08.02.13

Kokowääh 2

Til Schweiger veranstaltet in Berlin die Anti-Berlinale

Einen Tag vor Beginn der Berlinale startet Kokowääh 2 – eine romantische Komödie, bei der auch das Arthouse-Kino mächtig angegriffen wird.

Foto: Warner Bros. Ent.

Einer ist immer der Kloputzer: Til Schweiger (l.) und Samuel Finzi
Einer ist immer der Kloputzer: Til Schweiger (l.) und Samuel Finzi

Neben dem Kino 9 im Cubix am Alexanderplatz ist am Mittwochabend die Herrentoilette verwaist. Das leere Herren-WC muss unbedingt am Anfang erwähnt werden, denn wer mit Ausscheidungen jeglicher Art nicht umgehen kann, der sollte sich "Kokowääh 2" und das Lesen darüber ohnehin sparen. Das Klo ist leer, weil in Kino am Mittwoch "Cineladies" stattfindet, ein Abend, der vornehmlich Frauen zur Zielgruppe hat.

Es gibt Sektchen für alle, die Mädchen-Zeitschrift Maxi gratis und bevor der Film beginnt, werden noch lustlos Preise verlost. Der Moderator verwechselt beim Quiz "die Lea" mit "der Kathi" und erst als die letzte Til-Schweiger-DVD, die Konzertkarten, Basejumping-, Kochkurs- und Restaurantgutscheine verlost sind, beginnt der Film.

Um es kurz zu machen: Mit "Kokowääh 2" wird Til Schweiger sicherlich an seinen 4,3-Millionen-Erfolg vor zwei Jahren anknüpfen. Schon damals gab es keine Pressevorführungen, wenig Filmkritiken und Schweiger konnte allen zeigen, dass es auch ohne geht. Wer braucht schon diese Filmfestivals.

Demonstrativ werden in "Kokowääh 2" auch nur die "großen Festivals" in Venedig und Cannes erwähnt – obwohl im Film immer wieder der Berliner Fernsehturm zu sehen ist. Trotzdem wird er sein Publikum finden, er ist pointenreich, schnell, alles andere als abgehoben, außerdem geht es um die große Liebe, süße Kinder rollen mit großen Augen und am Ende sind alle glücklich.

Im Kern geht im Film um Henry (Til Schweiger), der Familie (Freundin und zwei Kinder) und Beruf (Filmproduzent) nur schwer vereinen kann. Irgendwann stellt ihn seine Freundin (Jasmin Gerat) vor die Wahl: "Ich bin nicht nur Muttertier und Hausfrau", sagt sie. "Aber ich gehe, weil ich will, dass wir eine zweite Chance haben." Das sind so Sätze, die genauso lustlos gelesen klingen, wie sie im Film aufgesagt werden. Aber Arthouse-Filme, also auch: Berlinale-Filme, schaut ja laut Til Schweiger / Henry ohnehin niemand.

Und genau dieser selbstbewusste Humor ist wie bei Mario Barth das Erfolgsrezept von "Kokowääh": Männer sind Dobermänner und Frauen sind – einfach kompliziert. Schweiger will nah beim Publikum sein. Nur, wer sagt eigentlich heute noch: "Ich glaub, mein Schwein pfeift" oder "Was soll'n das werden, wenn's fertig ist?" Für Kinder war schon der erste Teil nur bedingt geeignet, auch wenn besonders Dreijährige großen Spaß dabei hätten, wenn Erwachsene auf der Leinwand mit Exkrementen werfen.

Im Berliner Cubix jedenfalls kommt trotz Sektchen nicht jeder Gag an. Eine flüstert: "Das ist ja wie American Pie." Als Henrys Tochter (gespielt von Schweigers Tochter Emma) sich Marmelade in ihre Unterhose tröpfelt, damit ihr Vater denke, sie habe die Periode, geht das für die 500 Cine-Ladies zu weit. Einige tuscheln, ob das komisch sein soll.

Aber diese Episode wird überdeckt von einer lauten Beleidigung oder einem Satz, der mit "Vögeln" endet. Beim Happy End ruft das Publikum trotzdem berührt "Ooooch" und da versteht man, warum Schauspieler wie Julia Jentzsch und Matthias Schweighöfer bei dieser Anti-Berlinale mitmachen. Sie wollen auch, dass Leute nach dem dem Kino an der Kloschlange sagen: Das war – nett.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
title
Aktualisiert vor 8 MinutenHellersdorf
Mädchen vermisst – Berliner Polizei sucht achtjährige Sharlyn

In Hellersdorf wird seit Montagvormittag ein Mädchen vermisst. Die Suche nach der Achtjährigen blieb bisher erfolglos. Die Polizei hat ein Foto veröffentlicht und bittet um Mithilfe. mehr...

Astronomie
19:00Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Dienstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Dienstag, den 21. Mai. mehr...


Die kilometerlangen Rohrleitungen gehören zur Brandschutzanlage des BER-Terminals. Erst wenn sie stabil funktioniert, darf der neue Flughafen eröffnet werden
20:59Sprinkleranlage
Am BER tut sich was – Erstes Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...


Kupferklau an Bahnschienen: Die Polizei kontrolliert einen Abschnitt in Marzahn
15:55Kriminalität
Metalldiebstahl – Kampf gegen die Wilderer der Großstadt

Erdungskabel, Grabplaketten: Vor Metalldieben ist nichts sicher. Die Deutsche Bahn registrierte 2012 Schäden von 17 Millionen Euro. Die Polizei fahndet mit modernster Technik. Wir haben sie begleitet. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados verwüsten vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote