19.11.12

Shapewear

Wie Frauen so richtig die Kurve kriegen

Es muss nicht immer Sport oder Diät sein: Inzwischen macht auch Shapewear schlank und/oder kurvig. Dabei haben die modernen Modelle nichts mehr mit den geschnürten Miedern von früher gemein.

Von Silvia Ihring
Foto: Vera Mont

Kleine Helfer für die gute Figur: Bei Frauen ist formende Unterwäsche das neuste Mittel.

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Mit der richtigen Shapewear kann man sich sogar für den Wahlkampf rüsten. Anfang November sang Katy Perry auf einem Konzert für ihren Favoriten Obama und trug dabei ein knallenges Minikleid, dem man ansah, dass es vor Elasthan nur so strotzte. Das Latexkostüm hätte sicher auch die Speckrollen eines Nilpferdes weggedrückt. Katy Perrys Bühnenoutfit ist ein gutes Beispiel für das, was die Mode heute mit dem weiblichen Körper macht. Formende Kleidung ist längst nicht mehr nur etwas für untendrunter.

Bereits seit einigen Jahren füllt formende Unterwäsche die Seiten der Mode- und Frauenmagazine. Ihr Image hat sich von unbequemen, beigen Oma-Schlüpfern in erotische, formende Dessous gewandelt, die man problemlos beim Date tragen kann, ohne sich vor einer peinlichen Enthüllung im Schlafzimmer fürchten zu müssen.

Da ist es konsequent, dass die Shape-Bewegung nun die restliche Modewelt erobert und ständig neue Produkte auf den Markt bringt. So hat das italienische Label Fornarina vergangene Woche die "Perfect Shape"-Jeans lanciert. Diese besteht aus einem Stretch-Stoff, der auch nach mehrmaligem Tragen nicht ausleiern soll und den Po pusht. Diesen Effekt verspricht auch die Jeans "Denim Sculpt" von Wrangler, die nächsten Januar auf den Markt kommt.

Benetton brachte bereits vor einigen Saisons die Strick-Kollektion "Pin Up" heraus: Die eng anliegenden Pullover sollen für eine perfekte Sanduhrsilhouette sorgen – dank gezielt platzierter Nähte und einer Stricktechnik, die überschüssiges Gewebe an den richtigen Stellen verdeckt. Diesen Winter kommen zwei Sorten formende Jeans dazu, "Pin Up Lift" hebt den Hintern und "Pin Up Shape" flacht den Bauch ab.

Spanx ist das Geheimnis vieler Stars

Und als könnte man seinem Körper nicht wenigstens beim Sport den Freiraum einer schlabberigen Jogginghose gönnen, gibt es seit Anfang des Jahres von Reebok eine schlank machende Fitnesskollektion. Unsichtbare Kompressionseinsätze formen die Figur an Hüfte, Taille und Po.

Sucht man nach der Ursache des Shape-Wahns, landet man bei der Amerikanerin Sara Blakely und ihrem Label Spanx. Im Jahr 2000 gründete sie ihr Unternehmen für körperformende Unterwäsche, die unter der Kleidung unsichtbar bleibt. Auf diese Idee hatten die Frauen offensichtlich sehnsüchtig gewartet: Heute steht die 41-Jährige als jüngste Unternehmerin auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt, ihre Marke wird in über 40 Ländern verkauft.

Stars wie Oprah Winfrey und Gwyneth Paltrow bekennen sich als Fans und sprechen offen über ihre kaschierten Makel. Über Formwäsche zu plaudern ist salonfähig: Wenn eine Elfe wie Gwyneth Paltrow ihre Mogelei zugibt, kann auch eine Frau mit Durchschnittsgröße ohne rot zu werden in taillenhohe Bauch-weg-Hosen schlüpfen.

Spanx verspricht den Frauen, dass sie ihren Körper zumindest oberflächlich optimieren können. Ganz ohne Sport, Diäten und Operationen. Sogar Schwangere finden im Sortiment eine den Bauch bedeckende Strumpfhose, die stützen und formen soll. Kürzlich eröffnete Spanx im Berliner KaDeWe den ersten deutschen Shop.

Formmode steigert angeblich das Selbstbewusstsein

Längst hat die Firma viele Nachahmer. Ob Unterwäschemarken wie Triumph und Wolford oder Modeketten wie H&M und C&A: Alle haben eine Shapewear-Linie. So erfolgreich ist Formmode 2012, dass man glauben könnte, Frauen trügen nun freiwillig Korsett. Manche fragen sich vielleicht sogar schon: Was ist aus der Idee des Modeschöpfers Paul Poiret geworden, der die Frauen vor über 100 Jahren mit seiner Mode von dem Geschnüre befreite? Doch es gibt gute Gründe, warum Frauen sich in Unterwäsche zwängen, die an Radlerhosen und Badeanzüge erinnern. Gerade solche, die nicht ganz schlank sind, fühlen sich damit einfach besser.

Angesichts dieser Klientel ist es schlau von den Herstellern, dass sie erst gar nicht mit dem Ideal androgyner Models werben, sondern ein kurvenfreundliches Frauenbild kommunizieren. Sie versprechen ein bequemes Produkt, das die richtigen Formen betont und die falschen kaschiert. Das britische Kaufhaus Marks & Spencer zeigt in der Kampagne für seine neue Shapewear-Kollektion Frauentypen von zierlich bis füllig, verpackt in hübsche Bodys und enge Miedershorts. Die Moral: Frauen sollen Hüften und Busen nicht wegdrücken, sondern besser zur Geltung bringen.

Heike Schaible ist Produktmanagerin bei Vera Mont. Die auf Anlassmode spezialisierte Marke hat seit diesem Herbst "Glamorous Shape" im Sortiment, eine Kollektion aus formenden Abendkleidern. Schaible zufolge hatte der ganze Shape-Trend ohnehin seinen Ursprung in der Abendmode. "Auf Events trägt man meist ein enges Kleid, in dem man viel rumsteht und angeschaut wird. Spanx war deswegen bei den Stars so beliebt, weil sie damit in ihren engen Roben auf dem roten Teppich eine gute Figur machten."

Bei den "Glamorous Shape"-Kleidern beginnt unter der Brust ein enger Schlauch, der bis zur Mitte der Oberschenkel reicht und dort mit einem Gummisaum abschließt. Man steigt von oben ein und streift das Kleid am Körper hoch. Das Unterkleid drückt auf den Bauch, sodass man ihn einziehen muss. Man hat das Gefühl, nur kleine Schritte machen zu können, wie in einem Bleistiftrock. Das Kleid sorgt für Haltung. Und ja, hinten ist alles glatt, keine Slipnähte sind zu sehen. Aber ist dies eine gute Wahl für eine Dinnerparty? Ein Fünf-Gänge-Menü lasst sich darin schwer verdauen.

Keine einzwängende Miederware mehr

Bei der ersten Anprobe fühle sich das Kleid ungewohnt an. "Die Kundin muss bereits vorher wissen, dass es etwas Besonderes ist." Deswegen seien die Shape-Modelle alle mit gesonderten Etiketten ausgezeichnet, und die Verkäuferinnen wurden zusätzlich geschult. Bei den Kundinnen komme die Linie sehr gut an. "Früher hatte Shapewear das Image von einzwängender, unbequemer Miederware. Heute sieht Formwäsche toll und erotisch aus. Deswegen kaufen Frauen sie gern", sagt Heike Schaible. Es stimme, dass der Körper wie beim Korsett in Form gebracht werde. "Aber die Materialien haben sich sehr verändert. Sie kommen aus der Sportmode, sind atmungsaktiv und es werden keine Haken und Ösen mehr verwendet. Die Sachen sind eng, aber nicht einengend."

So geht es bei Shape-Mode weniger um die Presswurst und mehr um die Passform. Die ist bei Jeans besonders wichtig. Die Marke "Not Your Daughter's Jeans", kurz NYDJ, kommt aus Los Angeles. Sie lobt ihr Produkt als erste schlank machende Shaping-Jeans aus fast 100 Prozent Denim. Das Label verkauft Hosen für Frauen, die am Abend selbstbewusst eine Bar betreten wollen, aber mit den tief sitzenden Röhren junger Street-Style-Labels nichts anfangen können. Katharina Fliegel von der Nika Modeagentur in Berlin vertritt NYDJ. "Viele Frauen mit etwas mehr Bauch und Hüfte suchen verzweifelt nach einer Hose, die ihren körperlichen und modischen Ansprüchen gleichzeitig gerecht wird", sagt sie. "Eine Kundin erzählte mir, sie fühle sich manchmal wie ein Clown. Einerseits müsse sie immer hübsch und trendy angezogen sein, aber sobald sie sich hinsetzt, schaut ihr Hintern aus ihrer Hose raus."

Die Technik macht es

Die NYDJ ist dagegen sehr hoch geschnitten. In den Hosenbund eingenähte Innentaschen drücken den Bauch nach innen und wirken wie eine Korsage. Eine Technik, die das Label "Lift Tuck Technology" getauft und patentiert hat. Bei der Anprobe fällt auf, was Katharina Fliegel schon vorher erklärt hat: Je enger die Hose sitzt, desto besser. "Man kann die Jeans mindestens zwei Größen kleiner als gewöhnlich tragen, damit der Shape-Effekt am größten ist."

An einem 38er-Körper vollbringt die NYDJ keine Wunder. Aber man kann sich gut in ihr bewegen, die Hüftpolster sind bedeckt und die Taschen fühlen sich wie ein Kissen an, das den Bauch zurückdrängt. Sobald eine Kundin die Jeans anprobiere, sei sie schon so gut wie überzeugt, sagt Fliegel. "Das Allerwichtigste ist Komfort, und die NYDJ ist sehr bequem. Die Frauen werden selbstbewusster und fühlen sich wohler in ihren Körpern." Inzwischen gibt es die NYDJ auch in bunten Farben und mit auffälligen Mustern. "Frauen müssen ihren Po nicht mehr mit dunklen Tönen kaschieren, sie trauen sich jetzt mehr."

Das ist sicher kein Werbeschmu. Aber paradox klingt es schon, wenn Frauen ausgerechnet das Einschnüren als ein Zeichen von Selbstbestimmung feiern. Eine Weisheit stimmt allerdings wie eh und je: Brust raus, Bauch rein.

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