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Schlapper Trend
Jogginghosen – vom "No-Go" zum letzten Schrei
Montag, 4. Januar 2010 13:55
- Von Gregor Tholl
Die Jogginghose, einst Uniform von Rappern, Kleinganoven und Fitnessstudio-Freaks, wird salonfähig: Immer mehr Designer entdecken das weite, formlose Beinkleid mit Gummizug und erklären es zum straßentauglichen Kleidungsstück. Es gibt allerdings jemanden, der diesen Trend gefährlich findet.
Die Jogginghose gewinnt an Terrain: Früher wurde sie eher von Rappern, Ganoven oder muskelbepackten Männern getragen - heute greifen auch immer mehr Stars und Sternchen zum Schlabber-Look. Sängerin Madonna läuft schon seit Jahren am liebsten in Jogginghosen durch die Straßen von New York.
Lässig: Sänger Lenny Kravitz mit seiner Tochter Zoe in New York. Immerhin beruhigend, dass auch Stars tragen in ihrer Freizeit nicht nur Designer-Jogginghosen tragen, sondern auch ganz normale Hosen bekannter Sportmarken.
Sängerin Pink ist auf der Bühne meistens in sexy Outfits zu sehen. Bei ihrem Auftritt bei der "Early Show" in New York setzte sie allerdings lieber auf Kuscheliges.
Gabor Kiraly, Torwart beim TSV 1860 München, widersetzt sich dem Trikot seines jeweiligen Vereins und trägt seit Jahren nur das Eine: graue Jogginghosen.
Auch Schauspieler Clive Owen greift zur Jogginghose: Für einen schnellen Sprung zum Kaffeeladen ist die schnell überzuziehende Hose ideal. Außerdem schützt die unauffällige Kluft vor Paparazzi. Oder auch nicht.
Hier könnte Madonna ihre Finger im Spiel gehabt haben: Der britische Schauspieler Rupert Everett, einer der besten Freunde der Sängerin, zeigt sich neuerdings ebenfalls im Sportdress in der Öffentlichkeit.
Auch das französische Label Isabel Marant zeigte für Frühjahr/Sommer 2010 eine Jogginghosen-Variation auf dem Laufsteg.
Sie ist die Uniform in Fitnessstudios und Dauergast
in Polizeimitteilungen, wenn es um die Kleidung von Tätern geht: die
Jogginghose. Jetzt ist die Schlabberhose zum hippen Kleidungsstück geworden.
Der lässige Stil – mancher sagt auch „Proll-Look“ – gewinnt an Terrain. Die
Rapper- und Hip-Hop-Szene mit Idolen wie Bushido hat die Jogginghose schon
seit längerem straßenfähig und sogar clubtauglich gemacht.
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Die Modekolumnistin Marlene Sørensen von der Zeitschrift „Maxi"
sagt: „In den letzten zehn Jahren ist die Straße zum wichtigen Laufsteg
geworden.“ Gerade junge Designer wie Alexander Wang oder Isabel Marant
fielen mit Kollektionen auf, die direkt vom Stil der Straße inspiriert
waren. „Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Designer schließlich
das Kleidungsstück herausgriffen, dass am wenigsten glamourös ist – und es
glamourös machten.“
Sørensen sagt: „Tough aussehen und es dabei trotzdem bequem haben, das passt
zu diesen harten Zeiten. Aber als direkte Reaktion auf die Krise sollte man
diesen Hosen-Trend in der Designermode nicht verstehen.
Designer-Jogginghosen kosten nämlich gerne mal mehrere hundert Euro und sind
dann aus Kaschmir oder Seidengemisch."
Wer sich Paparazzi-Fotos in Gossip-Blogs oder People-Magazinen ansieht,
bekommt selbst Stil-Ikonen wie Madonna oder Natalie Portman in Jogginghosen
zu Gesicht – die Stars tragen in ihrer Freizeit nicht nur die edlen
Designer-Versionen, sondern auch – wie Normalbürger beim sonntäglichen
Brötcheneinkauf – die Hosen bekannter Sportmarken.
“Heute sieht man Julia Roberts und Cameron Diaz ungekämmt in Jogginghosen
herumlaufen, die sehen aus wie bag ladies, wie Obdachlose, so etwas
gab es früher nicht. Früher mussten sich Schauspielerinnen in ihren
Verträgen verpflichten, wie Stars aufzutreten, wenn sie das Haus verließen“,
klagte Mode-Altmeister Valentino schon 2005 in der Wochenzeitung „Die Zeit“.
Der Vollständigkeit halber muss man allerdings sagen, dass sich der Meister
der klassischen Eleganz in einer Kollektion für das Jahr 2003 selbst einmal
der Jogginghose angenommen hatte.
Wird hier also mit zweierlei Maß gemessen? Klare Antwort: Ja. Designer
unterscheiden einen edlen und einen schäbigen Jogginghosen-Look. Der
Berliner Modemacher Michael Michalsky etwa sagte dem Berliner Magazin „030“:
„Das kann geil sein, wenn man sie mit einem Jackett und einem guten T-Shirt
kombiniert.“
Die „Süddeutsche Zeitung“ philosophierte
kürzlich allgemein über die Jogginghose, insbesondere die graue, die zum
„Klassiker des neuen Jahrtausends“ werde. In ihrem Heimatland USA sei sie
fast ein Kulturgut. Die angesagtesten Modelabels bemühten sich derzeit um
ihre Resozialisierung. Die Jogginghose – im Amerikanischen "sweatpants"
– habe sich seit den 70er Jahren immer mehr vom Sweatshirt emanzipiert.
Dass sie auch Kleinganoven-Uniform sei, hat laut „SZ“ einen einfachen Grund:
Sie sei nun mal „der beste Komplize, den man sich wünschen kann“. „Das
nachgiebige Baumwollgemisch erleichtert die Flucht über Rolltreppen,
Gartenzäune und sonstwelche Hindernisse. Dazu ist die Jogginghose leicht wie
Watte und warm wie eine Taschenheizung, Kriminalität hat ja immer
Hochsaison, auch nachts und im Winter.“
Und was sagt Karl Lagerfeld dazu? Der
Chanel-Chefdesigner findet Jogginghosen auf andere Art verbrecherisch. Der
Zeitschrift „Freundin“ sagte er: „Jogginghosen sind gefährlich.“ Warum?
„Weil sie einen Gummizug haben. Der gibt nach und dann merken Sie nicht,
wenn Sie zugenommen haben.“