17.02.13

Berlinale

Filmfriedenspreis geht an antiisraelischen Regisseur

Mahdi Fleifel zeigt in "A World Not Ours" den Alltag in einem Palästinenser-Lager. Die Preisverleihung an den Regisseur ist umstritten.

Von Thomas Abeltshauser
Foto: Reto Klar
<anlauf-bu>Preisträger</anlauf-bu> Mahdi Fleifel am Sonntag im Babylonkino
Preisträger Mahdi Fleifel am Sonntag im Babylonkino

Ganz einverstanden scheint selbst der Laudator Rosa von Praunheim nicht, als er im Babylonkino am Rosa-Luxemburg-Platz die Laudatio zum 28. Friedensfilmpreis der Berlinale hält. Der Preis, der unter anderem von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Internationalen Auschwitz Komitee vergeben wird, geht in diesem Jahr an den Dokumentarfilm "A World Not Ours" des dänisch-palästinensischen Regisseurs Mahdi Fleifel.

Er handelt vom Alltag in dem seit über 60 Jahren bestehenden palästinensischen Flüchtlingslager Ain al-Helweh im Süd-Libanon. Fleifel montiert darin alte Videos seines Vaters, bevor die Familie nach Dänemark auswanderte, und späteren Aufnahmen, die er selbst bei Besuchen des Lagers machte.

Praunheim preist den Film zwar als "sehr persönlichen Videobericht", der die Gefühle der 70.000 Menschen zeige, die dort auf einem Quadratkilometer zusammenleben und auf ihre Rückkehr in die alte Heimat warten. Aber er sagt auch deutlich, dass im Film die andere Seite nicht erwähnt wird, die jüdischen Flüchtlinge, die nach den Gräueln des Holocaust keine Heimat mehr hatten.

Die Verleihung des Preises an Fleifel ist umstritten. So gab es am Freitagabend nach der Filmvorführung im Cinestar 7 eine Diskussion mit ihm. Der israelische Journalist Eldad Beck war anwesend und berichtete, dass der Regisseur betont habe, dass Israel keinen legalen Grund zu existieren hat, und deswegen werde es nie von den Palästinensern und Arabern akzeptiert.

Am Sonntag auf die Aussagen angesprochen, sagte Fleifel: "Das habe ich so nicht gesagt. Israel existiert, es ist eine Realität. Aber das heißt nicht, dass ich rechtlich akzeptieren muss, was Israel mit den besetzten Gebieten macht. Es sollte zwei Staaten geben und Israel sollte seine Siedlungen in der Westbank abziehen. Das ist illegal und niemand kann von mir verlangen, das zu akzeptieren."

"Ich bin kein Politiker"

Danach befragt, wie seiner Meinung nach eine Lösung aussehen würde, sagte er: "Ich bin kein Politiker, ich habe keine Lösung. Aber diese Menschen haben ein Recht, in ihre Heimat zurückzukehren. Wenn man keine Einigung findet, muss es eine Art von Kompensierung geben, denn das Flüchtlingsproblem ist eine klare Folge der Gründung Israels. Eine Lösung wäre, einem Teil der Menschen die Rückkehr zu ermöglichen und die anderen, die das aus irgendwelchen Gründen nicht wünschen, zu kompensieren."

Im Film gibt es außerdem Videoaufnahmen, die den Filmemacher in seiner Jugend bei einem Austausch zwischen seiner dänischen Schulklasse 1997 in Israel zeigen, bei dem sie auch das Holocaustmuseum Yad Vashem besuchen. Im Offkommentar sagt er, er habe sich damals wie ein Außenseiter seinen Mitschülern gegenüber gefühlt, weil er keine Verbindung dazu aufbauen konnte.

Er musste an die Bilder aus seiner Kindheit denken, in denen israelische Soldaten auftauchten, die Intifadamitgliedern Knochen brechen. "Ich sollte die gleichen Gefühle haben und weinen, aber etwas hielt mich zurück, und das waren Aufnahmen, die ich mit sechs Jahren sah, israelische Soldaten und wie sie mit Intifada-Leuten umgehen", sagt Fleifel.

Der Film als "Plädoyer für den Friedensprozess"

Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, sagte: "Wir haben den Film ausgewählt, weil er die mentale Situation in diesen Lagern zeigt, um die Situation zu verstehen. Wir glauben, dass nur Verständnis für den Anderen zu einem wirklichen Friedensprozess führen kann. Aber der Holocaust ist unvergleichbar! Was heute passiert, ist nicht dasselbe, man muss das unterscheiden."

Offiziell begründete die Jury ihre Entscheidung so, dass der Film "sich völlig von den üblichen Schemata der Einordnung der Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern befreit", der so zu "einem Plädoyer für einen neuen Friedensprozess im Nahen Osten wird". Der Preis gehe jeweils an "Filme, die durch ihren humanistischen, sozialpolitischen sowie friedensfördernden Hintergrund bestechen".

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