22.01.13

Weltwirtschaftsforum

Die große Kaviar-Inflation der Superreichen

Alles wird teurer – vor allem aber Luxusgüter: Die Preise für Exklusives vom Rolls-Royce bis zum Privatjet steigen seit Jahren deutlich schneller als die allgemeine Teuerung. Das hat Gründe.

Foto: Rolls Royce

Der Rolls Royce Phantom verteuerte sich seit 2005 um gut 20 Prozent. Kostenpunkt 2012: Rund 400.000 Dollar.

7 Bilder

Nicht nur die Spitzen von Politik und Konzernen treffen sich in dieser Woche zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch Superreiche aus aller Welt zieht es in das Schweizer Bergdorf. Im vergangenen Jahr wurden gut 70 Milliardäre auf dem Forum gesichtet. Sie müssen für die Teilnahme und für eine Unterkunft vor Ort deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor einigen Jahren.

"Es gibt natürlich Länder, die teilweise mit sehr großen Delegationen nach Davos reisen und bereit sind, egal welchen Preis für ein Zimmer zu zahlen", sagt Jürg Zürcher, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands in Davos. "Da mag es dann für einzelne Häuser schwer sein, zu widerstehen und nicht exorbitante Preise zu verlangen. Doch genau das darf nicht sein."

Doch die Reichen dieser Welt sind Preiskapriolen gewöhnt. Denn die Kosten für ein Leben im Luxus sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen und legen deutlich schneller zu, als es die allgemeine Teuerungsrate vermuten lässt. Diese lag etwa in Deutschland zuletzt bei 2,1 Prozent, in den USA bei 1,4 Prozent. Um sie zu berechnen, wird ein Warenkorb herangezogen.

In ihm sind alle Waren und Dienstleistungen enthalten, die für einen bundesdeutschen Durchschnittshaushalt relevant sind. Die Kosten für einen Rolls Royce, für Kaviar oder einen Platz an einer US-Eliteuniversität tauchen darin logischerweise nicht auf.

Der Preis für Beluga-Kaviar hat sich verdoppelt

Das US-Magazin "Forbes" jedoch veröffentlicht seit 1976 den "CLEWI"-Index, der die Kosten eines besonders luxuriösen Lebensstils abbilden soll. Eine Davos-Teilnahme ist darin zwar nicht enthalten, dafür aber 40 Produkte und Dienstleistungen, die unter Superreichen offenbar besonders gefragt sind: exklusiver Champagner, schnelle Motoryachten, Hubschrauber und Learjets, aber auch ein Facelifting oder ein Abendessen in einem Pariser Luxusrestaurant.

Fast alle diese Produkte haben sich in den vergangenen zehn Jahren enorm verteuert. Ein Kilo Beluga Kaviar etwa kostete im Jahr 2005 rund 6800 Dollar – mittlerweile sind es laut "Forbes" gut 13.600 Dollar. Insgesamt legte der CLEWI-Index vergangenes Jahr um 2,6 Prozent zu.

Ganz ähnlich funktioniert der sogenannte "SALLI"-Index der britischen Vermögensverwaltung Stonehage, den diese für wohlhabende Familien in Großbritannien und in der Schweiz berechnet. Zwar geben die Analysten die genaue Zusammensetzung ihres Warenkorbs für die Superreichen dieser Welt nicht preis, aber die Tendenz weist auch hier nach oben.

Die Nachfrage aus Asien treibt die Preise

"Für viele unserer Schweizer Kunden dürfte sich zum Teil eine Shoppingtour ins Ausland durchaus lohnen, um bessere Preise für einige Luxusprodukte zu bekommen", sagt Mark McMullen, Leiter von Stonehage in Genf. Am stärksten legte 2012 der Subindex "Haus und Familie" zu – in dieser Kategorie werden unter anderem die steigenden Preise für Luxusimmobilien in der Alpenrepublik erfasst.

Vor allem die Aussicht auf die niedrigen Steuern verlockt seit jeher viele Wohlhabende dazu, sich ein Domizil in der Alpenrepublik zuzulegen. Und seit dem Ausbruch der Euro-Krise sind Luxusimmobilien in der Schweiz als angeblich sicherer Hort für große Vermögen noch attraktiver. Doch nicht nur die Sorge um das Vermögen wächst und treibt die Preise, auch die Zahl derer, die als besonders reich gelten, steigt zusehends.

Das gilt vor allem für den Raum Asien/Pazifik, wo laut dem "World Wealth Report" der Beratungsgesellschaft Cap Gemini und RBC Wealth Management mittlerweile die meisten vermögenden Privatanleger mit einem anlagefähigen Vermögen von über einer Million Dollar leben – Tendenz steigend. Die wachsende Nachfrage nach exklusiven und damit im Angebot sehr knappen Waren treibt die Preise und sorgt in vielen Luxussegmenten trotz der weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheit für rekordverdächtige Zuwächse.

Reiche Chinesen gehen öfter im Ausland einkaufen

So rechnet die US-Unternehmensberatung Bain&Company damit, dass die Umsätze von Luxusgütern rund um den Globus zuletzt um zehn Prozent auf 212 Milliarden Dollar gestiegen sind. Als Motor gilt China, das mittlerweile Japan als zweitgrößten Luxuskonsumenten nach den USA abgehängt hat. "Etwa die Hälfte aller in Asien getätigten Luxuskäufe entfallen auf chinesische Konsumenten.

Weltweit betrachtet kommt mittlerweile sogar jeder vierte Luxuskonsument aus China", sagt Josef Ming, Konsumgüterexperte bei Bain&Company. "Das führt dazu, dass die Umsätze in fast allen Luxuskategorien steigen – und damit auch die Preise." Zuletzt seien in fast allen Segmenten die Preise pro Jahr um zehn bis 15 Prozent gestiegen und damit fast doppelt so schnell wie noch vor fünf Jahren.

Wichtigstes Kennzeichen der neuen Luxusklientel: Sie gibt ihr Geld bevorzugt auf Auslandsreisen aus, auch dank des gestiegenen Außenwerts der chinesischen Währung. Als besonders beliebtes Produkt bei den Edelkonsumenten aus dem Reich der Mitte gelten dabei Schweizer Uhren. Gut möglich also, dass auch ihr Preis in den kommenden Tagen zumindest in den Juweliergeschäften rund um Davos im Preis steigen wird.

Das Weltwirtschaftsforum hat das Thema jedenfalls längst für sich entdeckt: eine der ersten Veranstaltungen auf dem Treffen wird sich mit China befassen – und mit den wachsenden Bedürfnissen seiner 1,3 Milliarden Konsumenten.

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Das Weltwirtschaftsforum
  • Ziele

    Die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Schweizer Kurort Davos gehört zu den wichtigsten Treffpunkten für Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler aus aller Welt. Erklärtes Ziel des WEF (World Economic Forum) ist es, „den Zustand der Welt zu verbessern“. Bei öffentlichen Seminaren sowie bei vertraulichen Begegnungen geht es um Lösungsansätze für globale Herausforderungen. Das dabei mögliche „Networking“, das Knüpfen beruflicher und geschäftlicher Kontakte, gilt als wichtiger Nebeneffekt.

  • Gründung

    Gegründet wurde das WEF von dem Wirtschaftsexperten Klaus Schwab. 1971 organisierte der im oberschwäbischen Ravensburg geborene Sohn eines Schweizer Fabrikdirektors auf eigenes finanzielles Risiko ein Symposium für europäische Unternehmer. Später legte er den Schwerpunkt auf allgemeine wirtschaftliche und politische Fragen und gründete die WEF-Stiftung.

  • Treffen

    Das Jahrestreffen in Davos ist deren bekannteste Aktivität, aber längst nicht die einzige. Zum WEF-Jahresreigen gehört das Treffen der „New Champions“ in China. Auch zu diesem „Davos für Schwellenländer“ reisen Entscheidungsträger aus etlichen Staaten an. Hinzu kommen spezielle Treffen für Südamerika, Ostasien und Indien, den Nahen Osten, Eurasien sowie Afrika.

  • Mitglieder

    Dem Forum gehören 1000 der weltgrößten Unternehmen sowie 200 kleinere als Mitglieder oder Partner an. Der Jahresbeitrag liegt – je nach Größe der Firma und Umfang der Beteiligung – zwischen 50.000 und 500.000 Franken (derzeit 410.000 Euro). Das als Nonprofit-Unternehmen angelegte WEF hat seinen Hauptsitz in Cologny am Genfer See und beschäftigt weltweit rund 500 Mitarbeiter. dpa

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