Kochkunst
Aus dem Tagebuch des Gastro-Magiers: "Ein Tag im elBulli"
Dienstag, 17. März 2009 13:00 - Von Franz Michael RohmFerran Adrià wird als kreativster Koch der Welt gehandelt. Wie kein zweiter revolutionierte der seit Jahren mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Katalane die Welt der Kochkunst. Mit wie viel Experimentieren, Probieren und Diskutieren, Verwerfen und erneutem Experimentieren er zur Sache geht, dokumentiert das Buch "Ein Tag im elBulli", das am 9. März erscheint.
Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Ferran Adrià mit seinem Bruder Albert und Restaurantchef Juli Soler in diesem Restaurant, gelegen in herrlicher Umgebung an der Costa Brava, nicht weit von Barcelona entfernt. Dort serviert ein Team von fünfzig Mitarbeitern einer gleichen Anzahl von Gästen bis zu drei Dutzend Gänge der "Metaphoric Cuisine". Seine Küche der Verwandlung verändert Lebensmittel mit Hochtechnologie wie flüssigen Stickstoff oder Geliermittel in bestaunenswerte Kreationen. So serviert Adrià Melone mit Schinken als Schinkensaftreduktion mit Melonenkaviar im Sektglas, er frittiert Sherry, reicht Anchovis-Joghurt oder im Mund platzende Magic Balloons mit Spargel-Trüffel-Geschmack.
Von Beginn an polarisierte der 46-jährige Geschmacks-Verrückte: für die einen ist er mit seinen Espumas, Kaviars, Magic Balloons, Gelees und gefriergetrockneten Zutaten ein genialer Schöpfer immer neuer Genuss-Erlebnisse, für die anderen stellt seine Küche unnötigen Chemieunterricht-Schnickschnack dar. Die Nachfrage nach Plätzen in seinem Restaurant ist jedenfalls gigantisch: den etwa 8000 Plätzen pro sechsmonatiger Saison stehen angeblich zwei Millionen Anfragen gegenüber. Mit geradezu messianischem Eifer verbreitet er die Lehre seiner Metaphoric Cuisine - mit Erfolg. Adriàs verrückte Kreationen und mittels "Texturas" genannter Zutaten in andere Aggregatzustände transformierte Speisen halten zunehmend Einzug in die "normale" gehobene Küche. Im Frühjahr ist gar die Eröffnung eines nach Adrià-Grundsätzen arbeitenden Restaurants in Berlin-Mitte geplant.
"Ein Tag im El Bulli" ist kein Buch, vielmehr ist es ein mehr als drei Kilo schweres Kunstwerk mit mehr als 500 Seiten - und doch ein anmutiges Tagebuch des berühmtesten Kochs der Welt. Es sind vor allem die Fotografien von Maribel Ruiz de Erenchun, die Adriàs Philosophie, seine Arbeitsweise und Ideenwelt teils lakonisch, teils in geradezu magischer Intensität illustrieren. Dazu erhält man mit gesondert in kleinerem Format eingehefteten Texten zahlreiche Informationen über die Entwicklung des Kochs und seiner Küche. Als weiterer Service finden sich auf etwa hundert Seiten detaillierte Rezepte mit genauen Präsentations-Vorgaben.
"Ein Tag im elBulli", Phaidon Verlag Berlin, 527 Seiten, 49,90 Euro, www.phaidon.de
Am 19. März präsentiert Adrià um 19.30 Uhr sein Buch im Radialsystem, Holzmarktstraße 33 in Friedrichshain, Karten 12, erm. 10 Euro, Bestellung: Tel. 288 78 85 88, www.radialsystem.de
Erschienen am 07.03.2009
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