17.02.13

Berlinale-Kolumne

Schlimm - Nina und Gloria tun es

Das kommt von zehn Tagen übermäßigem Kinokonsum: Man wacht eines Morgens auf und denkt man steckt im Film. Ein absoluter Berlinale-Albtraum.

Foto: Patrick Orth/Schramm/Berlinale 2013

Thomas Arslan drehte seinen Film „Gold“ mit Nina Hoss in Kanada. Er hätte es auch im Schwarzwald tun können, weil Landschaft ihn gar nicht interessiert. Was aber wenn Nina Hose samt Pferd auf einmal im Garten stehen?
Thomas Arslan drehte seinen Film "Gold" mit Nina Hoss in Kanada. Er hätte es auch im Schwarzwald tun können, weil Landschaft ihn gar nicht interessiert. Was aber wenn Nina Hose samt Pferd auf einmal im Garten stehen?

Aufgewacht heute morgen. Und alles ist anders. Alles ist wie im Film. Im Berlinale-Film. Die Leinwand meines Lebens ist schwarz. Dann wird sie dunkelrot.

Ein Ball wie eine Rocher-Kugel schwebt im Raum, fällt langsam nach hinten, explodiert. Dumm-dumm-dä wummert der Lautsprecher in meinem Kopf. Wie Schnee fallen goldene Fitzel. Ein goldener Bär erscheint links.

Der Film beginnt. Ein einsamer (schnüff) Mann steht auf. Es ist still in seinem Haus. Man sieht leere Betten. Alles ist seltsam grünlich. Das Bild wackelt dem Mann hinterher ins Bad.

Zuviele Filme tun nicht gut

Man sieht sein Gesicht im Spiegel. Er hat Ähnlichkeiten mit dem Una-Bomber. Er schüttelt den Kopf. Sein Spiegelbild auch. "Na, wieder zuviele Filme geguckt", sagt der Mann. Sein Spiegelbild nickt und hat Tränen in den Augen.

Der Mann verlässt das Bad, torkelt die Treppe hinunter. Am Ende der Treppe steht eine Bärenfalle. Der Mann kickt sie weg.

Der Mann steht mit dem Rücken zur Kamera vor dem Fenster. Ein Fluss ist zu sehen. Nebel ist da. Ein Hund steht neben ihm und springt dauernd an ihm hoch. Der Mann seufzt.

Catherine Deneuve ist auch da und raucht

In der Küche sitzt eine ältere Diva im Tigerhemd und raucht ihre zehnte Zigarette. Alles ist voller Qualm. Auf dem Fluss fährt ein Schiff vorbei. Es hat Altmetall geladen und heißt Cornelia.

Vögel fliegen. Möwen kreischen. Ein Pferd steht plötzlich auf dem Trampolin im Garten. Nina Hoss sitzt darauf. Zügel und Mundwinkel hängen ihr herunter.

Nina Hoss kommt herein. Die Stereoanlage spielt Umberto Tozzis "Gloria". Nina Hoss, die rauchende Frau, ein dickes Mädchen und eine ältere Sekretärin namens Roswitha auf der Nase tanzen. Eine Diskokugel blitzt. Dann ziehen die vier sich aus.

Ein Plüschschaf wird gefoltert

Der Mann, der aussieht wie der Una-Bomber, rennt schreiend die Treppe rauf. Schließt sich in einem Zimmer ein. Da liegt ein Mann mit dem Porträt des demnächst ehemaligen Papst im Arm auf dem Bett. Am Schreibtisch foltert ein 13-Jähriger ein Plüschschaf.

In der Ecke hockt eine Koreanerin. Ihr Kassettenrekorder dudelt eine Hammond-Orgel-Version von Beethovens Siebter. An der Wand ein Bild. Juliette Binoche, ganz bleich, ist drauf. Das Bild ruft: "Hol mich hier raus."

Der Mann schreit wieder. Er rennt auf den Balkon. Er hat den dicken Katalog der Berlinale unter dem Arm. Von einem Karatekämpfer im Anzug lässt er ihn kleinschlagen.

Mads Mikkelsen legt ein herrliches Feuer

Der Mann fragt Mads Mikkelsen, der eben noch nicht da war, ob er Feuer habe. Sie machen ein Feuer mit dem Berlinale-Programm. Man hört Verdi.

Das Haus brennt ab. Der Mann fährt mit dem Auto durch die Stadt. Auf dem Rücksitz schlagen sich knallbunte Steinzeitmenschen die Köpfe ein. Im Radio erklärt Dieter Kosslick die Berlinale für beendet.

Der Mann hält vor einem Kino. Er stakst hinein. Die Handkamera schunkelt aufs Filmplakat. "Django unchained" steht drauf.

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