20.01.13

Vereidigungs-Dinner

Ein Kölner grillt Hummer und Bison für Obama

Der Deutsche Horst Klein darf Amerikas Präsidenten seit über 24 Jahren den feierlichen Vereidigungsschmaus bereiten. Für den Kölner ist der amerikanische Traum wahr geworden.

Foto: dpa

Das schmeckt dem Präsidenten: Hickory Grilled Bison mit Rotkohl und Kürbis-Püree gibt es, nachdem Barack Obama seinen Amtseid geschworen hat.

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Horst Klein hat gewählt – die richtige Würze für den mächtigsten Mann der Welt. "Präsident Obama soll das Wasser im Mund zusammenlaufen", meint der Koch aus Köln. Und er weiß: Auf ihn schwört der 44. Präsident der USA – wie schon einige seiner Vorgänger. Denn der Gründer eines Catering-Unternehmens bei Washington darf Amerikas Präsidenten seit über 24 Jahren den feierlichen Vereidigungsschmaus bereiten. Am 21. Januar serviert Klein Obama zum zweiten Mal das erste Mahl nach seinem Amtseid im Kapitol.

"Huntington Lobster, New England Chowder Sauce", zählt der quirlige Gourmet in Kölsch-gefärbtem Amerikanisch auf. "Und dann gibt's nachher Hickory Grilled Bison mit Rotkohl und Kürbis-Püree – und zum Nachtisch Hudson Valley Apple Pie mit Eis und Ahornsirup." Hummer, Bison, Apfelkuchen – das muss klappen wie am Schnürchen. "In einer Stunde muss das serviert sein", erklärt Klein. "240 Personen, Vorspeise, Hauptgang, Dessert: eine Stunde!"

Und das nach monatelanger Vorbereitung: Aus drei Konkurrenten hat eine elfköpfige Jury von Kongressmitarbeitern und anderen Entscheidungsträgern den Koch fürs Kapitol beim Testmahl ausgewählt. Für Klein ist es Routine. Sein Unternehmen "Design Cuisine" hat schon sechs Amtszeiten bestritten. "Wir fingen an mit Reagan und sind jetzt bei Obama" strahlt er. Jedes Jahr habe er gedacht: "Diesmal bekommt ein anderer den Zuschlag, aber dann waren wir es doch wieder."

Der amerikanische Traum

Der Deutsche und seine beiden amerikanischen Partner regieren die Buffets der Welthauptstadt. "Es gibt keinen Präsidenten oder König oder Königin, die nach Washington kamen in den letzten 30 Jahren, die wir nicht bewirtet haben", ist sich der zierliche Mann mit dem roten Haar sicher und lacht.

Er hat Grund zu lachen, denn für Klein ist der amerikanische Traum wahr geworden. "Vielleicht nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, so doch vom Koch im Kölner "Dom Hotel" zum Großunternehmer an der amerikanischen Ostküste."

In den 70er Jahren landete Klein über mehrere Fünf-Sterne-Häuser in aller Welt schließlich in den USA. Nach einigen Angestelltenjobs traf er schließlich seine Geschäftspartner, mit denen er bis heute arbeitet. "Erst war es ein Restaurant direkt am Kapitol, dann ein kleiner Catering-Betrieb", erzählt Klein. Heute beschäftigt das Trio bis zu 600 Mitarbeiter pro Tag auf einem Gelände von der Größe einer Sportarena im Washingtoner Vorort Arlington (Virginia).

In der Saison richtet das Unternehmen bis zu hundert Feiern pro Woche aus – "von zehn Personen bis zu 7000." Von der Küche über eine eigene Schneiderei und Wäscherei oder einem Verleih von Partyzubehör bis hin zur eigenen Spedition reicht Kleins Reich an der Ostküste: "Wir liefern sogar Stühle zur Oscar-Verleihung nach Los Angeles."

Der Aufwand ist hoch

An Hochglanz-Gelagen mangelt es nicht in der US-Hauptstadt. Klein hat mehrere Aktenordner voller Erinnerungen. "Einmal durfte ich die Queen in Washington bekochen", schwärmt er. "Das hat ihr so gut geschmeckt, dass sie mich hinterher gleich auf ihre weitere Reise mitgenommen hat." Auch Lady Di oder Bundeskanzlerin Merkel habe er schon satt gemacht. Bei Partys im Weißen Haus ließ Klein Obama unter den Deckel linsen, wie ein Foto beweist: "Da isser in der Küche – der Obama", kommentiert der Rheinländer.

Doch reines Zuckerschlecken sei so ein Vereidigungslunch nicht. Der Aufwand sei unwahrscheinlich hoch. "Seit Tagen ist der Secret Service für 16 Stunden am Tag mit uns in der Küche." Dort sei natürlich alles "bio", was dem Präsidenten vorgesetzt werde. "Das Essen, das wir dann für ihn persönlich machen, das kommt unter den Augen des Secret Service in Kisten rein und es wird abgeschlossen und versiegelt."

Am Montag im Morgengrauen schließlich, werde das Krönungsmahl mit einer gigantischen Polizeieskorte zum Kapitol gefahren. Lange bevor die Massen die Straßen säumen. "Zahlreiche Büros werden dann zur Küche umgewandelt", so Klein. "Wenn der Präsident auf den Stufen des Kapitols seinen Eid schwört, haben wir schon einen Arbeitstag hinter uns." Doch dann geht die Show erst richtig los.

Quelle: dpa
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