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29.12.10

Mode

Dick und schick – wie sich echte Vollweiber kleiden

Supermodel Tyra Banks castet das schönste mollige Modell im TV, und Jean-Paul Gaultier lässt Beth Ditto über den Laufsteg stolzieren. Frauen in XXL-Größe werden trendy.

MAXPPP/MAXPPP /picture alliance/DPA

Sie wiegt rund 100 Kilo bei 1,57 Meter Körpergröße – Beth Ditto.

10 Bilder

Beth Ditto, Sängerin der Band "Gossip", ist bekannt dafür, ihre Kurven schrill in Szene zu setzen. Spätestens seitdem die schwergewichtige Zeitgeist-Ikone im Februar 2009 auf dem Cover des angesagten "Love"-Magazins nackt posierte, stellt sie die Modewelt auf den Kopf. Modezar Karl Lagerfeld schneiderte schon für sie, Jean Paul Gaultier und Stella McCartney sind bekennende Beth-Ditto-Fans. Die erfolgreiche Sängerin genügt keinem Schönheitsideal, trägt Klamotten, die ihr eigentlich drei Nummern zu klein sind und gilt trotzdem oder gerade deshalb als chic.

Man könnte meinen, Ditto sorgt für einen Ruck in der Fashion-Branche. Von einem Wandel sei man jedoch noch weit entfernt, urteilt Ulrike Andersch. Die Mode-Designerin aus Nerchau bei Leipzig schneidert schon seit vielen Jahren Kleidung für XL- und XXL-Frauen. "Die Designer haben sich noch lange nicht auf dicke Frauen eingestellt", sagt sie. "Viele Labels machen keine eigene XXL-Mode, sondern ziehen die Größen einfach nur auf". Doch aus einer 36 lasse sich nicht ohne weiteres eine 52 machen.

"Die Proportionen sind bei den molligen Frauen ganz anders. Zieht man die Konfektionsgrößen einfach nur auf, dann stimmt der Schnitt nicht mehr", erklärt die Designerin. Frauen, die so selbstbewusst wie Beth Ditto ihre Pfunde zur Schau stellen und sich auch in Kleider trauen, die nicht für sie gemacht scheinen, sind selten. "Nicht jede Frau, die dick ist, ist Beth Ditto", sagt Martina Glomb, Professorin für Modedesign an der Fachhochschule Hannover. Solche Frauen seien extreme Beispiele, die es immer gegeben hat und immer geben wird.

"Das macht XXL-Mode jedoch nicht automatisch zum Trend", erklärt Glomb. Jean Paul Gaultier zum Beispiel habe schon seit eh und je große Größen auf den Laufsteg gebracht. "Er hat immer ein breites Spektrum von Frauen gezeigt und ist in dieser Hinsicht wirklich vorbildlich gewesen", sagt Glomb. Sie ist vielmehr der Auffassung, dass Beth Ditto ein gutes Marketing-Instrument ist und die Modefirmen eine neue, zahlungskräftige Zielgruppe erkannt haben: "Auch dicke Frauen möchten schön aussehen." Es wäre also fatal, diese Zielgruppe nicht zu beachten.

Daher also die Plus-Size-Modells auf den Laufstegen? "Ein Schritt in die richtige Richtung", findet Andersch. Allerdings betont sie auch: "Plus-Size-Models sind keine XXL-Modells". Konfektionsgröße 48/50 gilt als XL, 52/54 ist mit XXL gleichzusetzen.

Die Plus-Size-Modells, von denen es einige sogar schon zu Star-Status geschafft haben, tragen höchstens Größe 42. "Dabei wird immer mehr Mode in großen Größen verlangt", hat Andersch beobachtet. Ihre Kundinnen möchten sich nicht mehr verhüllen: "Der Lagenlook ist einfach nicht mehr aktuell."

Auch die Mode-Beraterin und "Personal Shopperin" Simone Piskol aus Heidenau nahe Dresden rät molligen Frauen von "sackartigen Kleidungsstücken" ab. "Es ist ein Trugschluss, ein weites Oberteil anzuziehen. Das lässt einen noch lange nicht schlank aussehen", sagt Glomb. "Die Tendenz geht zur fraulichen Figur", ergänzt Piskol. Daher sei es auch Damen in großen Größen erlaubt, die eine oder andere Kurve gekonnt in Szene zu setzen. Dies hänge jedoch stets von den Proportionen ab. "Wer keine Taille hat, der sollte diese auch nicht betonen", rät die Expertin. Von starken Materialien und Längsstreifen sollten kurvenreiche Frauen die Finger lassen. "Gut eignen sich fließende Stoffe." Vorteilhaft sehen außerdem lange Ketten und Schals aus.

Von der aktuellen, geraden Bleistift-Silhouette rät Andersch dagegen ab. "Molligere Damen sollten sich in A-Silhouette kleiden", sagt sie. Das heißt: Schmale Schultern, unten breiter werden. Dazu passen Stiefel und knielange Röcke. Auch Tuniken und Shirts in A-Form über einer schmalen Hose, zum Beispiel mit Steg, zaubern optisch ein paar Pfunde weg. Wichtig ist: Lange Oberteile niemals an der voluminösesten Stelle des Körpers enden lassen, denn diese wird dadurch nur betont. Auch mit Drapierungen und knalligen Farben lässt sich vom einen oder anderen Röllchen gekonnt ablenken. Nicht jede Frau muss es ja Beth Ditto gleich tun. Vielleicht trägt eine Ikone wie sie jedoch irgendwann zum Umdenken bei.

Quelle: dpa
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