Farne
Die Urpflanzen verzaubern Gärten
Ein Farn ist mehr als nur ein Lückenfüller für die schattigen Ecken im Garten: Er ist dekorativ und abwechslungsreich, seine Wedel leuchten zartgrün bis rot. Und manche Menschen sagen ihm sogar magische Kräfte nach. Auf jeden Fall kann er dem Garten einen neuen Zauber verleihen.
Von Christa Hasselhorst
Dies ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine der magischsten Pflanzen überhaupt: den Farn. Er ist zwar eine Schattenpflanze, das heißt, er meidet die direkte Sonne. Aber - dieses Bonmot muss erlaubt sein - dass er ein Schattendasein führt, ist absolut unverständlich. Viel zu oft wird er nach dem Motto "Was soll ich sonst in diese Ecke pflanzen?" lieblos in die dunklen Winkel des Gartens gestopft.
Dabei ist er eine solch dekorative Schönheit! Die fragil wirkenden Wedel, so heißen seine Blätter, changieren in allen Grünschattierungen bis hin zu Silbermetallic, Kupfer- oder Honigbraun und Rot. Wer einmal die Vielfalt und Schönheit der Farne entdeckt hat, wird schnell zum Liebhaber.
Die erste Pteridomanie (Farne = Pteridopsida) grassierte im viktorianischen England, und heute verfallen ihr aufs Neue immer mehr Menschen. Der US-Neurologe Oliver Sacks hat dies vor ein paar Jahren sehr amüsant in seinem Reisetagebuch "Die feine New Yorker Farngesellschaft" beschrieben.
In dem Buch geht es um die Expedition einer kleinen Gruppe Farn-Fans nach Mexiko. Im mexikanischen Oaxaca wachsen über 600 Farnarten, das Dorado ist jedoch Costa Rica mit 1200 Arten. Farne gedeihen auf der ganzen Welt, es gibt ungefähr 12.000 bekannte Arten, 30 davon halten sich sogar tapfer in Grönland.
Sie haben also eine schier unbegrenzte Auswahl an Farnarten für Ihren Garten. Falls Sie sich nicht entscheiden können, suchen Sie sich doch einfach den Farn mit dem schönsten Namen aus. Denn die sind meist genauso spektakulär wie die Pflanze selbst. Der Königsfarn beispielsweise macht seinem Namen alle Ehre: Majestätisch streckt er seine Wedel gen Himmel und erreicht Höhen von bis zu 1,20 Meter. Er wird üppig, ist aber langsam im Wuchs und weiß ein wenig Sonne durchaus zu schätzen. Als dekorative Nachbarn dieser Hoheit eignen sich die Elfenblume, Schaumblüte oder Silberkerze.
Farne bringen in unsere Gärten ein Stück geradezu ergreifend unbegreifliche Urwelt. Denn sie sind die vitalen Überlebenden des Karbons, eines Erdzeitalters von vor 400 Millionen Jahren. Sie bildeten damals gemeinsam mit anderen Pflanzen riesige bis zu 30 Meter hohe Wälder, die Basis für die heutigen Steinkohlevorkommen.
Das geheimnisvolle Geschlechtsleben der Farne
In manchen fossilen Funden sind Farnwedel eingraviert. Der Beweis, dass Farne um vieles älter als Samenpflanzen sind. Das Geschlechtsleben der Farne galt übrigens lange als geheimnisumwittert. Sie vermehren sich nicht über Samen oder Keimlinge, sondern durch auf der Unterseite der Wedel verborgene Sporen. Damit gehören sie zu den Pteridophyta, den Gefäßsporenpflanzen. Das wurde aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Noch im 18. Jahrhundert hatte selbst der schwedische Pflanzenforscher Carl von Linné keine Ahnung, wie der Farn sich vermehrte, und prägte dafür den Begriff "kryptogam". Aber im Grunde ist ja die Optik entscheidend, nicht die Fortpflanzung unserer Gartenpflanzen.
Der Straußenfarn zum Beispiel hat trichterförmig angeordnete Wedel und wird bis zu einem Meter hoch. Der Riesenwurmfarn erreicht Höhen von 1,50 Metern. Mit seinen attraktiv rötlich schimmernden Wedeln ist der Rotschleierfarn eine schöne Begleitpflanze zu Funkien und Riesenseggen. Eine ausgefallene Art wie der japanische Regenbogenfarn macht sich dagegen besonders gut als Miniwäldchen. Oder Sie setzen seine metallisch-silbrig glänzenden Wedel als einen markanten Kontrast zu Pflanzen mit dunklem Laub.
Der Pfauenradfarn wiederum hat sehr lange, geriffelte Wedel in einem hellen Grün. Er ist eine Augenweide für jeden Garten. Wenn ihm sein Standort behagt, wird er von Jahr zu Jahr schöner. Sollten Sie sehr langfristig planen, pflanzen Sie den Kronenfarn. Er kann sogar seinen Besitzer überleben.
Die meisten Farne haben fein gerippte Wedel, die wie feinste Lochstickerei wirken. Die graziöseste Variante ist der Tüpfelfarn, dessen winzige Wedel - er wird nur ungefähr 25 Zentimeter hoch - wie eine grüne pointillistische Miniatur wirken. Einzig der Wellenhirschzungenfarn fällt aus der Reihe mit seinen schmalen blattartigen Wedeln, deren Ränder wie von Designerhand gekräuselt sind.
Farne sind winterscheu
Farne ziehen ihre Wedel vor dem Winter ein, um sie dann im Frühjahr in nur wenigen Tagen zu entrollen. Doch mit winterharten Farnen wie dem niedrig wachsenden Streifenfarn, dem Tüpfelfarn und dem steifen Bärentatzenfarn kann man den tristen Garten auch in der kalten Jahreszeit schön aufhellen.
Auf jeden Fall pflanzen Sie mit Ihrem Farn einen Hauch Magie in den Garten. Die schönste Liaison sind Farne und die großen Kerzen des Fingerhuts - diese Paarung verleiht selbst dem langweiligsten Fleck eine Märchenaura. Schließlich verbergen sich in vielen Sagen Trolle und Elfen in den weichen Wedeln des Farns. Sogar geheimnisvolle Kräfte wurden dem "Hexenkraut" einst nachgesagt. Hildegard von Bingen schrieb, der Teufel fliehe vor dieser Pflanze, die nur in der Johannisnacht blühe. In Shakespeares Drama "Heinrich IV" wird dem Farn noch mehr zugetraut, dort heißt es: "Wir gehen unsichtbar, denn wir haben Farnsamen bekommen." Unter uns: Abgesehen davon, dass der Farn keine Samen hat, macht er gar nicht unsichtbar. Er sieht einfach nur gut aus.
Wer lange Freude an Farnen, die eigentlich Waldpflanzen sind, haben will, sollte ihnen einen halb schattigen oder schattigen, eher feuchtkühlen Standort geben. Es gibt aber auch Ausnahmen wie den Ruprechtsfarn, der an sonnigen Mauern gedeiht. Wichtig ist ein humoser Boden mit geringem pH-Wert, deshalb passt Farn gut zu Rhododendron. Gepflanzt werden kann bis in den Oktober.
Und vielleicht liegt es an seiner Hexenkraft, aber Schnecken mögen Farne überhaupt nicht.
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