15.02.13

Filmfest in Berlin

Wenn Nicolas Cage mit der Augenbraue zuckt

Zum Abschluss der Berlinale gab sich noch mal einer der ganz großen Stars die Ehre: Gemeinsam mit Emma Stone stellte Cage "The Croods" vor.

Foto: dpa/PA/

Etwas gelangweilt: Schauspieler Nicolas Cage mit Kollegin Emma Stone
Etwas gelangweilt: Schauspieler Nicolas Cage mit Kollegin Emma Stone

Zum Abschluss noch einmal so ein bisschen Glamour – hat sich Dieter Kosslick bestimmt gedacht, als sie den Nicolas Cage eingeladen haben. Lustig nur, dass er für einen Animationsfilm gekommen ist, in dem er den Höhlenmenschen Grug spricht, so einen patriarchalischen Typen, der vor allem Neuen Angst hat. Und bezeichnend ist das in gewisser Weise schon.

Weil der Nicolas Cage ja auch so eine Art Höhlenmensch von Hollywood ist. Einer der letzten Macho-Hau-Drauf-kantiges-Gesicht-Helden. Sogar mit seiner Frau hat er sich betrunken mal geprügelt. Dabei sollte man sich jetzt auf der Zunge zergehen lassen, dass ausgerechnet Dog, dieser Kopfgeldjäger mit eigener Serie, die Kaution nach Cages Verhaftung bezahlte.

Hat Nicolas Cage jemals was ohne Peng und Bumm gespielt? Hat er, lang ist's her. 1995, "Leaving Las Vegas". Da mimte Cage einen trinkenden, verlotterten Drehbuchautor, der sich in Vegas zum krönenden Abschluss tot saufen will. Dafür gab es auch einen Oscar. Danach kamen "Con Air", "Nur noch 60 Sekunden", der Höhepunkt des Trash waren die beiden "Ghost Rider"-Filme, in denen er mit Lederjacke und brennenden Reifen Hochhäuser hoch und runter fuhr.

Cage posiert mit Ochsenknecht

Jetzt steht Cage unten vor der Fotoleinwand. Er trägt einen Bart und dunklen Anzug. Neben ihm steht Uwe Ochsenknecht in brauner Lederjacke und Jeans. Uwe Ochsenknecht synchronisiert nämlich den Grug im Film. Ob er wohl inzwischen seine Gartenmöbel von Martin Semmelrogge zurück bekommen hat? Und ob Cage weiß, wie Ochsenknecht seine Söhne genannt hat?

Inzwischen ist der Konferenzsaal gefüllt. Eine Berichterstatterin mit ganz dünnen Fingern und perfekten Nägeln beißt doch, zwei Minuten bevor es losgeht, in ein Brötchen mit Harzer-Käse. Das stinkt so sehr, dass sich einer der Fotografen in der ersten Reihe umdreht. Dieter Kosslick geht mit Hut und einem Goody-Bag durch den Saal. Heute keinen roten, dafür aber einen grün-lila-türkisen Schal.

Fünfzehn Minuten zu spät gehen die Produzentinnen Kristine Belson und Jane Hartwell, die Regisseure Kirk DeMicco und Chris Sanders zum Podest. Janine Reinhardt, eine der deutschen Stimmen, ist auch dabei. Und natürlich Uwe Ochsenknecht und auch Kostja Ullmann.

Gezwungenes Lächeln

Seit 1999 ist Cage jetzt zum allerersten Mal wieder hier zur Berlinale. Er hat immer diese fragenden Augenbrauen, die fast traurig wirken. Und ein afrikanischer Korrespondent will Ochsenknecht etwas fragen, wünschst sich aber zuerst, dass Nicolas Cage mal lachen soll. Und wirklich, er lächelt. Aber ein bisschen gezwungen. Der Bart geht schon ins Graue über und sein Kopfhaar ist dünn geworden. Uwe Ochsenknecht macht zur Erinnerung ein Foto mit seinem Telefon.

Uwe Ochsenknecht sagt jetzt, dass er mit Nicolas Cage sehr gut zusammen gearbeitet hat. Cage scheint davon zum ersten Mal zu hören. Er zieht seine Augenbrauen jetzt noch fragender nach oben, als sie eh schon waren. Ochsenknecht bemerkt das und meint, Zusammenarbeit in dem Sinne, dass sie ja beide der gleichen Figur ihre Stimme geliehen haben.

"Ich hoffe, ich sehe nicht so aus wie die Steinzeitmenschen im Film", antwortet Cage auf die Frage, was er denn mit seiner Rolle gemeinsam hat. Und jetzt lachen sogar die Zuhörer. Aber da sei schon ein großes Stück von ihm im Film. Besonders dieser beschützende Vater.

Um sein linkes Handgelenk hat Cage eine riesige goldene Uhr gebunden, auf die er zwischen den Fragen schaut. Ein Fragesteller gibt jetzt zu, dass er es gar nicht geschafft hat, den Film zu sehen. Und wieder regt sich die Cage-Augenbraue. Ein kleines Zucken, welches in seiner sich wellenden Bewegung vom linken Rand bis zur Mitte der Nasenwurzel geht. Und wir denken an seine Filme und es ist wahrscheinlich wirklich so, dass seine Augenbrauen mehr spielen als der Rest seines Körpers.

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