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Berlinale 2010

Hanna Schygulla erhält Goldenen Ehrenbären

Hanna Schygulla ist auf der Berlinale für ihr Lebenswerk mit einem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet worden. Die Schauspielerin nahm den Preis von Festival-Chef Dieter Kosslick entgegen. Die Laudatio hielt Regisseur Fatih Akin, mit dem Schygulla den Film "Auf der anderen Seite" gedreht hatte. Berühmt wurde Schygulla mit Fassbinder-Filmen wie "Die Ehe der Maria Braun" und "Lili Marleen".

1979 erhielt Hanna Schygulla den Silbernen Bären für „Die Ehe der Maria Braun“. „Damals war das mehr eine Bestätigung für Fassbinder“, erinnert sich die 66-Jährige. „Ich fühlte mich da eher in einer Stellvertreterfunktion.“ Da ist es schon wieder! Dieses Phänomen, dass niemand über Hanna Schygulla reden kann, ohne Rainer Werner Fassbinder zu erwähnen, nicht einmal sie selbst. Ihren Entdecker, ihren Förderer. Dem sie 1969, gerade 25-jährig, in seinem Regiedebüt „Liebe ist kälter als der Tod“ ein hinterhältiger Engel im Minirock war, später in den „Bitteren Tränen der Petra von Kant“ eine lesbische Geliebte, in „Effi Briest“ eine gefangene Ehefrau und in „Lilli Marleen“ eine Nazi-Sängerin, die einen Juden liebt. Figuren voller innerem Zwiespalt. Voller innerer Ruhe, aber gleichzeitig völlig neben sich stehend, was den somnambulen Effekt erklären könnte, den ihr Spiel auf den Zuschauer hatte.

Nun ist die Schauspielerin mit einem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Am Donnerstagabend nahm sie den Preis im Kino International aus den Händen von Festvialchef Dieter Kosslick entgegen. Regisseur Fatih Akin, in dessen Film „Auf der anderen Seite“ sie zuletzt mitwirkte, sagte in seiner Laudatio: „In ihrer Arbeit gab sie Deutschland ein Gesicht, einen Körper und eine Seele. Du kannst alles sein, die Fee und die Hexe.“

Die Schauspielerin bedankte sich unter stehenden Ovationen. An Regisseur Akin gerichtet sagte sie: „An Fee und Hexe hätte ich natürlich auch Gefallen.“ Ausdrücklich erinnerte Schygulla an Fassbinder und sang für ihn zum Andenken vor den anwesenden Gästen die letzte Strophe des Liedes „Lili Marleen“.

Die Aura des Weltstars umgab sie einst und umgibt sie bis heute. Man kennt sie wieder hierzulande, die Diva, die seit 1981 in Paris lebt, aber ernsthaft mit den Gedanken eines Umzugs spielt. „Berlin steht da natürlich immer im Raum“, sagt sie „Aber es gibt so viel Dunkelheit hier. Die Dinge in Berlin sind ja noch dunkler als in Paris“. Nun, gestern jedenfalls war es scheinwerferhell bei der Verleihung des Ehrenbären. Zeit wurde es.



Erschienen am 18.02.2010

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