21.01.13

Konzert in Berlin

"Song geschreibt" - Aimee Mann patzt charmant im C-Club

Die US-Singer-Songwriterin Aimee Mann spielte im ausverkauften Berliner C-Club - und leistete sich dabei drei charmante Schnitzer.

Foto: picture alliance / dpa

Die Singer-Songwriterin Aimee Mann verzauberte das Berliner Publikum mit ihren Songs wie „Save me“, „One“ und „Wise up“
Die Singer-Songwriterin Aimee Mann verzauberte das Berliner Publikum mit ihren Songs wie "Save me", "One" und "Wise up"

Der Abend mit Aimee Mann war schon deswegen fantastisch, weil sie sich drei Patzer leistete: einen am Anfang, einen in der Mitte und bei der Zugabe noch einmal, aber jede dieser Momente machten die Frau mit der warmen Stimme und den traurigen Texten nur noch sympathischer.

So sehr, dass die rund 800 Zuschauer im ausverkauften C-Club die Sängerin gar nicht mehr von der Bühne lassen wollen. In ihren Songs des neuen, mittlerweise achten Albums "Charmer" geht es schließlich auch um Dinge, die nicht perfekt sind: Eine Frau, die sich als Hündchen eines Mannes sieht ("Labrador"), ein Paar, das sich seit Jahren gegenseitig betrügt ("Living a Lie") und ein Mann, der doch bitte lieber mal seine Tochter anrufen sollte, als bei einer Frau zu sein ("Gumby").

Schwarze Lederjacke und Sprachbarrieren

Sie singt diese Lieder so intensiv, erzählt Geschichten dazu, dass die CD-Aufnahme dahinter verschämt zurücktritt. Doch der erste Fehler von Aimee Mann passiert noch vor ihrem eigentlichen Auftritt: Die US-Sängerin mag offenbar den Sänger Tod Leo der Vorband und spielt nicht nur für ihn am Bass, sondern singt ein erstes Duett.

Davor sagt sie auf Deutsch: "Ich habe mit ihm zusammen einen Song geschreibt" und fragt gleich danach: "Sagt man das so?" Ein freundliches "Geschrieben!" wird ihr zugeraunt, dritte Person Perfekt von "schreiben". Aber alle haben in diesem Augenblick verstanden, dass die blonde Frau mit der schwarzen Lederjacke es ernst meint, sich offenbar mit der deutschen Grammatik auseinandergesetzt hat. Sie hat einen eigenen Satz gebildet, mit dem Verb am Ende und dem "t" an der normalerweise richtigen Stelle.

"Ihr seid fantastisch"

Sie wird den ganzen Abend immer wieder auf Deutsch reden, eher mit einem finnischen Akzent als einem Amerikanischen Einschlag. Sie hat schon einmal im Film "Big Lebowski" eine Deutsche gespielt, aber das erklärt nicht, warum sie so flüssig Komplimente an das Publikum verteilt, wie "Ihr seid fantastisch" oder "Ich bin total froh bei Euch". Nur in solchen Situationen wird sie lächeln, denn wenn sie ihre traurigen Texte singt, zeigen ihre Mundwinkel eher nach unten und sie öffnet ihren Mund nur wenig.

Das passt besonders zu den Liedern aus ihrem bekanntesten Album "Bachelor No.2", das vor 13 Jahren erschienen ist. Die nachdenklichen Lieder "Save me", "One" und "Wise up" kommen in dem Film "Magnolia" vor, ja werden dabei zum Teil von den Schauspielern wie in einem Musikvideo vorgetragen.

An diesem Sonntagabend im C-Club sind es nicht Tom Cruise oder Julianne Moore, die ihre Lippen synchron zum Text bewegen ("Es wird niemals aufhören, es sei denn du lernst endlich daraus"), es ist das Publikum, dass stumm die Lippen mitbewegt. Es ist das elfte Lied des Abends und auch der Moment, der später in der Schlange zur Garderobe allen zuerst einfällt.

Dabei ist selten ein Publikum so heterogen bei Konzerten: Von Studenten in Hawaiihemden über freundliche Outdoorjacken-Pärchen bis hin zu muffeligen "Ich kann nichts sehen, wenn Sie da stehen"-Schimpf-Berlinern war alles dort in diesem Raum, die meisten dunkel gekleidet, wie die Sängerin selbst.

Fünf Zugaben und kein Keyboard

Auffällig nur, dass keine Motto-T-Shirt-Träger dabei waren. Alle konnten sich darauf einigen, dass Aimee Mann mehr kann, als ihr manche Musikkritiker ("klingt alles so gleich und Supertramp konnte das alles besser") vorwerfen.

Nach jedem Lied wurde der Applaus noch länger und stärker und selbst als sie "Goodbye Caroline" noch einmal von vorn beginnen muss (Patzer Nummer zwei), jubeln alle, weil das eben auch bedeutet, dass Aimee Mann noch etwas länger auf der Bühne stehen wird.

Der dritte und schönste Fehler passiert aber nicht ihr, sondern ihrem Keyboarder. Offenbar rechnet er nicht damit, dass sie fünf (!) Zugaben spielen und schaltet sein Instrument schon aus.

"Wir müssen warten, bis das Keyboard geladen ist" – das sagt Aimee Mann nicht, sondern singt es, ein Lied, das genau so auch auf ihrem Album noch gefehlt hätte: etwas Leichtes, Fröhliches, gesungen mit einem Lächeln. Aber man sollte Aimee auch nicht zu viel positive Energie abverlangen, diese Warnung hat sie schließlich im Song "Deathly" versteckt: "Noch eine weitere Nettigkeit wäre: tödlich."

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