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12.02.12

Berlinale 2012

Wie die Japaner Fukushima auf die Leinwand bringen

Gleich drei Dokumentarfilme berichten auf der Berlinale aus Fukushima. Nach der Tsunami- und Nuklearkatastrophe ist das Leid der Bewohner noch nicht zu Ende.

Von Cosima Lutz

Noch kein Jahr ist es her, als die Tsunami- und Nuklearkatastrophe über Japan hereinbrach. Die Flut der Nachrichtenbilder ist bei uns erst einmal verebbt, aber wie sieht es dort inzwischen eigentlich aus? Hat sich Japan verändert?

Das wollen japanische Filmemacher im Moment vor allem selbst herausfinden ( Doris Dörrie will dort aber auch bald drehen, hat sie verraten). Gleich drei Dokumentarfilme im Forum berichten aus dem gebeutelten Landstrich, wo für die teils noch immer evakuierten Bewohner der Schrecken noch lange nicht zuende ist.

Alle drei Beiträge ähneln einander, indem sie sich angesichts der unfassbaren Schuttlandschaften in zuviel Text verfransen. Da spricht der Musikvideofilmer Iwai Shunji in seinem sehr persönlichen "friends after 3.11" mit seinen Freunden über alles Mögliche: die demokratisierende Kraft von Twitter, die Selbstmordrate in Japan , Erinnerungen an den Tsunami. Handybilder von davonschwimmenden Autos und das tränenüberströmte Gesicht einer hübschen Schauspielerin unterlegt er mit sentimentaler Musik – Geschmackssache.

Einen ästhetisch entschlosseneren Zugriff wagt Fujiwara Toshi in "No Man's Land": Zwar versucht auch er, die driftende Bestandsaufnahme durch eine zentrale Figur – sich selbst als Wanderer – zu bündeln. Doch er entrückt das Gesehene zusätzlich ins Universelle. Aus dem Off erklingt in beschwörendem Ton ein poetisch-reflexiver Text über das Verhältnis von Mensch und Natur und den nationalen Hang zum Untergang schon vor Fukushima.

Auch das gerät manchmal ein wenig zu dick. Solange sie alle reden, bleibt alles im Erkenntnisrahmen einer ausufernden, wenn auch berührenden TV-Reportage. Doch dann passiert inmitten der Schwemme an Text, Gesichtern und Schutt doch noch so etwas wie – man möge verzeihen – eine Kernschmelze des Kino-Bildes, und zwar in Funahashi Atsushis "Nuclear Nation". Schrecklich konkret wird der "Limbus", in dem sie hier alle leben, Mensch oder Tier, erst im Schweigen angesichts eines ausgelöschten Ortes.

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