Bosnien-Drama
Berlinale macht aus Jolie eine große Regisseurin
Mit ihrem Regiedebüt hat die US-Schauspielerin Angelina Jolie Mut bewiesen. Das Drama über den Bosnienkrieg zeigt, dass der Glamour-Star auf der Berlinale zu einer ernst zu nehmenden Filmemacherin geworden ist.
Von Peter Zander
Diese Berlinale gehört ganz klar Angelina Jolie. Wenn sie Montag abreist, können wir eigentlich auch die Koffer packen. Miss Jolie hat nicht nur ihr Regiedebüt vorgestellt; das haben andere Mega-Stars auf der Berlinale auch schon getan, und das konnte – siehe Madonna – ganz schön enttäuschend sein. Aber nein, La Jolie ist nicht nur ein beachtliches Debüt gelungen, sie hat sich an ein heißes Eisen gewagt, ein Drama über den Bosnienkrieg, aus der Perspektive bosnischer Frauen, die von Serben verhöhnt, vergewaltigt und ermordet werden.
Eigentlich ist es beschämend: Erst muss ein Glamour-Star aus dem fernen Hollywood kommen, um einen solchen Film zu realisieren. Es gibt nur wenige Filme zum Thema aus Europa, Hans-Christian Schmids "Sturm" (Berlinale 2009) und Jasmila Zbanics "Esmas Geheimnis" (Berlinale 2006); aber sie handeln von den Folgen, den nie verheilten Wunden. Jolie ist an den Ort des Geschehens gegangen, hat mit Schauspielern der Region auf Bosnisch gedreht. Und es ist absurd: Zbanics "Geheimnis" hat 2006 zwar den Goldenen Bären gewonnen, aber in unseren Kinos keine 70.000 Zuschauer gehabt. Weil aber über "In the Land of Blood and Honey" Jolies Name steht, werden die Massen ins Kino drängen.
Wir haben Jolie unterschätzt
So war es schon bei der Premiere im neuen Berlinale-Kino, dem Festspielhaus. Es ist schon absurd: Drei Viertel der Leute kamen, um ein Handyfoto ihres Stars zu machen. Aber Jolie nutzt ihre Popularität, um die Fans zu zwingen, diesen, wie sie selbst sagt, unerträglichen Film zu sehen. Auch im anschließenden Gespräch mit Jasmila Zbanic gibt sie sich erstaunlich progressiv und politisch.
Wir müssen uns entschuldigen: Wir haben Jolie unterschätzt. Haben sie zu sehr auf Rollen wie "Lara Croft" reduziert und auf die bessere Hälfte von Brangelina. Ihr Mann Brad überließ die Bühne ihr allein. Und dort postulierte sie kämpferisch, der Film musste so unerträglich werden, dass jeder hofft, es müsse aufhören. Sie wollte ihrer Ohnmacht, dem Gefühl, nichts machen zu können, etwas entgegensetzen. Das geht weit über den historischen Fall hinaus, das ließe sich auch aktuell auf Syrien übertragen. Vergessen wir den Glamour-Star. Auf der Berlinale ist aus Jolie eine ernst zu nehmende Filmemacherin geworden.
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