft koschere Sextoys
Dildos, Plüsch-Handschellen & Co: Eine US-Internetseite bietet Sexspielzeug für strenggläubige Juden an. Die Produkte unterliegen dem Reinheitsgebot.
Von Michael Borgstede
Die Ware wird ohne obszöne Bilder dargestellt. Und auch ohne Namen, die zu anrüchig sind.
Orthodoxe Juden haben eine ganze Menge Regeln zu beachten. 613 sind es genau. Diese Gebote ordnen das Leben eines strenggläubigen Juden vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Sie regeln, welche Nahrungsmittel, Gegenstände, Handlungen oder auch Personen koscher , also rein und damit erlaubt sind. Und sie bestimmen auch, was verboten ist. Schweinefleisch zum Beispiel ist tabu. Aber wie ist das mit Sexspielzeug?
Ein orthodoxer Jude hat nun einen koscheren Online-Shop eröffnet, der es religiösen Paaren ermöglichen soll, "ihr Intimleben zu bereichern", wie die "New York Post" den Betreiber namens Gabriel zitiert. Das Projekt sei demnach aufgrund des Eigenbedarfs entstanden. Gabriel und seine Frau seien neugierig gewesen, ob sich mit einschlägigem Zubehör das eheliche Vergnügen vielleicht noch steigern lasse, sagt der 25-Jährige. "Es ist nicht verkehrt, einen Vibrator zu benutzen, es ist für einen orthodoxen Juden nur eine Plage, überhaupt einen zu finden."
Verbalgymnastik in der Beschreibung
Tatsächlich sei dabei nicht das Produkt das Problem, sondern dessen Präsentation: Denn der Anblick unzüchtiger Darstellungen ist orthodoxen Juden ebenso verboten wie die Lektüre des einschlägigen Vokabulars. Das geht so weit, dass orthodoxe Zeitungen keine Fotos von Politikerinnen abdrucken, obwohl sie vollständig bekleidet sind.
Die Seite KosherSexToys.net verzichtet dann auch auf alle dekorativen Elemente und kommt in schlichtem Schwarz-Weiß daher. Zu sehen sind ausschließlich die "Spielsachen". Die Waren werden auch ohne Verpackungen verschickt – und zwar nicht nur, weil diese ihr Versprechen so gut wie nie einhalten. Sondern auch weil die Herstellernamen und offiziellen Bezeichnungen der Produkte üblicherweise sehr unmissverständlich sind.
Wenn ein Produkt oder seine Funktionsweise erläutert werden müssten, dann in "distanzierter und sauberer Sprache", sagt Gabriel. Allerdings ist bisweilen erstaunliche Verbalgymnastik notwendig, um den jüdischen Reinheitsanforderungen Genüge zu tun.
Was soll man von folgender Beschreibung halten: "Ein vibrierender Stimulator mit einem langen, mit Perlen besetzten Schaft zur besonderen Stimulation und eine Erweiterung zur Stimulierung von Körperteilen, die nicht durch das Eindringen des Hauptschaftes erreicht werden”. Hä? Vermutlich handelt es sich bei dem nicht erreichbaren Körperteil um die Klitoris, aber das wäre natürlich wieder ein verbotenes Wort.
Angebot nur für Verheiratete
Trotzdem scheint das Geschäft mit dem Sexspielzeug ganz gut zu laufen. Ein Bestseller seien die Flauschhandschellen sein, sagt der Betreiber. Das könnte allerdings noch einen anderen Grund haben. Zwar ist der Preisvergleich aufgrund fehlender Produktbezeichnungen nicht ganz einfach, in den Weiten des Internets haben sich aber längst Blogger gefunden, die keine Mühe gescheut haben und zu dem Schluss gekommen sind, dass KosherSexToys.net sich preislich nicht nur für orthodoxe Juden lohnt.
Offiziell ist das Angebot natürlich nur für "offensichtlich verheiratete Paare" bestimmt, schreibt der Betreiber. Bald sollen übrigens auf der Seite auch Dessous angeboten werden, berichtet die "New York Post" weiter. Jedenfalls sobald Gabriel einen Weg gefunden hat, sexy Höschen und Strapse ohne Modellpuppen auszustellen.
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