18.05.12

Neue Première Dame

Valérie Trierweiler ist die Anti-Carla-Bruni

Die schöne Seite der Macht: Valérie Trierweiler und Michelle Obama stehen für eine neue Generation der First Ladies. Frankreich ist verzaubert von der Bodenständigkeit der neuen Première Dame.

Von Nina Dinkelmeyer
Foto: AFP

Frankreichs neues Power-Paar feiert den Wahlsieg.

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Wenn Karl Lagerfeld so etwas sagt, dann kommt es einem Ritterschlag gleich. Frankreichs neue Première Dame Valérie Trierweiler sei "sehr attraktiv" und "sehr elegant". Die Haute-Couture-Designerin Bouchra Jarrar fühlt sich an Schauspielerin Marie-France Pisier erinnert und fügt hinzu: "Sie könnte mich inspirieren." Auch in den Medien gerät man ins Schwärmen über Madame Trierweiler. Sie sei die Anti-Carla-Bruni, die französische Michelle Obama.

Valérie Trierweiler selbst muss bei diesem Vergleich schmunzeln. "Wenn sie jetzt sagen, ich habe Ähnlichkeiten zu Michelle Obama, dann traue ich meinen Augen und Ohren nicht", wunderte sich die 47-jährige Journalistin in ihrem ersten Interview, seit François Hollande zum neuen französischen Präsidenten gewählt worden war. Doch die beiden haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Sie stehen für eine neue, moderne Generation der First Ladies.

Präsidentengattinnen sind wichtig

Ein Spitzname kann so manches verraten. Michelle Obama nennen die Amerikaner im Englischen "Obamas Rock", seinen Felsen, seinen Anker also. Ihr ist es im Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2008 gelungen, viele unentschlossene Wähler zu gewinnen. Als der US-Präsident vor zwei Wochen in der Sporthalle der Virginia University in Richmond den Wahlkampf für seine zweite Amtszeit eröffnete, war die First Lady einmal mehr ein wesentlicher Teil seines Auftrittes. In einem leuchtenden, petrolblauen Kleid schwärmte sie von Obama, rief der Menge ein "Seid ihr bereit?" zu und machte dann das Rednerpult frei für ihren Ehemann.

Präsidentengattinnen sind nicht erst seit Michelle Obama die schöne Seite der Macht. Schon John F. und Jaqueline Kennedy machten in den 60er-Jahren gemeinsam als "Jack und Jackie" Wahlkampf. "Zwillingsgebirge" nennt die Kennedy-Biografin Sarah Bradford das Glamour-Paar. Sie waren zusammen erfolgreich, nicht zuletzt auch wegen der Lady mit der hauchenden Stimme und der aristokratischen Aura.

Das Bild der schmückenden Partnerin, zu Valérie Trierweiler passt das nicht. Als sich ein Sarkozy-Freund über Journalistinnen lustig machte, die mit Politikern zusammen sind, twitterte sie: "Wir sind vollwertige Journalistinnen, weder Trophäen noch Nutten." Und auch ihr ehemaliger Arbeitgeber, das Massenblatt "Paris Match" bekam sein Fett weg, als Trierweiler in einer Schlagzeile als "François Hollandes charmanter Vorzug" bezeichnet wurde. "Gut gemacht, Paris Match, so viel Sexismus am internationalen Frauentag", twitterte sie daraufhin.

Spitzname Rottweiler

Valérie Trierweiler arbeitete ihr halbes Leben als politische Journalistin, den Politikbetrieb kennt sie daher in- und auswendig. Ihr unnachgiebiges Wesen brachte ihr den Spitznamen Rottweiler ein. Mit ihrem Lebensgefährten François Hollande ist sie seit 2007 öffentlich zusammen, beide haben sich füreinander von ihren Ehepartnern getrennt. Verheiratet sind sie aber nicht. Trierweiler und Hollande sind das erste unverheiratete Paar an der Spitze Frankreichs. Ähnlich wie Michelle Obama wuchs auch Valérie Trierweiler in ärmlichen Verhältnissen auf, in Angers an der Loire. Der Vater war Kriegsinvalide, die Mutter Kassiererin. Valérie soll selbstbewusst gewesen sein, und auch rebellisch. Nach dem Abitur studierte sie in Paris an der Sorbonne Politikwissenschaften und wurde Journalistin.

Auch Michelle Obama hatte eine Karriere, ehe sie zur First Lady wurde: In dem Buch "Die Obamas", das Anfang des Jahres für Aufsehen sorgte, beschreibt Jodi Kantor, die Feuilleton-Chefin der "New York Times", sie als starke, selbstbewusste Frau. Als Anwältin und Absolventin der Elitenuniversität Harvard haderte auch sie mit ihrer neuen Rolle. Die ersten Monate im Amt hätte sie sie gar gehasst. Und in Amerika wurde man auch nicht so richtig warm mit seiner neuen First Lady.

Doch sie fand ihre Aufgabe in kleinen Projekten, die sie direkt verwirklichen konnte, wie etwa ein Fitnessprogramm für Kinder. Als sie bei einem PR-Termin Gemüse pflanzte, waren am nächsten Tag alle Ratgeber für Gemüsegärten ausverkauft. Nicht zuletzt auch wegen ihrer öffentlichen Auftritte, gelang es ihr, Amerika für ihr freches, mutiges Wesen zu gewinnen. Was sie bei offiziellen Auftritten trug, begeisterte und elektrisierte die Amerikaner.

Leuchtend bunte Farben sind seitdem ihr Markenzeichen. Von knallpink bis zitronengrasfarben – "Mrs. O", wie man sie in Anlehnung an "Jackie O." nennt, hat Mut zur Individualität. Sie verhalf jungen, aufstrebenden Designern wie Isabel Toledo, Maria Pinto und Jason Wu zu einem Bekanntheitsschub.

Ihre unnahbare Aura verzaubert

Valérie Trierweiler ist ebenfalls stets elegant gekleidet. Von sich selbst sagt sie, sie hätte die "hohen Hacken" nicht mehr abgelegt, seit sie ein 15-jähriger Teenager gewesen sei. Doch von Haute Couture hält sie wenig. Während ihre Vorgängerin Carla Bruni meist auf Dior und Chanel schwor, unvergessen ist etwa ihr Jackie-Kennedy-Look mit grauem Pillox-Hut beim Staatsbesuch in London im Jahr 2008, bekennt Madame Normalo ganz bodenständig im Interview mit der "Times": "Ich trage prêt-à-porter." Vor allem die Massenmarken George Rech und Apostrophe hätten es ihr angetan.

In Frankreich ist man trotzdem verzaubert. Wegen ihrer unnahbaren Aura, ihrer kastanienbraunen Lockenmähne und ihren hohen Wangenknochen nennt man sie in Paris "die Herzogin". Natürlicher sei sie als die drei Jahre jüngere Carla Bruni und daher noch schöner. Haben Valérie Trierweiler und François Hollande das Zeug zum neuen Glamour-Paar? In dieser Rolle fühlen sich beide nicht wohl.

Schon im Wahlkampf stellte Hollande klar: "Ich werde mich den Franzosen allein präsentieren. Allein. Es geht hier nicht um ein Paar, sondern um eine Person, die die Menschen von ihren Ideen überzeugen muss." Es war eine deutliche Ansage an das vermeintliche Power-Paar Nicolas Sarkozy und Carla Bruni, das die Öffentlichkeit liebte, von der Öffentlichkeit für ihre Offenherzigkeit aber nicht zurückgeliebt wurde. Zu einer zweiten Jackie Kennedy wurde das ehemalige Topmodel Carla Bruni trotz optischer Referenzen nie. Zu gefestigt war ihr Bild als männermordendes Mannequin und Chanson-Sängerin.

Sie hat Einfluss auf ihren Partner

Und doch: Den Ruf als Power-Paar haben auch François Hollande und Valérie Trierweiler. Die Journalistin soll dafür verantwortlich sein, dass sich ihr zehn Jahre älterer Liebhaber vom pummeligen "Pudding" zum aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten wandelte.

Wie auch Michelle Obama soll sie einen erheblichen Einfluss auf ihren Lebenspartner haben. Auch politisch. Deswegen werden wir wohl von Frankreichs neuer Prémiere Dame noch einiges hören. Sie selbst fasst ihre neuen Aufgaben so zusammen: "Ich will das Bild Frankreichs repräsentieren, dort lächeln, wo es nötig ist, gut gekleidet sein, aber mich nicht darauf beschränken."

Foto: REUTERS

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