30.05.12

First Gärtnerin

Michelle Obamas Kampf um die perfekte Melone

Das Buch der Präsidentengattin über ihren Küchengarten im Weißen Haus ist ein Mix aus Gesundheits-Pamphlet, Rezeptsammlung und Tagebuch. Und eines über gärtnerische Niederlagen – etwa gegen Melonen.

Foto: DAPD

Auf dem Cover ihres Buches präsentiert Michelle Obama die Früchte aus dem Garten des Weißes Hauses.

6 Bilder

Der exklusivste Gemüsegarten Amerikas, bewacht vom Secret Service samt Flugabwehrraketen und betreut von Michelle Obama selbst, ziert seit April 2009 den südlichen Rasen des Weißen Hauses.

Seit Dienstag hat der Garten, aus dem zuletzt die Partner der G-8-Chefs von der First Lady ernährt wurden, ein publizistisches Denkmal: "American Grown: The Story of the White House Kitchen Garden and Gardens Across America" (Crown Publishers; 30 Dollar) feiert ein Stück demonstrativer Selbstversorgung und Michelle Obamas Kampagne für gesunde Ernährung und Fitness ("Let's Move").

Bucheinkünfte spendet sie

Die First Lady wird in den kommenden Tagen in allen angesagten Talkshows, von Ellen DeGeneres über Jimmy Fallon und Jay Leno, für das Buch werben. Es versteht sich, dass sie daran nichts verdient; die Einkünfte gehen an die Stiftung der US-Nationalparks.

"American Grown" ist ein amerikanisches Hybridgewächs aus First-Family-Tagebuch, Gesundheitspamphlet, Rezeptsammlung und Geschichtslektion. Man erfährt, dass Präsident John Adams den Garten nicht mehr abernten ließ, als seine Wiederwahl scheiterte. Und dass Thomas Jefferson besessen war von der Züchtung einer vier Fuß (1,2 Meter) langen Gurke.

Nur fünf Kürbisse in drei Jahren

Die gärtnerischen Niederlagen der First Lady sind wohldosiert eingestreut: nur fünf Kürbisse in drei Jahren, weil die verdammten Dinger einfach nicht wachsen wollen, Insektenplagen und perfekte Melonen, die so aufregend munden wie Papiertaschentücher. Diese Solidarität im kleinen Scheitern mag allen Hobbygärtnern wohltun.

Der Familienhund Bo dürfte das am meisten fotografierte Wesen in dem Buch sein; aber auch der Hula-Hoop-Rekord der First Lady (142 Umdrehungen) ist dokumentiert. Nebenbei plaudert sie über die Einwände ihres Mannes, der den Bienenstock zu nahe an seinem Basketball-Halfcourt wähnte.

Dass die Gemüsegärtnerin, meist Ton in Ton mit den saftigen Gewächsen, auf den sorgfältig arrangierten Bildern hinreißend aussieht, versteht sich. Michelle Obama lebt, was sie predigt, in der Fitness wie in der Ernährung. Ihr Ultimatum "Kippen oder ich" bekehrte, so weit man weiß, sogar den überzeugten Raucher Barack Obama.

Ein indirekt politisches Buch

Politisch wird es in "American Grown" allenfalls indirekt. Wenn das Buch, das in seinen vier Teilen den Jahreszeiten folgt, an Eltern und Schulen appelliert, die Fettsucht der amerikanischen Kinder ernst zu nehmen, ist das ein Stück Politik.

Wenn Generalleutnant Mark Hertling, heute der kommandierende Offizier der US-Truppen in Europa, von dem dramatischen Fitnessmangel bei Rekruten berichtet, ist die nationale Sicherheit berührt: 2004 scheiterten vier Prozent der Männer und 10,5 Prozent der Frauen beim sportlichen Musterungstest; 2010 waren die Zahlen der Versager auf 47,6 und 54,6 Prozent emporgeschnellt.

Michelle Obama ist nicht naiv. Gesündere Ernährung und mehr Bewegung müssen cooler werden als Mausklicken am Computer, bevor sie Chancen bei der Jugend haben. Sie tut, was sie tun kann.

First Lady beliebter als ihr Mann

Hätte Barack Obama die Beliebtheitswerte seiner Frau, er hätte die Wahl im November schon gewonnen. Gut 70 Prozent der Amerikaner geben in Umfragen an, die First Lady zu schätzen; die Popularität des Präsidenten liegt um die 50 Prozent.

Wie man selbst das harmlose "American Grown" als linke Unverschämtheit verstehen kann, macht heute die "Washington Times" vor: "Linksliberale lieben es, anderen Leuten Vorschriften zu machen", beginnt ein Kommentar in dem konservativen Blatt. "Amerikas oberste Kinderfrau Michelle Obama ist keine Ausnahme." Die esse Pommes frites, während sie gesunde Ernährung predige. Außerdem habe ihre Vorliebe für teure Ferien allein 2010 mehr als zehn Millionen Dollar gekostet. "Für den Steuerzahler", witzelt der Kommentar, "war das etwas schwer zu schlucken."

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