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19.05.10

Männerblog "Dandy Diary"

David Roth ist das Enfant terrible der Modeblogger

Der Berliner David Roth entdeckte im Jahr 2009 eine Marktlücke und gründete "Dandy Diary", ein deutschsprachiges Modeblog für Männer. Seitdem glänzt die Seite mit aufwändig produzierten Modestrecken – und mit provokanten Szenen, die nicht selten die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten.

Juan Naharro Gimenez/Getty Images/Getty Images Europe

Er ist der Pionier des Streetstyles: Scott Schuman. Er lichtet Menschen auf den Straßen ab und ist mit "The Sartorialist " der wichtigste Modeblogger der Welt. Doch mittlerweile muss er sich sein Jagdrevier mit unzähligen Bloggern teilen.

6 Bilder

Eine Pornoseite war der Auslöser. Als David Kurt Karl Roth im Internet nach einem Modeblog für Männer sucht, findet er nur Sexseiten für Schwule. "Ich wollte etwas gegen diesen Missstand tun", sagt der 26-Jährige. Deshalb gründet er 2009 Dandy Diary , einen deutschsprachigen Männer-Modeblog. "Immer mehr Jungs interessieren sich für Mode", sagt Roth mit tiefer kratziger Stimme und zwirbelt an seiner Halskette aus Haarbüscheln herum. Aber auch Frauen, die auf der Suche nach Information, Inspiration oder Amüsement sind, zählt er zur Zielgruppe.

Unterscheidungsmerkmal zu herkömmlichen Modeblogs seien aufwändig produzierte Modestrecken. "Die Fotografin Kaja Smith ist eine Sandkastenfreundin, mit der ich seit einem halben Jahr zusammenarbeite", berichtet Roth. Auch andere Bekannte arbeiten mittlerweile als Autoren oder Fotografen an Dandy Diary mit. Doch David Roth ist und bleibt der Kopf des Blogs. "Ich bin narzisstisch veranlagt", gibt er zu. Und so ist sein Gesicht ständig auf der Seite zu sehen – sowie Roths Tätowierung. "Glückselig" steht in Schreibschrift auf seiner Brust. "Eine klassische Jugendsünde. Hab' ich mir mit 15 im Ecstasy-Rausch stechen lassen", erzählt er. Tausend Glückshormone hätten seinen Körper durchströmt, während er ein Tattoo-Motiv aussuchen sollte. Weil die Tätowierung ein wichtiger Teil von ihm sei, komme sie auch bei Dandy Diary immer wieder in Form von Foto und Grafik vor. "Natürlich ganz unbewusst", merkt er ironisch an.

Ganz bewusst will David Roth provozieren. "Richtig eingesetzt, ist Provokation ein gutes Mittel, um zu polarisieren", findet er. Wenn Roth provoziert, sieht das so aus: Kopfüber hängt er sich an eine Metallstange. Inmitten von unzähligen toten Schweinen baumelt er hin und her. Die Bäuche der Tiere sind aufgeschlitzt. Blut tropft auf den Boden. "Die Aussage ist: Es gibt keine Aussage", erklärt Roth diese Fotostrecke. Es gehe nicht um Tiefsinn, nicht um Intellektualität. Dandy Diary sei schlicht ein Modeblog. Und so übt David Roth immer wieder Stilkritik. "Ich will deutlich formulieren, was geht und was nicht geht", sagt der Modejournalist. Das gäbe es nämlich viel zu selten in der Blogosphäre.

Modisches Muss für Männer seien in diesem Sommer umgekrempelte Shorts, empfiehlt David Roth. Dazu ein transparentes Shirt und Doc Martens. "Zum reinkotzen finde ich Jutebeutel. Richtig beschissen sind tief ausgeschnittene V-Necks." So zeigt er in der Kategorie "Modische Fauxpas" Bilder, in denen er seine Abneigung explizit zeigt. Roth liegt auf dem Boden und ein anderer Mann mit nacktem Hintern hockt über ihm. "Ob kotzen, kacken oder pissen, eine extreme Abneigung erfordert extreme Darstellungen", sagt Roth.

Seine Mutter sei nicht sehr begeistert von Bildern, auf denen ihrem Sohn ins Gesicht uriniert wird. Doch sie toleriere diese Darstellungsformen. Und mehr noch. Roths Mutter verfolgt den Blog nicht nur, sie beteiligt sich aktiv. Für Interviews, wie dem mit Berghain-Türsteher Sven Marquardt, zeichnet sie Illustrationen. "Damit sorgt sie für optische Highlights" sagt David Roth stolz. Und letztlich dafür, dass der Blog nicht mit einer "Gayporn-Seite" verwechselt wird.

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