Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
12.02.12

"Don - The King is Back"

Shah Rukh Khan präsentiert Berliner Bollywoodfilm

Indiens Megastar Shah Rukh Khan spielt in dem Action-Thriller "Don – The King is Back" einen asiatischen Mafiaboss, der seine Raubzüge nach Deutschland ausdehnt. Der Film wurde auch in Berlin gedreht. Auf der Berlinale wurde Khan am Abend begeistert von seinen Fans gefeiert.

© Reuters/REUTERS
Cast member Shah Rukh Khan arrives for screening of movie "Don - The King is back" at the 62nd Berlinale International Film Festival in Berlin
Kam wegen Krankheit verspätet nach Berlin: Shah Rukh Khan.

Vielleicht wird uns jetzt erst richtig klar, was wir mit Tom Cruise verloren haben. Der wollte bekanntlich seine "Mission: impossible 3" in Berlin drehen, wurde hier aber bei der Locationsuche abgeschreckt. Am Ende wich er nach Rom aus. Da ist Berlin ein echter Action-Auftritt verloren gegangen. Aber das kann der Stadt egal sein. Denn dafür hat sie nun "Don – The King is Back", den ersten Bollywoodfilm, der je in Deutschland gedreht wurde. Am Sonnabend hatte er als Berlinale-Special Premiere, nächste Woche schon kommt er in die Kinos. Mögen Tom Cruise oder Brad Pitt in der westlichen Welt als größte Stars gelten, die größte Fangemeinde weltweit hat Bollywood-König Shah Rukh Khan. Khan aber, das ist nicht ohne Ironie, hat sich mit "Don" so etwas wie eine eigene "Mission: impossible"-Reihe kreiert, eine verkehrte indes, denn er spielt keinen Alternativ-Bond, der die Welt rettet, sondern den Boss einer Indien-Mafia, der die Polizei an der Nase herumführt.

Berlin vindaloo: extrascharf

Khan wurde bei uns vor allem bekannt als braver Vorzeigeschwiegersohn in Bollywoodmusicals der Neunziger, seine Karriere begann er aber mit echten Schurkennummern. Und es scheint, als sehnte er sich nach all den Sympathiefiguren der jüngeren Zeit nach dem alten Übel zurück. So hat Khan vor fünf Jahren erstmals den "Don" gespielt, der noch in Kuala Lumpur spielte, also im asiatischen Markt. Jetzt, im zweiten Teil – den man auch verstehen kann, ohne den ersten kennen zu müssen – hat er es auf die westliche Welt, auf die deutsche Hauptstadt abgesehen.

Und lange ist Berlin in einem Film nicht mehr so gut herübergekommen wie hier, nicht mal im US-Thriller "Unknown Identity" auf der vergangenen Berlinale. Die Stadt gilt ja gemeinhin als ausverfilmt; die armen Location-Scouts haben es immer schwerer, neue, unverbrauchte Drehkulissen zu finden. So ungeniert wie "Don"-Regisseur Farhan Akhtar ist aber schon lange keiner mehr vorgegangen. Er drehte vergangenen Herbst an den prominentesten touristischsten Ecken. Konspirative Treffen hält man im Olympiastadion, am Reichstagsufer und auf dem Oberdeck eines Touristenbusses, der durch die historische Mitte fährt, ab. Ein Action-Höhepunkt ist am Alexanderplatz ein Sprung des Helden vom Dach des Park Inn Hotels in die Tiefe; eine Autoverfolgungsjagd hetzt quer durch die Stadt und endet in einem Massencrash vor dem Brandenburger Tor. Berlin vindaloo, extrascharf. Die Inder scheinen dabei nicht ganz stadtplanfirm zu sein, Plot und Verfolgungen gehen seltsame Wege. Aber dieses Phänomen kennt man auch aus anderen Stadtfilmen.

Wie bei jedem "Mission: Impossible"-Film gibt es auch hier einen spektakulären Einbruch in ein vollüberwachtes Gebäude. In Berlin ist das: die "Deutsche Zentralbank", in der man es auf die Druckplatten von 100- und 200-Euroscheinen abgesehen hat. Es hat in der anhaltenden EU-Krise etwas Tröstendes, dass die Inder den Euro für so stark halten, dass es sich lohnt, die Währung anzugreifen. Andere Schurken sitzen aber auch in der europäischen Hochfinanz: "Wir Inder", heißt es einmal, "sind überall."

Die Deutschen selbst sind in diesem Film nur bessere Handlanger. Der einzige deutsche Star ist: Berlin. Trotzdem darf es sich die hiesige Filmszene auf ihre Fahnen schreiben, dass sie den üblichen Bollywood-Durchschnitt deutlich übertroffen hat. "Don 2" ist nicht so bollywoodesk, es wird weniger gesungen und fast gar nicht getanzt, wie man das sonst aus Mumbais Traumfabrik kennt, und mit 144 Minuten ist das Epos vergleichsweise kurz. Im Vergleich zum ersten "Don" aber fallen die Action- wie auch die Kampfsequenzen deutlich realistischer und atemberaubender aus. Und auch der eher gemächliche Shah Rukh Khan wirkt viel sportiver. Wolfgang Stegemann, der einen der Handlanger spielt, ist hauptberuflich Kampfchoreograph und hat einen Kampfstil perfekt auf King Khan abgestimmt. "Don – The King is Back" ist also ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen: Bollywood lässt Berlin gut aussehen und Berlin Bollywood überzeugender rüberkommen. Mag Dietls "Zettl" doch nicht der Berlin-Film des Jahres geworden sein, als Trostpflaster gibt es, nur zwei Wochen später, diesen schnittigen Unterhaltungsfilm.

Erkälten darf man sich nur in Berlin

"Don 2" ist eine perfekte Berlin-Werbung. Und sie dürfte, das hat Shah Rukh Khan schon bei den Dreharbeiten prophezeit, einen wahren Reiseboom von Indern in die Hauptstadt auslösen. Ausgerechnet Khan aber hätte die Anreise zur Premiere nun fast gecancelt. Ein Tiefschlag für die Berlinale: Angelina Jolie und Shah Rukh Khan, die oberste Liga aus Holly- und Bollywood, diese Premieren waren nicht zufällig auf denselben Tag terminiert. Dann die Hiobsbotschaft, Khan sei erkrankt. Festivalchef Kosslick meinte verschnupft, erkälten könne man sich in Berlin, aber doch nicht in Mumbai. Die Pressekonferenz des Films fand am Freitag noch ohne Khan statt. Der kam einen Tag später aber doch, rechtzeitig zur Premiere. Und die Fans belagerten den Friedrichstadtpalast. Auch für den deutschen Markt kann man konstatieren: Bollywood siegt über Hollywood, Shah Rukh über Brangelina.

Wiederholung : Friedrichstadtpalast, Sonntag (12.2..2012), 12 Uhr

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote