25.02.13

85. Academy Awards

Iran protestiert gegen Oscar-Gewinner "Argo"

Der CIA-Thriller "Argo" von Ben Affleck hat den Oscar als bester Film gewonnen. Proteste aus dem Iran ließen nicht lange auf sich warten.

Foto: dpa

Traumpaar in Hollywood: Ben Affleck und Ehefrau Jennifer Garner

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Ben Affleck hat mit seinem Polit-Thriller "Argo" den Oscar für den besten Film abgeräumt. First Lady Michelle Obama selbst verkündete die Auszeichnung – prompt gab es Proteste aus dem Iran.

Österreich jubelte in der Nacht zu Montag gleich über zwei Oscars für Schauspieler Christoph Waltz ("Django Unchained") und den Film "Liebe" von Regisseur Michael Haneke.

Der "Lincoln"-Mime Daniel Day-Lewis wurde zum dritten Mal in seiner Karriere als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet – ein Rekord.

Adele holte mit "Skyfall" den ersten Oscar für einen James-Bond-Song, und Ang Lees opulente Romanadaption "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" wurde mit vier Auszeichnungen, darunter für die Regie, zum erfolgreichsten Film der 85. Academy Awards.

Große und ungewöhnliche Ehre für Ben Affleck

"Argo" ist eine sehr amerikanische Geschichte und zeichnet die Geschehnisse um die tatsächliche Rettung von US-Geiseln in Teheran 1980 nach. Auch die Bekanntgabe der Auszeichnung war sehr amerikanisch: Michelle Obama verkündete per Live-Schaltung aus dem Weißen Haus den Oscar für "Argo" in der Königskategorie. Eine große und ungewöhnliche Ehre für Regisseur, Hauptdarsteller und Koproduzent Affleck, dessen Thriller insgesamt drei Preise gewann.

Der Iran sieht die Vergabe des Oscars für "Argo" politisch motiviert. Die Nachrichtenagenturen Mehr und Fars schrieben, die politische Dimension des Preises sei besonders deutlich geworden, indem First Lady Michelle Obama live aus dem Weißen Haus zugeschaltet wurde und den Oscar für Ben Afflecks Polit-Thriller verkündete. Es stelle sich die Frage, warum das ausgerechnet dann geschehe, "wenn ein anti-iranischer Film ausgezeichnet wird".

Ein Protest, der dem Film in den USA wohl eher Aufwind geben dürfte.



Der Iran hatte schon vor der Verleihung den Verdacht geäußert, die sieben Oscar-Nominierungen für "Argo" hätten politische Gründe. Kultusminister Mohammed Hosseini hatte gesagt, das Werk habe sowohl technisch als auch künstlerisch die Preise nicht verdient.

Das Land plant einen Gegenfilm zu "Argo". Darin sollen die Ereignisse vor 33 Jahren aus iranischer Sicht erzählt werden, als sechs Geiseln in Teheran mit Hilfe von CIA-Agenten und Hollywood-Produzenten aus dem Land geschmuggelt werden konnten.

Spielbergs Historiendrama "Lincoln" enttäuschte

Ein anderes uramerikanisches Filmprojekt enttäuschte hingegen bei der Oscar-Verleihung: Spielbergs Historiendrama "Lincoln" war mit zwölf Nominierungen als Top-Favorit ins Rennen gegangen, holte aber nur zwei der Goldstatuen. Immerhin konnte der Brite Daniel Day-Lewis als US-Präsident Abraham Lincoln die Filmakademie überzeugen.

Die Gala in Hollywood war auch ein großer Abend für den österreichischen Film. Gleich zwei Trophäen des wichtigsten Kinopreises der Welt gehen in das Nachbarland Deutschlands: Michael Haneke holte den Auslands-Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film mit seinem stillen Werk "Liebe" und sicherte sich mit 70 Jahren seine erste Goldstatue.

Für den deutsch-österreichischen Schauspieler Christoph Waltz gab es hingegen schon den zweiten Oscar. In dem Western "Django Unchained" spielt er - wie schon bei seinem ersten Erfolg "Inglourious Basterds" 2010 - eine Nebenrolle unter der Regie von Quentin Tarantino. Der US-Regisseur sicherte sich zudem den Drehbuch-Oscar.

Beste Hauptdarstellerin wurde etwas überraschend Jennifer Lawrence (22) für ihre Rolle in dem Film "Silver Linings". Sie stach damit die hochgehandelte Emmanuelle Riva (86/"Liebe") aus. Beste Nebendarstellerin ist Anne Hathaway (30) im Musical "Les Misérables", das insgesamt auf drei Auszeichnungen kam; für Lawrence und Hathaway sind es die ersten Oscar-Ehren.

Die amerikanische Filmakademie präsentierte eine gelungene Gala mit sehr viel Musik und einem gut aufgelegten Moderator. Der US-Schauspieler Seth MacFarlane überzeugte bei seiner Oscar-Premiere die Star-Gäste im Dolby Theatre ebenso wie die Zuschauer weltweit mit ironischen, aber niemals zynischen Witzeleien.

Quelle: dpa/sei
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