16.02.13

Berlinale-Interview

Catherine Deneuve und das Klischee der kühlen Blonden

Schauspielerin Catherine Deneuve ist in Berlin. Sie spricht im Interview über ihre Rolle im Film "Elle s'en va" - und weibliche Regisseure.

Von Thomas Abeltshauser
Foto: AP

Der große Star: Catherine Deneuve wird in diesem Jahr 70
Der große Star: Catherine Deneuve wird in diesem Jahr 70

Berliner Morgenpost: Madame Deneuve, Sie waren bereits auf zahlreichen Berlinalen zu Gast. An welches Jahr erinnern Sie sich besonders gern?

Catherine Deneuve: Vor elf Jahren war ich hier mit François Ozons "8 Frauen", damals bekamen wir als Darstellerensemble den Silbernen Bären. Aber in besonderer Erinnerung habe ich 2005, als André Techinés Film "Changing Times" im Wettbewerb lief. Ich mag das Festival wirklich sehr, weil es nicht so sehr um Starrummel geht. So wie in Cannes, was unglaublich anstrengend ist. Auf der Berlinale geht es viel mehr um die Filme selbst, nicht so um eine große Show, deshalb komme ich immer wieder gern.

Die Rolle hat Ihnen die Regisseurin Emmanuelle Bercot auf den Leib geschrieben. Ist der Film "Elle s'en va" eine Huldigung an Sie?

Nein, so empfinde ich es nicht. Ich mag diese Bettie wirklich sehr, mir gefällt das Leichte und Fröhliche an ihr, aber es ist keine Hommage an mich. Ja, sie hat die Rolle für mich kreiert, aber mit einer anderen Schauspielerin hätte sie es eben ein bisschen anders geschrieben.

Sie hat Sie immerhin "die absolute Frau" genannt.

Ah, ja? D'accord… Was sie damit wohl gemeint hat? Hat sie es Ihnen erklärt? Nein?

Sie spielen eine Frau um die 60, die offen durchs Leben geht, abenteuerlustig ist und sich verliebt. So etwas sieht man nicht sehr oft im Kino…

Deswegen hat mir das Drehbuch so gefallen, ich fand das originell. Sie ist eine Frau in einem gewissen Alter, die gerade sehr enttäuscht wurde, weil ihr Freund sie für eine Jüngere hat sitzen lassen. Aber sie fühlt sich noch lebendig und will was erleben. Und sie merkt, dass sich noch Männer für sie interessieren. So etwas passiert dauernd im wahren Leben, aber man sieht es leider kaum auf der Leinwand.

Was hat Sie an der Figur gereizt?

Sie gibt nicht auf, sie ist kein Opfer, sondern versucht so zu leben, wie sie es für richtig hält. Sie ist offen und neugierig, das gefällt mir.

Sie spielen mit einer ganzen Reihe Laiendarsteller, die vorher noch nie vor einer Kamera standen. Machte Sie das nervös?

Nein, das hatte ich auch bald vergessen, weil sie so stark und angstfrei spielten.

Sie haben mit einigen der größten Regisseure wie Luis Buñuel und Roman Polanski gearbeitet. Jetzt drehen Sie mit einer relativ jungen Regisseurin...

Sie ist sehr lebendig und sie arbeitet hart. Aber ich vergleiche nie Regisseure miteinander, ich sehe keinen Sinn darin.

Führt eine Frau denn anders Regie?

Ich habe mit einigen Regisseurinnen gedreht. Natürlich ist es ein Unterschied. Sie sind oft mutiger, verstecken sich nicht so sehr, sondern kommen auf den Punkt. Eine Frau schreibt anders für eine Frau, weil sie einfach mehr davon versteht.

In letzter Zeit waren Sie vor allem in Komödien wie "Das Schmuckstück" zu sehen, in denen Sie selbstironisch mit Ihrem Image als "kühle Blonde" gespielt haben. Was reizt Sie daran?

Es hängt vor allem vom Drehbuch und vom Regisseur ab. Ich mag Komödien, aber es ist schwer, eine gute zu schreiben. Die Rolle ist zwar für mich geschrieben, aber deshalb hat sie nicht unbedingt etwas mit mir persönlich zu tun. Wir kannten uns ja vorher nicht. Emmanuelle sah vielleicht etwas in meinen anderen Filmen, das nichts mit diesem Klischee zu tun hat. Ich versuche, mich immer wieder herauszufordern, Rollen anzunehmen, die ich noch nicht gespielt habe. Das finde ich interessanter. Ich muss mich unterhalten, es muss mir Spaß machen.

Sie sind eine Ikone des Französischen Kinos und werden weltweit gefeiert. Wundert Sie es eigentlich noch manchmal, überall für Aufsehen zu sorgen?

Es freut mich, dass man mich selbst in weit entfernten Ländern erkennt. Die beiden Filme von Jacques Demy, "Die Regenschirme von Cherbourg" und "Die Mädchen von Rochefort", das ist schon lange her, gingen um die Welt.

Sie stehen seit mehr als fünf Dekaden vor der Kamera. Schauen Sie sich manchmal Ihre alten Filme an?

Nein. Manchmal läuft einer im Fernsehen und ich bleibe mal zehn Minuten beim Durchschalten hängen. Aber ich habe so wenig Zeit für die Filme, die ich sehen will, dass ich sie nicht mit meinen eigenen vergeuden muss.

Wie fühlt es sich an, wenn Sie sich selbst sehen?

Manchmal werde ich ein bisschen nostalgisch, weil ein Film an einem bestimmten Punkt meines Lebens entstanden ist und ich mich an persönliche Dinge erinnere, die damals passiert sind. Die Nostalgie kommt von daher, nicht von der Rolle oder dem Film selbst. Wenn ich zum Beispiel "Die Mädchen von Rochefort" sehe, weil ich ihn mit meiner Schwester gedreht habe und wir uns sehr nahe standen. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die gemeinsamen Dreharbeiten, schön, aber auch traurig.

Gibt es auch Filme, die Sie lieber vergessen würden?

Ganz sicher, ja. Aber fragen Sie mich jetzt bloß nicht, welche!

Hat Schauspielen noch immer denselben Stellenwert in Ihrem Leben wie früher?

Als ich jung war, wusste ich gar nicht, ob ich überhaupt Schauspielerin werden will. Erst als ich Jacques Demy kennenlernte, habe ich verstanden, was Film wirklich sein kann. Damals war ich noch sehr jung, hatte erst drei Filme gemacht und wusste nicht, wie aufregend Filmemachen sein kann. Durch ihn habe ich so viel gelernt und ich wollte Teil dieser Welt werden. Ich hatte dann viel Glück, weil ich mit tollen Regisseuren arbeiten konnte. Heute fühlt sich alles sehr familiär an, es ist Teil meines Lebens.

In diesem Jahr waren im Wettbewerb erstaunlich viele starke Frauenfiguren mittleren Alters zu sehen, "Gloria" etwa oder "Camille Claudel 1915". Gibt es bessere Angebote für reife Schauspielerinnen?

Nein, das halte ich für reinen Zufall.

Neben Ihnen waren dieses Jahr auch Isabelle Huppert und Juliette Binoche zu Gast. Gibt es so etwas wie den Klub der Französischen Filmdiven?

Was sollte das denn sein? Wenn wir uns treffen, reden wir auf jeden Fall nicht über die Arbeit, sondern über unsere Kinder und das Leben. Isabelle wohnt ganz in der Nähe, wenn wir uns sehen, reden wir nicht über die Relevanz einer Rolle.

Sie werden in diesem Jahr 70 und sehen fantastisch aus. Was ist Ihr Geheimnis?

Es gibt kein Geheimnis. Es ist alles eine Illusion. (lacht)

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