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28.05.10

Schwarzes Gold

Kaffee – minimales Getränk für maximalen Genuss

Kaffee ist mehr als ein wohlschmeckender Wachmacher. Eine Hymne auf ein Getränk, dessen Zubereitung als Kunst gehandelt wird.

picture-alliance/ obs/Luigi_Lavazza_Deutschland_GmbH

Seit vielen Jahren hat das italienische Kaffeehaus Lavazza ein System mit Plastikkapseln in seinem Sortiment. Sieben verschiedene Arten Espresso und acht unterschiedliche Teesorten können in der Maschine "Lavazza Blue" zubereitet werden. Um 400 Euro.

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Er gehört einfach dazu. Ist zum festen Bestandteil unseres mobilen Lebens geworden. Wie das iPhone mitsamt Facebook-App. Der Latte to go ist ein Accessoire der Moderne – ein hippes Heißgetränk mit der Kalorienzahl einer kleinen Mahlzeit. Einen halben Liter Espresso-Milch-Mix trinken wir mal eben so im Vorbeigehen. Eine Menge, die etwa einem Kännchen entspricht. Das kennen wir nur noch von früher, aus dem Ausflugscafé.

Heute heißt das Café "Coffeeshop" und die Order eines simplen Kaffees würde von dem Barista nur müde belächelt werden. Zudem eine Reihe von Fragen nach sich ziehen: "Low fat" oder mit Sojamilch? "Tall" oder "Grande"? "Flavoured" und mit "Double shot"? Irritiert ist davon mittlerweile keiner mehr. Was haben wir schließlich gekämpft für diesen American Way of Life. Pappbecher to go, Decaf, Frappuccino, das klingt so schön modern. So global. Endlich haben auch wir Deutschen mehr zu bieten, als simplen Filterkaffee. Müssen uns nicht mehr vor den Franzosen mit ihrem wohlklingenden Café au lait verstecken oder die Italiener um Espresso und Latte macchiato beneiden. Wir sind zum Kaffee-Kosmos zusammengewachsen. Eine Art europäische Melange.

Der innigen Beziehung der Deutschen zum schwarzen Getränk tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Seit 1975 nimmt Kaffee den Platz des beliebtesten Getränks ein. Etwa 146 Liter im Jahr, vier Tassen pro Tag, schlürfen wir davon. Es ist ein Anker, der den Tag rahmt, beschreibt es Ricus Aschemann. Der 46-Jährige betreibt in Hannover das Café Panama mit zwei Filialen und einer angeschlossenen Rösterei. Begonnen hat er 1999, als die große Kaffee-Welle aus den USA gerade zu uns herüberschwappte. Starbucks war damals noch kein Synonym für den koffeinhaltigen to-go-Genuss. Ricus Aschemann setzte trotzdem auf die Innovation, die schließlich zum bis heute andauernden Boom wurde.

Begleitet hat ihn der Kaffee aber bereits früher. Als Jugendlicher jobbte er in einer Bar. "Damals gab es allerdings nur Filterkaffee", erinnert er sich. Neben seiner Passion für schwarze Bohnen liebte er es, zu fotografieren und arbeitete einige Zeit als freier Fotograf. Er reiste nach Paris und Berlin, raus aus Hannover, hinein in die Welt, wie er sagt. Den Nebenjob als Barista behielt er. Schließlich musste Ricus Aschemann feststellen, dass er besser Espresso zubereitet als Häuserfassaden ablichtet. "Beiden Dingen gehört meine Leidenschaft", sagt er. "Wobei die Fotografie eher mit leiden zu tun hat."

Erfolge dagegen feiert er mit seiner Kaffee-Kunst. Dabei ist er ein Autodidakt. Einer, der stetig dazu lernt. "Wer kochen kann, beherrscht es auch, Kaffee zu rösten." Täglich beginnt er den Tag mit einer Schale "Café à la française", wie er es nennt. Mit all dem Soja- und Low-Fat-Gehabe kann Aschemann selbst nicht viel anfangen, verurteilt es aber nicht. Zum einen sind diese Lifestyle-Getränke ein wichtiger Teil seines Geschäfts, zum anderen ist er froh, dass Kaffee dadurch in unsere moderne Alltagskultur gefunden hat.

Es ist ein Getränk, das wie kein zweites die Sinne der Menschen aktiviert. Für Ricus Aschemann ein Grund für die Beliebtheit des Kaffees. Was früher den Literaten und Gelehrten das Kaffeehaus, in denen sie über die Weltlage philosophierten, ist heute der Coffeeshop. Hier sitzt man mit seinem Laptop, sinniert über ein nächstes Buch oder andere Projekte. Die Kommunikation findet virtuell über soziale Netzwerke statt. So sitzen sie gesellig – und doch jeder für sich allein.

Nach dem Besonderen habe er gesucht, sagt Ricus Aschemann. Seinen eigenen Kaffee, die ganz spezielle Röstung wollte er kreieren. Mit seinem Anspruch ist er nicht allein. Der Trend geht zur Individualität - das gilt auch für Kaffee. Edle Lagenkaffees sind gefragt. Statt der Marke spielen Herkunftsland und Röstung von beliebten Sorten wie Arabica und Robusta eine Rolle. Das Sortiment von kleineren Röstereien reicht von der Hausmischung bis hin zu Luxussorten wie Kopi Luwak.

1200 Euro kostet ein Kilogramm der anfermentierten Bohnen, die aus dem Kot einer indonesischen Schleichkatze gelesen werden. Klingt eher nach Gosse als nach Glamour, findet aber weltweit seine Abnehmer. Wie oft im Leben gilt aber auch beim Kaffe: Teuer ist nicht gleich gut. Der Geschmack ist unter anderem davon abhängig, wie schnell das Wasser in der Maschine durch den gemahlenen Kaffee sickert. Das Aroma muss sich entfalten können.

Mag die einzelne Bohne bereits Kaffee-Gourmets faszinieren, so bleibt das Schönste doch der Duft. Es gebe diesen einen Moment, beschreibt es Ricus Aschemann, "da schleicht sich bei der Röstung ein Aroma von Karamell in die Nase." Und grüner, also roher Kaffee, duftet wie eine frisch gemähte Wiese.

Natürlich, ohne Schnörkel, ist für Ricus Aschemann auch die Zukunft des Kaffees. "Der Trend nach all dem 'to go' geht auf jeden Fall zurück zur klassischen Tasse Kaffee", sagt er. Bewusst gebrüht und schwarz getrunken. Bio könne er sein, wichtiger jedoch ist die Qualität. Letztlich geht also nichts über den guten, alten Filterkaffee. Der hat sich weiterentwickelt, ist gereift. Und so ist es vorstellbar, bald wieder das Kännchen serviert zu bekommen. Aber nur draußen.

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