21.12.12

Weihnachtsweine

Zum Fest sollte es ein edler Tropfen sein

Die Weinauswahl zu Weihnachten ist schwierig, denn zum Fest der Liebe soll eine besondere Flasche auf den Tisch. Zudem soll der Wein der ganzen Familie schmecken - da hilft oft nur ein Kompromiss.

Von Manfred Klimek
Foto: Getty Images/Cultura RF

Welchen edlen Tropfen serviert man den Lieben zum Fest? Hier eine kleine Auswahl vom Kenner:

6 Bilder

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Zumindest schreibt man uns an diesem Abend Liebe vor. Und weil die Liebe laut einem alten und mehrfach bewiesenen Sprichwort durch den Magen geht, wird zu Weihnachten auch noch anständig aufgekocht.

Dem Aufwand in der Küche muss auch ein entsprechender Aufwand bei der Weinauswahl folgen. An diesem Abend darf es eine besondere Flasche sein, eine Flasche meist aus einem klassischen Anbaugebiet.

Klassische, traditionelle Weine auch, weil Weihnachten das Fest der traditionellen Küche ist. Zudem sollen die Weine der ganzen Familie schmecken – wo viele am Tisch sitzen, muss man zu einem guten Kompromiss finden.

Der Aperitif

Fangen wir also mit dem Aperitif an. Der ist meistens ein Schaumwein. Und meistens ein Champagner. Ich rate dieses Jahr jedoch zu einem günstigen Jahrgangs-Crémant und empfehle eine Flasche Extra Brut 2007 von Stéphane Tissot, einen großartigen, knochentrockenen Appetitanreger (für 14,90 Euro bei weinhalle.de), der dem Abend den nötigen Schwung verleiht. Der Grundwein für diesen Sprudel lag einige Wochen auf der Hefe, diese Kraft wird von einem präzisen Holzeinsatz unterstützt. Tissots Crémant ist alles andere als ein banales Industrieprodukt. In der Nase viel Apfel, dann ein wenig Zitronengras, darauf folgt Aprikosenmarmelade und Brioche. Im Mund völlig ungekünstelt und unverstellt, geradlinig und mineralisch. Kein glatter Schmeichler, sondern ein Wachküsser mit Bartstoppeln.

Wenn es aber unbedingt Champagner sein muss, rate ich zu einem Klassiker, den schon Winston Churchill während seiner auszehrenden Wahlkämpfe im Gepäck hatte. Der Pol Roger Brut Reserve (für 34,90 Euro bei gourmondo.de) hat alles, was einen guten und unaufdringlichen Champagner ausmacht; er unterhält auf hohem Niveau, ohne die Gäste mit überzogenen Ansprüchen zu belästigen. Wie eine Plauderei mit David Niven oder Peter Sellers. Der Brut Reserve besteht aus je einem Drittel Pinot noir, Chardonnay und Pinot Meunier. Und gerade dieser hohe Anteil des in unseren Breiten als Schwarzriesling bekannten Pinot Meunier gibt dem Pol Roger jene fleischige Struktur, jene Molligkeit und Creme, die einen Pol Roger stets identifizierbar macht.

Diese Trinkfreude gibt es auch halbtrocken (für 36,90 Euro, ebenfalls bei gourmondo.de), ein eher feinherbes Experiment, das sicher nicht jedem gefällt, aber extrem gut zu mürber und trockener Weihnachtsbäckerei passt.

Ein Weihnachtsessen ist selten leichte Kost. Zu kräftigen Vorspeisen empfehle ich kräftigen Wein. Und weil Riesling in aller Munde ist, weiche ich auf den sträflich vernachlässigten Weißburgunder aus, der in Deutschland ein ungerechtfertigtes Nischendasein führt. Das ist schade, denn gerade in Deutschland werden ein paar der besten Weißburgunder der Welt auf die Flasche gebracht, mineralisch-schlanke Weine, die an den richtigen Stellen auch etwas Fett ansetzen. Etwa der Weißburgunder Johannes K. vom Weingut Korrell an der Nahe (für 11,80 Euro ab Weingut, Tel.: 0671/636 30). In der Nase Himbeere, Paprika, weiße Johannisbeere, etwas Tabak und auch ein zarter Einfluss von Holz. Im Mund vorwiegend elegant. Der Wein braucht aber einige Luft, um zu wirken. Am besten schon vormittags lüften.

Kräftig im Holz ist auch der extreme Weißburgunder Maximum 2009 des österreichischen Winzers Ludwig Hiedler (für 19,90 Euro bei Gottwald, Tel.: 0043/2752/549 87). Hiedler ist ein Freund ausdrucksstarker Weine. Und was bei manchem seiner Veltliner eher übertrieben anmutet, gelingt bei diesem Weißburgunder grandios: das Zusammenspiel von Holz und Frucht. In der Nase viel Aprikose, dann Quitte, etwas Haselnuss und auch Ananas und Mango. Im Mund kommt der Maximum einem großen französischen Burgunder nahe, seine Kraft sorgt für einen langen Nachhall am hinteren Gaumen. Genau diese Kraft harmoniert hervorragend mit deftigen Speisen. Auch beim Maximum gilt das Gebot der ausreichenden Belüftung, denn schon wenige Minuten nach der Öffnung verliert der Saft seine geniale Frucht. Um sie drei Stunden später in höchst eleganter Ausprägung wiederzugewinnen.

Bei einem Weihnachtsmenü wie Rehrücken, darf der begleitende Wein ruhig eleganter sein, ich rate folglich zu einem Burgunder, etwa zu einem Marsannay 2009 von Méo-Camuzet (für 29,00 Euro bei weinart.de). Das Weingut zählt zu den Spitzenbetrieben der Region und die Pinot-Trauben für diesen Wein wurden aus drei verschiedenen Einzellagen entnommen. Das garantiert in einem heißen Jahr wie 2009 die notwendige Ausgewogenheit. In der Nase zuerst eine satte Himbeere, dann Kirsche und ein wenig grüne Pflaume. Dahinter der Rauch eines frisch angezündeten trockenen Holzscheits. Im Mund dann auch Schokolade, Pfeffer und genügend Druck, um auch nach dem letzten Glas noch in Wohlgefallen zu erinnern.

Mit seiner spitzen und delikaten Säure passt auch der Barbera Falletto di Serralunga (für 29,50 Euro bei superiore.de) von Bruno Giacosa gut zu jeder Art dunklem Fleisch, auch zu Geschmortem. In der Nase Brot, Leder, der Sirup von Cassis, dann ein frisch angeschnittenes Steak und nasse Erde. Im Mund enorm bissig, mit einer frischen und zupackenden Säure, die sich erst nach einigen Minuten in der Karaffe legt. Einfach herrlich saftig und animierend.

Zu Fisch und Geflügel

Zum weihnachtlichen Karpfen und zu jeder anderen Art Fisch oder Geflügel rate ich, eine Flasche des grandiosen 2010er Les Noëls de Montberault von Richard Leroy zu köpfen. Leroy ist ein ehemaliger Banker, der sich seit 1995 im biodynamischen Weinbau behauptet. Sein Les Noëls (für 27,50 Euro bei ) wird aus der im trockenen Bereich eher langweiligen Chenin-Traube gekeltert. Hier jedoch schwappt ein gigantisch guter Weißwein im Glas, der oft an die besten Burgunder der Welt andockt. Das banale Wort "lecker" beschreibt treffend alles, was diesen Wein ausmacht. In der Nase viel Apfel, Quitte und eine hochelegante, spitze und anregende Mineralität. Leroy beherrscht die Spontanvergärung, die dem Wein eine individuelle, leicht animalische Note gibt. Im Mund unglaublich druckvoll, gepaart mit einer präzisen Eleganz, die auch am Gaumen von einer salzigen Mineralität bestimmt wird. Dafür unbedingt große Gläser verwenden.

Das Glas Riesling darf auch zu Weihnachten nicht fehlen, ich jedoch mag ihn diesmal lieber feinherb. Zum Dessert eines Weihnachtsmenüs paast zum Beispiel der Bockenauer Riesling Kabinett 2011 vom Weingut Schäfer-Fröhlich an der Nahe (für 13,50 Euro im Kölner Weinkeller, Tel.: 0221/139 72 80), ein wirklich famoser "einfacher" Wein, der deutlich von Schieferaromatik geprägt ist, die der junge Winzer Tim Fröhlich gekonnt mit der nicht überbordenden Restsüße kombinierte. In der Nase viel Exotik, also Ananas, Mango, Minze und etwas Ingwer. Im Mund eine ausgeprägt angenehme, natürliche Säure, die man im säurearmen Jahrgang 2011 normalerweise so selten findet.

Final stoßen wir mit einem GlasRiesling Herrenberg Kabinett feinherb von Maximin Grünhaus (für 12,80 Euro im Kölner Weinkeller, Tel.: 0211/139 72 80) aus Mertesdorf an einem Bächlein namens Ruwer. In der Nase drängt sich Pfirsich an Zitrone und etwas Ananas. Danach erfreuliche Anklänge von Pfeffer, gelber Paprika und sogar etwas Kümmel. Am Gaumen schon allein wegen des für einen feinherben Wein hohen Alkohols (zwölf Volumenprozent) recht kräftig und eindrücklich. Im Gegensatz zum Bockenauer Riesling von Schäfer-Fröhlich (nur acht Volumenprozent Alkohol) ein berauschender Wein, von dem das eine Glas zu viel schneller getrunken wird, als man es nachher wahrhaben will.

Aber Weihnachten ist nur einmal im Jahr. Und da darf man sich was gönnen.

Manfred Klimek ist Chefredakteur von Captain Cork, der Weintageszeitung im Netz

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