20.02.13

Bergwandern

Wehe dem, der oben die "Jo-Jo-Taktik" ignoriert

Immer mehr Touristen zieht es in extreme Höhen – doch viele überschätzen sich: Wer auf Berge weit über 2500 Meter klettert, sollte die "Jo-Jo-Taktik" befolgen. Sonst drohen gefährliche Krankheiten.

Foto: pa

Links: Der Gipfel von Afrikas höchsten Berg, der 5895 Meter hohe Kilimandscharo, über den Wolken. Rechts: Schilder, die Touristen und Bergsteigern bestätigen, den Gipfel des Kilimandscharos erreicht zu haben. Der Berg zieht jährlich etwa 20.000 Wanderer an. Jeden Monat müssen im Schnitt zwei Dutzend Höhenkranke den Berg hinuntergetragen werden. Viele Bergsteiger nehmen die Symptome nicht ernst. Eine offizielle Todesstatistik gibt es nicht. Experten schätzen, dass allein auf dem Kilimandscharo jedes Jahr etwa 20 Bergsteiger ums Leben kommen
Links: Der Gipfel von Afrikas höchsten Berg, der 5895 Meter hohe Kilimandscharo, über den Wolken. Rechts: Schilder, die Touristen und Bergsteigern bestätigen, den Gipfel des Kilimandscharos erreicht zu haben. Der Berg zieht jährlich etwa 20.000 Wanderer an. Jeden Monat müssen im Schnitt zwei Dutzend Höhenkranke den Berg hinuntergetragen werden. Viele Bergsteiger nehmen die Symptome nicht ernst. Eine offizielle Todesstatistik gibt es nicht. Experten schätzen, dass allein auf dem Kilimandscharo jedes Jahr etwa 20 Bergsteiger ums Leben kommen

Bergwanderer müssen sich in Höhenlagen von mehr als 2500 Metern beim Aufstieg genug Zeit zum Akklimatisieren nehmen. "Die langsame Anpassung an die sauerstoffärmere Umgebung ist der Schlüssel zu einem sicheren Aufenthalt in der Höhe", sagte Rainald Fischer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin, in Berlin.

Bei täglichen wechselnden Aufenthaltsorten sollte Schlafplatz nicht mehr als 300 bis 500 Meter höher liegen als in der Nacht zuvor. Das gilt auch bei Rundreisen in hochgelegenen Gebieten wie den Anden.

Fischer empfiehlt eine "Jo-Jo-Taktik": Tagsüber dürften Bergsteiger sich durchaus in höhere Gegenden begeben, aber sie sollten nie mehr als 300 bis 500 Meter höher übernachten als zuvor. Alle 1000 Meter Höhenunterschied legen sie am besten einen zusätzlichen Ruhetag ein. Wer diese Empfehlungen ignoriert, riskiert eine akute Bergkrankheit und andere, schlimmere Höhenkrankheiten.

Grund ist der geringere Sauerstoffgehalt in der Höhenluft, woran der Körper nicht gewöhnt ist. Er versuche dann automatisch, mehr zu atmen, um mehr Sauerstoff zu bekommen, erklärte Fischer. Außerdem gebe es eine Stressreaktion: Der Noradrenalingehalt im Blut steigt an, dadurch erhöhen sich Blutdruck und Herzfrequenz.

Viel Zeit zum Akklimatisieren nehmen

Setzt sich der Mensch in kleinen Schritten immer dünnerer Luft aus, kommt der Organismus mit dem Sauerstoffmangel aber gut klar. "Der Körper gewöhnt sich an das schnellere Atmen und bildet mehr rote Blutkörperchen", sagte Fischer. Allerdings dauere es drei Wochen, bis sich so viele gebildet haben, dass der Körper dadurch so viel Sauerstoff bekommt wie auf Seehöhe.

Die akute Bergkrankheit ist Fischer zufolge die häufigste Form der Höhenkrankheit. Insbesondere bei Gruppenreisen könne es vorkommen, dass einzelne Teilnehmer nicht genug Zeit zum Akklimatisieren hätten. Denn jeder Mensch habe dabei unterschiedliche Bedürfnisse.

Wer in leichter Form bergkrank werde, nehme das aber häufig in Kauf, weil er durchaus noch leistungsfähig sei. "80 Prozent der Menschen, die auf den Kilimandscharo gehen, sind bergkrank", sagte Fischer. Der höchste Berg Afrikas im Norden Tansanias ist 5895 Meter hoch.

Flüssigkeit sammelt sich in Lunge oder Hirn

Typische Anzeichen der akuten Bergkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Schlaf- oder Appetitlosigkeit. Wer solche Symptome nicht ernst nimmt und weiter aufsteigt, bekommt im schlimmsten Fall ein Höhenhirn- oder Höhenlungenödem. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im betroffenen Organ. Ein Hirnödem kann von Gangunsicherheit bis hin zu Bewusstlosigkeit führen, ein Lungenödem zu Atemnot und blutigem Husten.

Diese Erkrankungen sind mit Medikamenten gut behandelbar. "Das wichtigste Medikament ist aber immer der Abstieg", betonte der Mediziner. "Wenn der rasch gelingt, ist der Mensch schnell wieder gesund und kann dann auch wieder aufsteigen."

Grundsätzlich von einer Höhenexpedition absehen sollten Menschen mit einer Lungenerkrankungen wie einer behandlungsbedürftigen pulmonalen Hypertonie oder einer Einschränkung der Lungendiffusionskapazität. Auch wer gerade eine koronare Herzerkrankung durchgemacht hat oder sich von einer solchen erholt, ist ungeeignet.

Grundsätzlich empfiehlt Fischer jedem, der eine Reise auf mehr als 2500 Meter bucht, den genauen Urlaubsplan mit einem Reisemediziner zu besprechen und sich zu erkundigen, ob es dabei Probleme geben könnte.

Quelle: dpa/oc
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Eurovision Song Contest - Press Conference
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Cascada und ihre Rivalen

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
14:45Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Hoch hinaus: Breakdancer am Blücherplatz stimmen auf das Multi-Kulti-Fest ein
14:48Karneval der Kulturen
Bis Pfingstmontag ist Kreuzberg die Bühne der Welt

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Dazwischen machen viele Events Kreuzberg schön bunt. mehr...


Monumental: Anish Kapoor steht in seiner Installation aus Wachs „1st Body“
07:34Ausstellung
Starkünstler Kapoor zeigt sein Universum im Gropius-Bau

Tonnenschwere Installationen: Starkünstler Anish Kapoor aus London bespielt den Martin-Gropius-Bau mit spektakulären Großskulpturen aus Wachs, Pigmenten und PVC - seine erste große Schau in Berlin. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Jetzt bekommt der Berliner Autor eine eigene Fernseh-Show. Als Hotelinspektor bei RTL ermittelt er die Schwachstellen in Herbergen, die kurz vor dem Ruin stehen und sich von der Beratung Horrmanns die Rettung in letzter Minute versprechen.
Horrmanns Gourmetspitzen

Die Gastro-Kolumne von Heinz Horrmann.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote