Günther Jauch

Günther Jauch und der Besuch des fröhlichen Al-Nur-Predigers

Bei Günther Jauch ging es um den Islam in Deutschland – und um die Angst vor ihm. Neben Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky war ein Imam zu Gast – und lief zu großer Form auf.

Foto: ARD Screenshot

Das war schon eine erstaunliche Begegnung in der Talkrunde am Schöneberger Gasometer am Sonntagabend: Da saß zum einen Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), der sich mit seinen freimütigen Kommentaren zum Stand der Integration in Berlin schon längst über dessen Grenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Und da war zum anderen Abdul Adhim Kamouss, ein muslimischer Imam.

Das Thema der Sendung lautete: "Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime?". Jauch bemerkte gleich zu Beginn, dass wohl kaum jemand unter den Zuschauern wisse, wer Kamouss sei. Und selbst Buschkowsky, Tag für Tag qua Amt mit dem Thema befasst, musste passen: mit Vertretern des Salafismus, also mit einer besonders radikalen Spielart des Islam, habe er noch nie zu tun gehabt.

Das erstaunte dann doch, denn die Al-Nur-Moschee in Neukölln, in der Kamouss unter anderem predigt, ist selbst jenen bekannt, die nur aus ferner Perspektive auf die Probleme im Bezirk blicken. Mehrfach soll in dem Gotteshaus an der Haberstraße zur Auslöschung Israels aufgerufen worden sein. Es wurde häufig als Refugium für Hardliner beschrieben, die sich im ärgsten Fall auch zum Dschihad ausbilden lassen. Das geißelte Buschkowsky dann auch – mit Hinweis auf seinen gesteigerten Blutdruck übrigens –, musste sich aber von Kamouss erklären lassen, er könne doch nur für sich sprechen und da sei alles in Ordnung.

So blieb die Diskussion leider etwas abstrakt – und für den Berliner Zuschauer unbefriedigend. Kamouss argumentierte, mit der Radikalisierung in der Moschee nichts zu tun zu haben – und warnte vor einer grassierenden Islamophobie in Deutschland. Das wurde umso grotesker, je länger es dauerte. Und es zwang Günther Jauch erstens zu der Bitte, hier keine Predigten zu halten – und zweitens zu dem Hinweis, der in der Tat erstaunlich laute Applaus gehe "immer von denselben zwei Leuten in der ersten Reihe" aus

Einen eingespielten Film, der ihn beim Vertreten klar frauenfeindlicher Positionen zeigte, kommentierte der Imam mit dem Hinweis: "Man entwickelt sich". Das Video sei ja zehn Jahre alt und er habe sich gewandelt. Ein schaler Eindruck blieb.

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