Schlapper Trend
Jogginghosen – vom "No-Go" zum letzten Schrei
Mittwoch, 5. Mai 2010 17:16 - Von Gregor ThollDie Jogginghose, einst Uniform von Rappern, Kleinganoven und Fitnessstudio-Freaks, wird salonfähig: Immer mehr Designer entdecken das weite, formlose Beinkleid mit Gummizug und erklären es zum straßentauglichen Kleidungsstück. Es gibt allerdings jemanden, der diesen Trend gefährlich findet.
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Sie ist die Uniform in Fitnessstudios und Dauergast in Polizeimitteilungen, wenn es um die Kleidung von Tätern geht: die Jogginghose. Jetzt ist die Schlabberhose zum hippen Kleidungsstück geworden. Der lässige Stil – mancher sagt auch „Proll-Look“ – gewinnt an Terrain. Die Rapper- und Hip-Hop-Szene mit Idolen wie Bushido hat die Jogginghose schon seit längerem straßenfähig und sogar clubtauglich gemacht.
Die Modekolumnistin Marlene Sørensen von der Zeitschrift „Maxi" sagt: „In den letzten zehn Jahren ist die Straße zum wichtigen Laufsteg geworden.“ Gerade junge Designer wie Alexander Wang oder Isabel Marant fielen mit Kollektionen auf, die direkt vom Stil der Straße inspiriert waren. „Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Designer schließlich das Kleidungsstück herausgriffen, dass am wenigsten glamourös ist – und es glamourös machten.“
Sørensen sagt: „Tough aussehen und es dabei trotzdem bequem haben, das passt zu diesen harten Zeiten. Aber als direkte Reaktion auf die Krise sollte man diesen Hosen-Trend in der Designermode nicht verstehen. Designer-Jogginghosen kosten nämlich gerne mal mehrere hundert Euro und sind dann aus Kaschmir oder Seidengemisch."
Wer sich Paparazzi-Fotos in Gossip-Blogs oder People-Magazinen ansieht, bekommt selbst Stil-Ikonen wie Madonna oder Natalie Portman in Jogginghosen zu Gesicht – die Stars tragen in ihrer Freizeit nicht nur die edlen Designer-Versionen, sondern auch – wie Normalbürger beim sonntäglichen Brötcheneinkauf – die Hosen bekannter Sportmarken.
“Heute sieht man Julia Roberts und Cameron Diaz ungekämmt in Jogginghosen herumlaufen, die sehen aus wie bag ladies, wie Obdachlose, so etwas gab es früher nicht. Früher mussten sich Schauspielerinnen in ihren Verträgen verpflichten, wie Stars aufzutreten, wenn sie das Haus verließen“, klagte Mode-Altmeister Valentino schon 2005 in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der Vollständigkeit halber muss man allerdings sagen, dass sich der Meister der klassischen Eleganz in einer Kollektion für das Jahr 2003 selbst einmal der Jogginghose angenommen hatte.
Wird hier also mit zweierlei Maß gemessen? Klare Antwort: Ja. Designer unterscheiden einen edlen und einen schäbigen Jogginghosen-Look. Der Berliner Modemacher Michael Michalsky etwa sagte dem Berliner Magazin „030“: „Das kann geil sein, wenn man sie mit einem Jackett und einem guten T-Shirt kombiniert.“
Dass sie auch Kleinganoven-Uniform sei, hat laut „SZ“ einen einfachen Grund: Sie sei nun mal „der beste Komplize, den man sich wünschen kann“. „Das nachgiebige Baumwollgemisch erleichtert die Flucht über Rolltreppen, Gartenzäune und sonstwelche Hindernisse. Dazu ist die Jogginghose leicht wie Watte und warm wie eine Taschenheizung, Kriminalität hat ja immer Hochsaison, auch nachts und im Winter.“
Und was sagt Karl Lagerfeld dazu? Der Chanel-Chefdesigner findet Jogginghosen auf andere Art verbrecherisch. Der Zeitschrift „Freundin“ sagte er: „Jogginghosen sind gefährlich.“ Warum? „Weil sie einen Gummizug haben. Der gibt nach und dann merken Sie nicht, wenn Sie zugenommen haben.“
Erschienen am 16.11.2009
























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